Stromkrise
Sollen doch Windräder auf den Liestaler Schleifenberg? Elektra Baselland prüft altes Projekt

Das Energieunternehmen hatte vor der Sistierung 2018 geplant, mit drei Windturbinen 4500 Haushalte zu versorgen. Eine Neulancierung werde nun geprüft. Doch der Verein Wind-Still steht bereit.

Michael Nittnaus 1 Kommentar
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Windrad-Projekte lösen oft erheblichen Widerstand aus.

Windrad-Projekte lösen oft erheblichen Widerstand aus.

Symbolbild: Roger Grütter

Die aktuelle Strommangellage und die daraus resultierenden hohen Strompreise verändern vieles: 2018 hatte die Elektra Baselland (EBL) ihren geplanten Windpark mit drei Turbinen auf dem Schleifenberg ob Liestal abgeblasen. Der Wind blies mit durchschnittlich fünf Metern pro Sekunde zwar genug stark, doch die Wirtschaftlichkeit des Projekts war nicht gegeben. Zu tief waren damals die Strompreise, zu lang und zu unsicher die Wartelisten der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Die Investition von 30 Millionen Franken hätte sich laut EBL nicht gerechnet.

Vier Jahre später kommt die EBL auf den Entscheid zurück. Gegenüber «Bajour» hält Geschäftsführer Tobias Andrist fest:

«Aktuell sind wir dabei, das Projekt nochmals neu zu bewerten, um einen Entscheid bezüglich Neulancierung fällen zu können. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir hierzu keine weiteren Angaben machen.»

Der Schleifenberg wäre laut EBL eigentlich optimal

Komplett eingestampft hatte das Unternehmen das Projekt, bei dem drei Windturbinen Strom für 4500 Haushalte liefern sollten, nie. In der Medienmitteilung von 2018 stand bereits: «Die Projektpartner EBL und ADEV haben sich entschlossen, das Pro­jekt zu sis­tie­ren, bis neue po­li­ti­sche und en­er­gie­wirt­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen eine aus­rei­chen­de Er­folgs­aus­sicht für die Pro­jek­tum­set­zung bie­ten.»

Laut «Bajour» hat die EBL denn auch die Pachtverträge mit der Bürgergemeinde Liestal nie gekündigt. Denn der Standort an sich wäre in den Augen der Energieversorgerin optimal, wie Andrist vor vier Jahren der bz bestätigte. Es gäbe gute Zufahrten, neue Waldwege müssten kaum gebaut werden. Und ins Netz einspeisen könnte die EBL den Strom via ihren Liestaler Hauptsitz, der von der Windanlage bloss drei Kilometer entfernt ist.

Für Verein Wind-Still gibt es im ganzen Baselbiet keinen geeigneten Ort

Sollte die Überprüfung tatsächlich positiv verlaufen, ist Widerstand programmiert. Christoph Keigel vom Verein Wind-Still hatte 2016 schon erfolgreich das Referendum gegen den Entscheid der Bürgergemeinde Füllinsdorf ergriffen, die der EBL auf dem Elbisberg Land im Baurecht abgeben wollte. Das war mit ein Grund, weshalb sich die EBL fortan auf den angrenzenden Schleifenberg auf Liestaler Boden fokussierte.

Christoph Keigel vom Verein Wind-Still.

Christoph Keigel vom Verein Wind-Still.

Beat Eglin

Gegenüber der bz sagt Keigel zu den neusten Entwicklungen:

«Es überrascht mich überhaupt nicht, dass Investoren viele sistierte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien derzeit wieder überprüfen. Doch man sollte Windkraft nicht nur fördern, weil man mehr Geld pro Kilowattstunde bekommt.»

Für Keigel, der unterdessen im Füllinsdörfer Gemeinderat sitzt, geht es um Grundsätzliches: «Ich bin nicht generell ein Gegner der Windkraft, aber sie muss am richtigen Ort genutzt werden. In der Schweiz gibt es höchstens ausgewählte Jurahöhen, wo die Wind- und Platzverhältnisse stimmen. In Baselland und in dicht besiedelten Agglomerationen gibt es gar keinen passenden Platz.» Er möchte sich zwar noch nicht festlegen, ob der Verein Wind-Still aktiv gegen die Wiederbelebung des Schleifenberg-Windparks vorgehen würde.

Keigel weist aber darauf hin: «Sollte die EBL Ernst machen, bräuchte es eine Zonenplanänderung – und gegen diese könnte das Referendum ergriffen werden, sodass die direkt betroffene Bevölkerung das letzte Wort hätte.»

1 Kommentar
Thomas Zweidler

In Kommentaren sollte man ja die eigene Ansicht widergeben. Nur diesmal muss ich einfach "zitieren", weil es keine besseren Worte dafür gibt: «Ich bin nicht generell ein Gegner der Windkraft, aber sie muss am richtigen Ort genutzt werden. In der Schweiz gibt es höchstens ausgewählte Jurahöhen, wo die Wind- und Platzverhältnisse stimmen. In Baselland und in dicht besiedelten Agglomerationen gibt es gar keinen passenden Platz.» Besser auf den Punkt bringen kann man es nicht. Windräder um das EBL, Primeo-Energie oder IWB-Image aufzupolieren sind rausgeworfenes Geld. Nur zum zeigen, wir sind modern, wir sind "in", wir sind "trendy", wir sind "grün".... Diese Monopolisten haben immer noch zu viel Geld für Windräder am wirklich falschen Ort und immer noch zu viel Geld für Sponsoring, Werbung (Tour de Suisse, FlaneurFestival, ESAF.... - Image über alles - und wir zahlen - und wie....) Nachdenken - und dann überlegt handeln anstelle Projekte als PR-Übungen verkaufen....