Tierschutz
Streit um «Show-Metzgete»: Sissacher wollen zwei Säue im Dorfzentrum schlachten

Tierschützer sind empört: In Sissach wollen Metzgermeister öffentlich Schweine schlachten. Die «Show-Metzgete» soll den Leuten das traditionelle Handwerk näher bringen. Kritiker bezeichnen den Anlass als «entwürdigende Veranstaltung».

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Die Organisatoren der «Show-Metzgete» wollen «humanere Alternativen zum Schlachten am Fliessband» aufzeigen: Schweine auf dem Weg in den Schlachthof.

Die Organisatoren der «Show-Metzgete» wollen «humanere Alternativen zum Schlachten am Fliessband» aufzeigen: Schweine auf dem Weg in den Schlachthof.

GEORGIOS KEFALAS

Am 28. Oktober dürfte sich der Boden des Schaffner-Areals im Ortszentrum von Sissach rot färben – blutrot: Schaulustigen bietet sich die Gelegenheit, einer öffentlichen Metzgete von zwei Säuen beizuwohnen, vom Bolzenschuss zur Betäubung bis zur Herstellung und Verzehr einer Schweinsbratwurst. Hinter dem Vorhaben stecken der Sissacher Metzgermeister Rolf Häring und seine Mitstreiter Hans Peter Eschbach und Heiner Oberer.

«Es geht darum, den Leuten das traditionelle Handwerk der Hausmetzgete von früher aufzuzeigen», erläutert Heiner Oberer gegenüber der «Basler Zeitung» (Artikel online nicht verfügbar).

Doch die öffentliche Metzgete sorgt für Unmut. Der frühere Pfarrer der Gemeinde Rothenfluh – der als «Chüngelipfarrer» bekannt gewordene Lukas Baumann – bezeichnete den geplanten Anlass in einem Leserbrief an die Volksstimme als «entwürdigende Veranstaltung». Seinen Übernamen erhielt Baumann, weil seine Frau im Pfarrhaus eine Auffangstation für Kaninchen einrichtete.

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So geht es bei einer Metzgete zu und her

Willi Weitnauer und Metzger Hans-Ruedi Schaub fixieren das Schwein im Schlachtlokal.
26 Bilder
Die Sau ist getötet und wird ausgeblutet…
…und wird in die Wanne gelegt.
Ein Blick an die «Werkzeugwand» des Metzgers.
Das Schwein liegt im Brühbad…
…und wird mit einer Kette gewendet.
Nun wird es an einer Vorrichtung aufgezogen.
Von der Sau zum Rollschinkli: Metzgete in Hemmiken
…und die Körperoberfläche wird glatt rasiert.
Nun kann das Ausbeinen beginnen.
Hans-Ruedi Schaub macht sich an die Arbeit.
Das Tier wird ausgeweidet.
Die Innereien werden später zum Wursten verwendet.
Der Rumpf wird in zwei Stücke zersägt.
Von diesen Einzelteilen wird das Schlachtgewicht der Sau ermittelt.
Bald wird der Schweinskopf im Chessi gekocht.
Der Metzger bearbeitet die Innereien.
Hier ist er an einem Rippenstück beschäftigt…
…und macht sich daran, die Knochen zu entfernen.
So entsteht ein Rollschinkli.
Fleischteile werden im Chessi gekocht.
Knochen für eine gute Suppe und Reste für Wurstfüllungen.
Willi Weitnauer füttert den Fleischwolf.
Auch ausgekochte Fleischteile kommen in die Wurstfüllungen.
Hier entstehen Bratwürste.
Metzger Hans-Ruedi Schaub blickt aus seinem Schlachtlokal auf die vollbrachte Arbeit.

Willi Weitnauer und Metzger Hans-Ruedi Schaub fixieren das Schwein im Schlachtlokal.

Martin Töngi

Die öffentliche Tötung von Tieren zur «Belustigung der Bevölkerung» sei grausam und gehöre ins letzte Jahrhundert. Er fordert von den Organisatoren eine Absage der Veranstaltung. Gegenüber der «Basler Zeitung» sagte Baumann, dass ihm schon bewusst sei, dass die Schweine so oder so geschlachtet würden: «Aber ich wehre mich dagegen, dass die Tiere dabei öffentlich vorgeführt werden.» Wer eine Schlachtung erleben wolle, solle dafür ins Schlachthaus gehen. Er habe sich bereits per Brief an die Organisatoren gewandt, aber noch keine Antwort erhalten. Baumann überlegt sich deshalb, während der Metzgete vor Ort eine Aktion durchzuführen.

Unterstützung erhält Baumann vom Schweizer Tierschutz, der seine Bedenken teilt: «Für mich klingt das Ganze nach einem Gag, der nichts mit der Realität des Schlachtens zu tun hat», sagt STS-Geschäftsführer Hansueli Huber zur «Basler Zeitung». Es sei prinzipiell zu begrüssen, wenn sich die Leute mit den Hintergründen der Fleischproduktion auseinandersetzen, findet Huber. Aber er kann sich schwerlich vorstellen, dass eine solche «Show-Metzgete» zur Aufklärungsarbeit beitrage.

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Organisator Heiner Oberer: «Mit dem geplanten Anlass wollen wir die Leute nicht belustigen, sondern aufzeigen, dass es zum Schlachten am Fliessband humanere Alternativen gibt und ein Schwein nicht nur aus Filets und Schinken besteht». Während der Schlachtung sei ein Tierarzt vor Ort. Dieser stelle sicher, dass sämtliche Anforderungen des Tierschutzes erfüllt würden, ergänzt Oberer.

«Wir sehen ein, dass das Töten von Tieren nicht jedermanns Sache ist. Aber bei unserer Metzgete läuft alles korrekt ab», sagt Oberer. Schliesslich sei der Anlass von den kantonalen Behörden abgesegnet worden. (cbe)