Steingarten-Verbot
«Gärten des Grauens»: Baselbieter Regierung setzt auf Prävention statt Verbote

Auch im Baselbiet gibt es immer mehr Schotter- und Steingärten. Der Regierungsrat erkennt sie zwar als Problem, will dem Phänomen aber «nur» mit Beratung begegnen – und: Der Kanton soll als Vorbild vorangehen.

Benjamin Wieland
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Nicht nur fürs Auge wüst: Schottergarten in Therwil.

Nicht nur fürs Auge wüst: Schottergarten in Therwil.

Kenneth Nars/bz-Archiv

Die vergangenen heissen und trockenen Sommermonate haben es deutlich vor Augen geführt: Stein- und Schottergärten heizen das Mikroklima in Siedlungsgebieten zusätzlich auf. Doch auch aus Sicht von Ökologie und Ästhetik gibt es viele Kritikpunkte an dieser für die Eigentümerschaft günstigen Form der Gartengestaltung.

Die Baselbieter Regierung will die Steinflächen mit Beratung, Prävention und Workshops bekämpfen. Das geht aus den Antworten zweier Vorstösse zum Thema hervor.

Adressaten von Angeboten über ökologische Gartengestaltung seien nicht nur Hauseigentümerinnen und -eigentümer, sondern auch der kantonale Gärtnermeisterverband, Planungs- und Architekturbüros, weiter Werkhofmitarbeitende und Hausmeisterinnen und -meister.

Zentrum Ebenrain soll vermitteln

Eine vermittelnde Position sieht die Regierung für das landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain vor: Es soll Kurse anbieten.

Der Regierungsrat betont auch die Rolle des Kantons als Vorbild. So unterstütze er die Gemeinden bei der naturnahen Aufwertung ihrer Flächen. Seit 2020 laufe das Programm. Am Zentrum Ebenrain sei das Ressort «Natur im Siedlungsraum» geschaffen worden. Nun werde ein Vorgehen für die kantonseigenen Flächen entwickelt.

Tiefbauamt legt selber nur Ruderalflächen an

In der Beantwortung eines früheren Vorstosses aus dem Jahr 2018 zum Thema gab der Regierungsrat bekannt, dass das kantonale Tiefbauamt selber keine Schottergärten anlege, lediglich Ruderalflächen. Im Gegensatz zu Schotterflächen seien diese nicht versiegelt und böten Lebensräume für einheimische Tiere und Pflanzen.

Eingereicht hatte die Interpellation von 2018 Miriam Locher. Die SP-Landrätin aus Münchenstein ist auch Urheberin der nun beantworteten jüngeren Vorstösse zu Schottergärten.

Dass der Regierungsrat wenig von Verboten hält, hat er bei früheren Gelegenheiten ebenfalls klar gemacht: Es mangele wohl an Akzeptanz in der Bevölkerung; zudem wären Kontrolle, Mahnung und Sanktionierung von Fehlverhalten «nur mit grossem Aufwand vollziehbar».

Gemeinden sträuben sich vor Verbot

Auch auf kommunaler Ebene ist der Ruf nach einem Verbot, zumindest neue Steingärten anzulegen, laut geworden, etwa in Liestal, Lupsingen, Therwil und Reinach. In Reinach hat der Einwohnerrat Ende 2021 eine Prüfung von Verboten abgelehnt. Der Gemeinderat argumentierte, er wolle lieber Anreize schaffen, wie man Gärten naturnaher gestalten könne.

In Basel-Stadt wiederum sind Vorgärten naturnah zu gestalten. Doch es gibt ein Schlupfloch, und es wird offenbar häufig genutzt: Die Hauseigentümerschaft darf Vorgärten planieren, um dort Veloparkplätze anzulegen.