Prozess
Strafgericht: Mann druckt und verkauft gefälschte Tickets für Rockkonzerte

Ein 28-jähriger Systemtechniker fälschte und verkaufte Hunderte Tickets für Rockkonzerte. Er benutzte dazu die Hard- und Software seiner früheren Arbeitgeberin.

Patrick Rudin
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Die Ankläger werfen dem Fälscher vor, mit den verkauften Tickets seine Kokainsucht finanziert zu haben. (Symbolbild

Die Ankläger werfen dem Fälscher vor, mit den verkauften Tickets seine Kokainsucht finanziert zu haben. (Symbolbild

Keystone

Es waren Konzerttickets für die Konzertfabrik Z7 in Pratteln, Tageskarten für das Openair Gampel oder Eintrittstickets für das Greenfield Festival in Interlaken, und sie tauchten im Jahr 2008 äusserst günstig bei Ricardo auf: Ein 28-Jähriger aus der Region hatte sie mit einem Drucker und den entsprechenden Rohlingen seiner früheren Arbeitgeberin selbst hergestellt. Gestern musste er sich deshalb vor dem Baselbieter Strafgericht in Liestal verantworten.

Das Vorgehen war jeweils simpel: Mit den alten Passwörtern loggte er sich im System ein, buchte die Karten, druckte sie ohne Nummerierung aus und stornierte sie hinterher wieder im System, damit keine Differenzen auffallen. An den Konzerten selbst kamen keine Scanner zum Einsatz, die Tickets waren somit problemlos einlösbar. Viele Karten verschenkte der Mann in seinem Freundeskreis, für mindestens 4500 Franken versteigerte er aber auch Karten über die Auktionsplattform Ricardo.

«Zuerst wollte ich nur ausprobieren, ob es geht. Dann musste ich Tickets verkaufen, um meine Rechnungen bezahlen zu können», erklärte der Mann. Die Staatsanwaltschaft geht von rund 850 gedruckten Tickets aus, was der Mann aber bestritt. «Ich sage ja nicht, dass ich keine Tickets gedruckt habe. Aber ich habe nicht so viele Tickets gedruckt, wie man mir vorwirft», meinte er.

Mit Erlös Kokainkonsum finanziert

Staatsanwalt Friedrich Müller betonte, der Angeklagte habe Papier und Drucker benutzt, um sich bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin für den Rausschmiss zu rächen, seine Schulden zu reduzieren und seinen Kokainkonsum zu finanzieren. Er beantragte ein Strafmass von 20 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen unrechtmässiger Aneignung, Urkundenfälschung und Betrugs, sowie wegen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage.

Der Angeklagte meinte, er habe keine Urkunde gefälscht, die Tickets seien ja echt gewesen. Seine Verteidigerin betonte, ihm sei damals nicht klar gewesen, dass die Tickets juristisch als Urkunden gelten. Auch sei der konkrete Schaden nicht nachgewiesen, es sei nicht klar, dass alle Käufer bei dem vollen Preis tatsächlich ein Ticket gekauft hätten. Sie lehnte auch jegliche Gewerbsmässigkeit ab.

Seine ehemalige Informatik-Arbeitgeberin wie auch die Ticketvertriebsfirma fordern jeweils rund 35'000 Franken Schadenersatz. Diverse Weiterverkäufer hatten dem Angeklagten offenbar Tickets im Dutzendpack günstig abgekauft, drei davon wurden inzwischen wegen Hehlerei verurteilt. Angeklagt ist der Mann zusätzlich wegen Autofahrens trotz entzogenem Führerausweis. Auch soll er mehrmals seine damalige Frau geschlagen haben. Das Dreiergericht wird sein Urteil morgen Freitag fällen.