Pflegeheime
Stiftungsräte sollen sich aus den Heimbetrieben raushalten

Bei den Baselbieter Heimbetrieben besteht ein generelles Problem: Stiftungsräte versuchen vermehrt, auf die operative Führung ihrer Alters- und Pflegeheime Einfluss zu nehmen. In den vergangenen Monaten wurde bereits drei langjährigen Heimleitern gekündigt.

Michael Nittnaus
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Baselbieter Heimleiter sind mit Aufsicht im Streit

Baselbieter Heimleiter sind mit Aufsicht im Streit

Keystone

Urs Röthlisberger war der Erste. Im Februar wurde dem Leiter des Füllinsdörfer Alters- und Pflegeheims Schönthal vom Stiftungsrat die Kündigung auf den Tisch gelegt. Nach 22 Jahren. Im April folgte K. R. vom Moosmatt in Reigoldswil. Ihn stellte der Trägerverein per sofort frei. Und vor einer Woche ereilte das Heimleiterpaar Ralph und Ljerka Wicki dasselbe Schicksal im Alters- und Pflegeheim Eben Ezer bei Frenkendorf. Auch sie wurden vom dortigen Stiftungsrat per sofort freigestellt.

«Eine solche Häufung von Abgängen habe ich noch nicht erlebt», sagt Jürg Rohner. Der ehemalige Präsident des Baselbieter Pflegeheimverbands BAP zeigt sich genauso überrascht wie der aktuelle, Sandro Zamengo: «Ich wurde von allen drei Fällen auf dem linken Fuss erwischt. Dabei kenne ich diese Heimleiter sehr gut. Es sind alles top ausgebildete Leute mit viel Erfahrung.» Zamengo nennt die Kündigungen daher «grotesk».

Heimleiter als Betriebsökonomen

Weder Rohner noch Zamengo kennen die Hintergründe. Zumindest in den Fällen Röthlisberger und Wicki steht aber fest: Trägerschaft und Heimleitung zogen nicht mehr am selben Strang, hatten unterschiedliche Auffassungen, wie das Heim geführt werden soll. Speziell Röthlisberger monierte, dass nur noch die Wirtschaftlichkeit und weniger die Betagten selbst im Fokus stünden.

Diese Entwicklung bestätigt Zamengo: Der finanzielle Druck auf die Heime habe stark zugenommen, weil auch die Gemeinden in Bedrängnis seien. Über die Trägerschaften wollten letztere nun vermehrt Einfluss nehmen. «Ich stelle immer öfter fest, dass sich Stiftungsräte in die operativen Geschäfte der Heimleiter einmischen. Doch da gehören sie nicht hin.» Dies führe unweigerlich zu Differenzen. «Und irgendwann knallt es.» Zamengo, der selbst Leiter des Allschwiler Alterszentrums Am Bachgraben ist, empfiehlt nicht ganz uneigennützig: «Eine schlaue Trägerschaft hört auf ihren erfahrenen Heimleiter.»

Milizsystem birgt Gefahr

Auf der anderen Seite sitzt Rohner. Als Stiftungsrat des Hofmatts in Münchenstein sagt aber auch er: «Die Rollenverteilung zwischen strategischer und operativer Leitung bringt immer wieder Probleme.» Er empfiehlt Heimen, bei Differenzen die Hilfe externer Moderatoren zu suchen. Dies würde viel zu wenig getan. Gerade sofortige Freistellungen könnten so vielleicht vermieden werden. Auch Zamengo warnt eindringlich vor unüberlegten Entscheiden: «Der Weggang eines Heimleiters führt zu einem riesigen Verlust an Know-how. Ein neuer Leiter braucht mindestens ein Jahr, um sich einzuarbeiten.»

Auch national beschäftigt die Frage, wie Kompetenzen zwischen Trägerschaft und Heimleitung aufgeteilt werden sollen. Der Schweizer Heimverband Curaviva sieht zwar national keine Häufung von Abgängen. Sprecher Dominik Lehmann stellt aber fest: «Es gibt einen Trend zur Professionalisierung der Trägerschaften.» Im Milizsystem, wie es in Baselland noch vorherrscht, «erkennt Curaviva die Gefahr, dass das fachlich-strategische Denken etwas weniger vorhanden ist». Unterstützung bietet der Verband, der 2010 auch eine Studie zum Thema veröffentlicht hat, durch die Fachpublikation «Gute Führung im Heimalltag» und ein Funktionendiagramm, das aufzeigt, welche Ebene welche Kompetenzen haben sollte.

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