Strafgericht
Baselbieter Gastronom erhält Tätigkeitsverbot - obwohl er theoretisch ins Gefängnis gemusst hätte

Über ein Jahr lang den Konkurs verschleppt: Baselbieter Strafgericht verurteilt den Geschäftsführer des «Reinacherhof». Gemäss Aussage der Richterin, kam der Gastronom noch ganz gut davon.

Patrick Rudin
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Das Baselbieter Strafgericht verurteilte einen Gastronom wegen Misswirtschaft.

Das Baselbieter Strafgericht verurteilte einen Gastronom wegen Misswirtschaft.

Nicole Nars-Zimmer

«Schulden zu haben bedeutet für mich nicht, den Betrieb zu schliessen, sondern zu kämpfen», betonte der 47-jährige Mann am Donnerstag im Strafjustizzentrum in Muttenz. Als Geschäftsführer des «Reinacherhof» in Reinach kämpft er derzeit wegen der Pandemie wie alle Hoteliers und Gastronomen, doch die Probleme sind älter: Drei seiner Firmen sind Konkurs, derzeit führt er das Geschäft in seiner vierten Firma.

Den Stein ins Rollen für den dritten Konkurs brachte eine Betreibung über 258 Franken von Baselland Tourismus im Juni 2017, trotz Überschuldung geschäftete er weiter, im Februar 2019 wurde der Konkurs eröffnet. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Misswirtschaft an.

Ein Fass ohne Boden

Staatsanwältin Rahel Buschauer betonte vor Gericht, der Reinacherhof sei seit Jahren ein Fass ohne Boden, das zu bedeutenden Ausfällen bei den Gläubigern geführt hätte. Das Hauptproblem liege darin, wie der Angeklagte jeweils untätig zuschaue, wie der Schuldenberg wachse.

«Er betreibt ein eigentliches Konkursgeschäftsmodell»,

so Buschauer. Sie forderte für den einschlägig Vorbestraften eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten.

Bei seiner ersten Firma sei er über den Tisch gezogen worden, er habe damals auch keine Erfahrung gehabt, beteuerte hingegen der 47-Jährige. Das Geschäft sei dann eine Weile gut gelaufen, doch dann hätten sich weitere Probleme aufgetürmt. Einen Lohn bezog er nie, sondern nahm einfach Geld aus der Kasse, wenn er Rechnungen bezahlen musste. Belege davon existieren nicht.

Die Strafe hätte eigentlich bedingt sein müssen

Verteidigerin Cinzia Santo kritisierte, die Staatsanwaltschaft mache aus ihrem Mandanten einen kriminellen Mann. «Es geht darum, dass ein Geschäftsführer seine Firma aufrechterhalten und seine Angestellten weiterbeschäftigen will. Er ist kein Krimineller, der andere abzockt und im Luxus lebt». Zudem sei bekannt, dass die Gastrobranche auch ohne Pandemie eine sehr harte Branche sei. Und er habe sehr wohl Anstrengungen unternommen, die Überschuldung zu verhindern.

«Oberstes Credo meines Mandanten waren immer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sich selbst hat er nie einen Lohn ausbezahlt».

Sie verlangte einen Freispruch, allenfalls könne man eine Strafe wegen ordnungswidriger Führung der Geschäftsbücher verhängen.

«Ihre wirtschaftliche Situation ist desolat. Sie haben zehn Jahre lang ein Geschäftsmodell praktiziert, das strafrechtliche Fragen aufwirft»,

urteilte indes Einzelrichterin Monika Roth. Sie fällte am Donnerstag einen Schuldspruch wegen Misswirtschaft und weiterer Delikte und verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Angesichts der Vorstrafen und des Verhaltens des Mannes wäre eine bedingte Strafe gar nicht möglich gewesen, eigentlich müsste er die Strafe im Gefängnis absitzen.

Urteil verbunden mit diversen Auflagen

Um die zwölf Monate bedingt sprechen zu können, knüpfte das Gericht die Bewährung an einige Auflagen: Es erweiterte die Probezeit auf das gesetzliche Maximum von fünf Jahren, während dieser Zeit darf er keine selbstständige Tätigkeit mehr ausüben. Weiter ordnete das Gericht während der fünf Jahre eine Bewährungshilfe an, diese darf die Vermögens- und Erwerbssituation überwachen und auch Unterlagen dazu einfordern.

«Wenn man Ihr Vorstrafenregister anschaut, sind Sie ganz gut davongekommen»,

meinte Monika Roth. Der Mann kann das Urteil noch weiterziehen, um beispielsweise das Tätigkeitsverbot vom Kantonsgericht überprüfen zu lassen.

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