Strafgericht Muttenz
Dreck aus dem Bohrloch ins Therwiler Rüchibächli geschwemmt: Gericht verzichtet auf Strafe

Vor dem Muttenzer Strafgericht musste sich ein 49-jähriger Bohrmeister verantworten. Er habe nicht fahrlässig gehandelt, sagte der Mann und stritt eine Schuld für die Bachverschmutzung ab.

Patrick Rudin
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Ein 49-jähriger Bohrmeister musste sich vor Gericht verantworten.

Ein 49-jähriger Bohrmeister musste sich vor Gericht verantworten.

Symbolbild: Kenneth Nars

Das Malheur geschah im Februar 2020: Gegen Mittag pumpte ein Bohrmeister an der Baustelle in der Therwiler Weidgasse Luft in ein 180 Meter tiefes Bohrloch, um den zuvor eingetretenen Regen wieder herauszupressen.

Dabei trat, wie erwartet, Bohrschlamm an die Oberfläche, dieser floss dann aber in einen Sauberwasserschacht und gelangte ins benachbarte Rüchibächli. Laut dem Kantonalen Amt für Umwelt und Energie stieg dort der einzuhaltende Grenzwert von 20 Milligramm pro Liter an ungelösten Stoffen auf über 2500 mg/L an, die Verschmutzung habe sich danach auch in den Therwiler Marchbach fortgesetzt.

Fahrlässige Widerhandlung gegen Gewässerschutzgesetz

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft stellte gegen den Mann einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Gewässerschutzgesetz aus und verhängte eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 120 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Dagegen erhob der Mann Einsprache.

Am Donnerstag betonte der 49-jährige Bohrmeister im Strafjustizzentrum in Muttenz, das Baugelände sei abschüssig gewesen, da könne man nicht kontrollieren, wie das Wasser abfliesse. Auch sei der an die Oberfläche getretene Bohrschlamm an sich selber nicht flüssig gewesen. «Erst der einsetzende Regen hat das Material dann in den Bach gespült. Wir haben das erst mitbekommen, als plötzlich jemand von der Gemeinde aufgetaucht ist», erklärte der Mann vor Gericht. Seiner Meinung nach wäre eigentlich auch nicht er, sondern der Baumeister dafür verantwortlich, wie die Baustelle eingerichtet und der Bauplatz entwässert werde.

«Ich wüsste nicht, inwiefern ich da fahrlässig gehandelt haben soll», sagte der Bohrmeister. Er könne schliesslich nicht verhindern, dass der Regen das Material in einen Bach schwemme.

«Ich konnte ja nicht ahnen, dass das Wasser in einen Regenschacht fliesst anstatt in die Kanalisation.»

Einzelrichter Robert Karrer entschied am Donnerstag schliesslich, der Mann habe fahrlässig gehandelt: Er habe mit dem Ausblasen des Wassers aus dem Bohrloch eine potenzielle Gefahr geschaffen und darauf vertraut, dass das Wasser in die Kanalisation läuft. «Sie haben darauf vertraut, dass nichts passiert.» Und dies sei geradezu typisch für ein Fahrlässigkeitsdelikt. Auch durch seine lange Berufserfahrung von über 15 Jahren hätte er vorhersehen müssen, dass dies zu Problemen führen könne.

Die Verschmutzung des Bachs hatte keine negativen Folgen auf die Umwelt

Karrer räumte aber ein, dass die Konstellation nicht alltäglich gewesen sei und die Verschmutzung des Baches habe keine negativen Folgen für die Umwelt gehabt. Auch das Verschulden des Mannes sei gering, daher werde das Gericht von einer Bestrafung absehen. Dies hat den Vorteil, dass die Verurteilung nicht ins Strafregister eingetragen wird.

Die Verfahrens- und Gerichtskosten von insgesamt rund 500 Franken muss der Mann aber trotzdem übernehmen. Das Urteil kann er noch ans Kantonsgericht weiterziehen, auch dies wäre allerdings mit weiteren Kosten verbunden.

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