Pratteln
Stingelin setzt letztes Zeichen

Kurz vor seinem Rücktritt will der Gemeindepräsident Beat Stingelin ein neues Verwaltungsprojekt durchsetzen. Die Verlegung der Prattelner Gemeindeverwaltung in ein Hochhaus an der Bahnhofstrasse wurde von den Bürgern allerdings klar abgelehnt.

Michel Ecklin
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Pratteln soll ein neues Hochhaus erhalten, trotz dem Nein des Volkes am vorletzten Sonntag.

Pratteln soll ein neues Hochhaus erhalten, trotz dem Nein des Volkes am vorletzten Sonntag.

zvg

Er ist nur noch zweieinhalb Monate im Amt, aber bis kurz vor seinem Rücktritt zeigt sich der Prattler Gemeindepräsident Beat Stingelin angriffig. Noch am vorletzten Wochenende erlitt der Sozialdemokrat eine Niederlage. Denn das Volk lehnte die Verlegung der Gemeindeverwaltung in ein Hochhaus an der Bahnhofstrasse klar ab. Unbestritten ist, dass ein neues Projekt her muss, und zwar rasch. Denn das Verwaltungsgebäude platzt aus allen Nähten und ist sanierungsbedürftig.

Und schon nimmt Stingelin das Zepter in die Hand und verkündet gegenüber der bz: «Es kommt sicher noch in dieser Legislaturperiode ein Vorschlag von uns an den Einwohnerrat.» Das wäre vor dem kommenden 1. Juli. «Die Zeit drängt», sagt er. «Vorspuren müssen wir Alten, bevor die Neuen in den Gemeinderat kommen.»

Gibt es einen Plan B?

Diese Aussage gerät denjenigen, die ab Sommer neu im Gemeinderat sitzen, in den falschen Hals. Vier neue Gemeinderäte hat das Volk im Februar gewählt, und die Mehrheit kippt ins bürgerliche Lager. Urs Hess, der ab Sommer die SVP in der Exekutive vertreten wird, ist der Meinung: «Die Neuen bringen eine neue Sichtweise und bewerten die verschiedenen Modelle nach anderen Kriterien als die Bisherigen.»

Und der ebenfalls neu gewählte Roger Schneider (Unabhängige Pratteln) hält eine Lösung für die Verwaltung für «ziemlich dringend», meint aber auch: «Ich habe noch von niemandem gehört, dass es so brennt, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Planungskredit vor den Einwohnerrat kommt.» Dass Stingelin es so eilig habe, überrasche ihn. «Aber vielleicht hat der Gemeinderat einen Plan B?»

Diplomatisch äussert sich Stephan Burgunder (FDP), Stingelins Nachfolger an der Spitze des Gemeinderats. «Wenn Stingelin es so dringend hat, eine Vorlage zu präsentieren, dann gehe ich davon aus, dass er eine sehr gute Idee hat. Sonst würde es das Projekt nicht so vorantreiben.» Von einem Plan B wisse er nichts, aber er halte es für denkbar, dass es einen gibt.

Welche Überlegungen der Gemeinderat nach der Niederlage an der Urne machen muss, darüber sagt Stingelin nicht viel. Man müsse eben neu bewerten, was man schon mal angeschaut habe. Und für den Hochbauchef im Gemeinderat, Rolf Wehrli (FDP), ist es schlicht zu früh, um darüber Auskunft zu geben. Er ist einer der drei Gemeinderäte, die bleiben.

Positiv zu Stingelins Vorpreschen äusserst sich Christine Gogel, die ab Sommer die SP im Gemeinderat alleine vertritt. Sie hält eine Vorlage noch vor Juli für «sinnvoll, wenn auch vom Zeitplan her eher sportlich». Die Bisherigen seien bereits ins Geschäft eingearbeitet und müssten nicht mehr bei null anfangen, «und Stingelin ist eben ein Macher».

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