Strafgericht
Angriff im Gefängnis war versuchter Mord

Im Gefängnis Liestal soll er beinahe einen Betreuer mit einem Schuhbändel erdrosselt haben: Ein 30-jähriger wird deshalb in ein Massnahmenzentrum eingewiesen.

Kelly Spielmann
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Der Mann musste sich vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten.

Der Mann musste sich vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten.


Juri Junkov / BLZ

«Es geht nicht darum, Sie wegzusperren», erklärte Gerichtspräsident Beat Schmidli dem 30-Jährigen Mann am Freitagabend. Dieser liess sich zwar nichts anmerken, dürfte aber mit dem Entscheid wenig zufrieden sein: Die fünf Richter verhängten eine stationäre Therapie von unbestimmter Dauer in einem Massnahmezentrum.

Der Mann hatte im Mai 2020 im Gefängnis Liestal einen Gefangenenbetreuer angegriffen und diesen mit einem Schuhbändel beinahe erdrosselt. Der Betreuer sollte diese Woche eigentlich vor Gericht als Zeuge befragt werden, allerdings war er krank. Gegen den Willen des Verteidigers stützte sich das Gericht daher einzig auf die damaligen Videoaufnahmen des Gefängnisses. Der Mann hatte den Betreuer minutenlang zu Boden gedrückt und auch gewürgt. Grund für den Angriff war, der Betreuer ihn zuvor angeblich ausgelacht hatte.

Kein Landesverweis wegen Schuldunfähigkeit

Der 30-Jährige leidet an einer paranoiden Schizophrenie und hatte zuvor beim Bahnhof in Laufen mehrere Leute angegriffen. Das Gericht folgte dem Gutachter und ging von einer kompletten Schuldunfähigkeit zur Tatzeit aus. Technisch gesehen stellten die Richter bloss fest, dass er die vorgeworfenen Taten begangen hatte, bei Schuldunfähigen gibt es keine eigentliche Verurteilung. Somit gab es trotz des versuchten Mordes auch keinen damit verbundene obligatorischen Landesverweis.

Staatsanwältin Evelyn Kern hatte dem Gericht beantragt, statt dessen eine fakultative Landesverweisung von 15 Jahren auszusprechen: Seine Expartnerin habe schon mit dem gemeinsamen Sohn auf dem Arm vor ihm flüchten müssen, auch fürchte sie den Tag seiner Entlassung. Das Gericht ging darauf allerdings nicht ein und verzichtete auf einen Landesverweis.

Kein Schadenersatz für Geschädigte

Der Mann hatte auch im Mai 2019 mehrere Geschäfte und Autos zwischen Duggingen und Münchenstein besprayt oder demoliert, die Gesamtschadenssumme belief sich laut Anklage auf über 165'000 Franken.

Bei einzelnen Sachbeschädigungen war laut Gericht die Beweislage unklar, für die Geschädigten macht das allerdings keinen Unterschied: Weil der Mann schuldunfähig ist, kann zivilrechtlich auch kein Schadenersatz zugesprochen werden. Der Gerichtsentscheid kann von allen Seiten noch weitergezogen werden.