Strafgericht
Streit unter Nachbarn endet mit sieben Messerstichen

Er gibt die Tat zu, will sich aber nicht an die Details erinnern können: Der Mann, der im Sommer 2010 in Münchenstein seinen Nachbarn vor dessen Frau und Kind mit einem Messer getötet hatte, muss sich in Liestal vor dem Strafgericht verantworten.

Patrick Rudin
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Das Tatmesser wurde durch Zufall gefunden: Ein Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörde entdeckte unter einem Stein das Stellmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. (Symbolbild/Archiv)

Das Tatmesser wurde durch Zufall gefunden: Ein Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörde entdeckte unter einem Stein das Stellmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. (Symbolbild/Archiv)

Keystone

«Hat Ihr Mann sie jemals geschlagen?», fragte Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss die Frau. Diese verneinte, doch sonderlich glaubwürdig war ihr Auftritt am Dienstag im Gerichtssaal zugunsten ihres angeklagten Ehemannes nicht: Als im Sommer 2010 spätnachts die Polizei an die Türe in Münchenstein klopfte, log sie, ihr Mann sei nicht zuhause. Später gab sie zu Protokoll, dass er schon früher nach Provokationen völlig ausgerastet sei. Am Dienstag vor Gericht konnte oder wollte sie sich daran nicht erinnern.

Auf der Strasse niedergestochen

Ausgerastet ist der 48-jährige Angeklagte zweifellos im Juli 2010: Zufällig traf er auf dem Nachhauseweg in Münchenstein einen ungeliebten Nachbarn, aus einem verbalen Streit ergaben sich Schläge, schliesslich stach der 48-Jährige den Nachbarn mit sieben Messerstichen in Ober- und Unterkörper nieder. Der Mann starb wenige Stunden später im Spital.

Nebst seiner 39-jährigen Frau hinterliess er auch drei Söhne, der Jüngste war damals ein Jahr alt und war mit der Mutter dabei, als sein Vater niedergestochen wurde.

Streit um Lärm im Haus

Grund für den Ausraster war wohl ein Streit um Lärm im Haus: Seine Frau hatte sich einige Wochen zuvor beim Nachbarn über den dauernden Kinderlärm beschwert und wurde von dem später erstochenen Mann angeblich mit den Worten «Ruf Polizei, Du Schlampe» abgewimmelt. Das Opfer wohnte mit seiner Familie in der Wohnung direkt oberhalb des Angeklagten. Dieser wollte die Beleidigung offensichtlich nicht auf seiner Familie sitzen lassen. Vor Gericht betonte er allerdings, der Nachbar habe mit dem Streit angefangen. Er habe ihn geschlagen und getreten, «sonst wäre das vielleicht nicht passiert», sagte er vor Gericht. Er leugnet nicht, danach zugestochen zu haben, will sich an die Details aber nicht erinnern können.

Nach der Attacke ging der Mann nach Hause, telefonierte mit der Schwiegermutter und wusch sich die Hände. Bei seiner Festnahme wurde eine Blutprobe entnommen, zurückgerechnet auf den Tatzeitpunkt betrug sein Blutalkoholgehalt maximal ein Promille. Sechs Wochen zuvor war er aus der psychiatrischen Klinik entlassen worden, er ist seit langem wegen Depressionen in Behandlung. Ein massiver Übergriff gegen seinen Sohn ist aktenkundig, wurde aber strafrechtlich nicht weiter verfolgt, weil der Strafantrag zurückgezogen wurde. Offenbar wollte sich die Ehefrau damals von ihrem Mann trennen, inzwischen besucht sie ihn aber regelmässig im Gefängnis. Ein halbes Jahr sass er in Untersuchungshaft, seit Januar 2011 befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Messer unter Stein versteckt

Das Tatmesser wurde später durch einen Zufall gefunden: Ein Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörde wollte im Vorgarten eine Zigarette entsorgen und entdeckte unter einem Stein das Stellmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Mordes an, sein Verteidiger hingegen erwartet eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Am Mittwoch werden noch die Plädoyers gehalten, das Urteil fällt nächste Woche.