Zwingen
Streit um industrielles Erbe: Soll der Hochkamin stehen bleiben?

Eine Petition fordert die Erhaltung des Hochkamins der ehemaligen Papierfabrik in Zwingen. Für den Gemeinderat ist dieser allerdings nicht schützenswert.

Hans-Martin Jermann
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Der Hochkamin von 1915 ist im schlechten Zustand.

Der Hochkamin von 1915 ist im schlechten Zustand.

Gaby Walther

Es ist derzeit die grösste Baustelle im Laufental: Auf dem Areal der ehemaligen Papierfabrik in Zwingen investiert ein Generalunternehmer aus Sursee in den nächsten Jahren rund 50 Millionen Franken in eine Grossüberbauung mit gegen 100 Wohnungen und Gewerbeflächen.

Ein Grossteil der 2004 stillgelegten Fabrik, darunter die markante Produktionshalle, ist bereits abgebrochen worden. Seit längerem wird darüber diskutiert, welche Bauten auf dem Papiri-Areal erhalten werden sollen. Nun fordert eine Petition der Burgerkorporation, der Bürgergemeinde Zwingens, den Erhalt des 1915 erbauten Hochkamins.

Burgerratspräsident Peter Hueber, der 2017 als Quellen-Retter kantonsweit Bekanntheit erlangt hatte, begann am vergangenen Samstag offiziell mit dem Sammeln – und hat bereits 167 Unterschriften beisammen. Ausschliesslich von Zwingner Einwohnern, wie Hueber auf Anfrage versichert. Wenn innert weniger Tage fast zehn Prozent der Zwingner Einwohner eine Petition unterschreiben, dann scheint diese einen Nerv zu treffen.

Ohne Papierfabrik sähe Zwingen heute anders aus

«Ohne Papierfabrik hätte sich Zwingen ganz anders entwickelt», sagt Hueber. Mit bis zu 200 Mitarbeitenden in der Blütezeit war sie über Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber im Dorf, ja einer der grössten im Tal. Der Hochkamin aus Sichtbackstein ist der einzige noch bestehende im Laufental.

Das mache den Erhalt als Zeugnis von dessen industrieller Geschichte umso nötiger, findet Hueber. Auch die kantonale Denkmalpflege setzt sich für den Kamin ein. Dieser befindet sich baulich in einem schlechten Zustand. Aus Sicht der Denkmalpflege könnte der Kamin relativ einfach saniert werden.

Stein um Stein abtragen und wiederaufbauen

as sehen der Investor und der Zwingner Gemeinderat anders: «Uns hat bisher niemand eine Lösung präsentiert», betont Gemeindevizepräsident Thomas Schmid. Da der Kamin ins Kesselhaus integriert ist, das sicher wegkommt, wäre der Erhalt aufwendig: «Es müsste wohl Backstein um Backstein abgetragen und an einem anderen Ort wiederaufgebaut werden», sagt Schmid.

Dies schlage mit rund einer Million Franken zu Buche. Kein Klacks, zumal der Kamin bis vor kurzem in der Debatte um die Papiri-Bauten eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Im Bebauungsplan zur zweiten Etappe heisst es schwammig, der Kamin sei nach Möglichkeit zu erhalten. Zentral sei, dass die ehemalige Lagerhalle stehen bleibt.

«Diese werden wir vielfältig nutzen können, als Markthalle mit öffentlichen Nutzungen und Ausstellungen. Unikate aus dem Rückbau können dort an die goldene Zeit der Papierherstellung erinnern. Das bringt mehr als der Erhalt des Kamins», ist Schmid überzeugt.

Wie der Streit um den Kamin ausgeht, ist offen. Für die zweite Etappe sind die Rückbau-Arbeiten seit einem halben Jahr gestoppt. Der Gemeinderat hofft, dass sich die Bebauung dadurch nicht stark verzögert.