Birsfelden
Sturm im Hallenbad: Zwei Clubs streiten um Belegung der Schwimmbahnen

Wieder streiten Vereine ums Wasser – das gefährdet den Erfolg der Teil-Auslagerung der Schwimmhalle, ein Pionier-Projekt, dass Geld in die Gemeindekasse spülen soll.

Benjamin Wieland
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Im Wasser wirds eng: Die Zuteilung der Trainingszeiten und Bahnen in der Birsfelder Schwimmhalle gestaltet sich mühsamer als gedacht.

Im Wasser wirds eng: Die Zuteilung der Trainingszeiten und Bahnen in der Birsfelder Schwimmhalle gestaltet sich mühsamer als gedacht.

Martin Töngi

Gehässigkeiten am Beckenrand, zwei zerstrittene Schwimmclubs und der Vorwurf der Vorzugsbehandlung an die Adresse der Gemeinde: Das Pionierprojekt der Teil-Auslagerung und externen Vermarktung der öffentlichen Schwimmhalle Birsfelden drohte im Frühjahr zu scheitern, bevor es richtig gestartet war (es stand in der bz).

Wenn am Montag das neue Schuljahr beginnt, darf in der Halle wieder trainiert werden. Doch ein Beckenfrieden ist noch immer nicht in Sicht: Die beiden Birsfelder Schwimmclubs, der Wassersportclub Delfin und der Schwimmclub Birsfelden (SC Birs) liegen sich weiterhin in den Haaren wegen der Belegung der drei 25-Meter-Bahnen.

Zwar hat die Gemeinde als Eigentümerin der Schwimmhalle einen neuen Belegungsplan ausgearbeitet, der ab Montag gilt. Beim «Delfin» ist man jedoch weiterhin nicht zufrieden mit der Zuweisung der Bahnen und Trainingszeiten. Der Club schreibt auf seiner Webseite, dass man nun zwar mehr Bahnstunden zugesprochen erhalten habe, jedoch teilweise «viel zu viel Zeit auf einmal» – oder zu den falschen Uhrzeiten.

Schwimmer gemobbt

45,5 Stunden dürfen die beiden Schwimmclubs kostenlos in der Halle trainieren. Anteilsmässig zu den Mitgliederzahlen wurden die Stunden aufgeteilt: Der SC Birs erhält rund 75 Prozent, der «Delfin» 25 Prozent.

Früher betrugen die Anteile gerundet 80 (SC Birs) und 20 Prozent («Delfin»). Beim Ausarbeiten des neuen Plans gab es laut «Delfin»-Präsident Kevin Somlo jedoch wieder «etliche Vorwürfe von der anderen Seite» – also vom SC Birs.

Bereits im Februar berichtete der «Delfin» von Animositäten: SC-Angehörige hätten «Delfin»-Schwimmer gemobbt, ausserdem sei es zu offenen Abwerbeversuchen gekommen. Weiterhin dürfte dem Verhältnis der beiden Klubs kaum zuträglich sein, dass mit Sandrine Roditscheff die Tochter des SC-Birs-Präsidenten Geschäftsführerin der Firma ist, welche die Wasserflächen im Auftrag der Gemeinde vermarktet (siehe nachfolgende Box).

Teil-Auslagerung: Versuch mit Pilot-Charakter

Dass es die Birsfelder Schwimmhalle an der Schulstrasse 27 überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Schon mehrere Male wollte das klamme Birsfelden das 1963 eingeweihte Hallenbad schliessen. Die im vergangenen Jahr beschlossene Teil-Auslagerung der defizitären Halle sollte ein wenig Geld in die Gemeindekasse spülen. Per Anfang Jahr wurde die Vermarktung, die Organisation und die Verwaltung der Schwimmzeiten an die Sundrbi GmbH abgegeben, ein eigens für diesen Zweck gegründetes Unternehmen. Für die nicht-kommerziellen Anbieter und für die Schulen bleibt eine bestimmte Anzahl Stunden reserviert. Andere Gemeinden mit defizitären Bädern beobachten den Birsfelder Versuch mit Interesse – plagen sie doch ähnliche Probleme.

Der SC Birs zeigt sich zufrieden mit dem neuen Belegungsplan, die Gemeinde habe sehr gute Arbeit geleistet. Jedoch spart der Club tatsächlich nicht mit Kritik am Vorgehen des jüngeren Konkurrenten. SC-Birs-Präsident Remo Roditscheff wirft dem «Delfin» vor, dass er die Philosophie der Schwimmbad-Vermarktung torpediere.

Dies, indem er für seine Mitglieder Kurse anbiete, die auch die Schwimmschule Aqualetics im Programm führe, etwa Aquafit.

Im Gegensatz zur Schwimmschule aber, die für ihre Kurse Geld verlange und für die Halle Miete bezahlen müsse, dürften die beiden Schwimmclubs das Becken gratis benutzen. «So haben die Kurse von Aqualetics weniger Teilnehmer», sagt Roditscheff.

«Viele treten einfach in den ‹Delfin› ein und besuchen die Kurse dann bei diesem. Der Gemeinde entgehen Einnahmen. Genau das war jedoch das Ziel der Vermarktung: Einnahmen generieren für die Gemeinde.»

Beim «Delfin» wehrt man sich gegen die erneuten Vorwürfe vonseiten des SC Birs. «Es ist keinesfalls so wie beschrieben», schreibt Kevin Somlo auf Anfrage. Das Training für die Klubmitglieder finde mehrmals pro Woche statt – es handle sich bei den Angeboten also keinesfalls um Kurse im klassischen Sinn.

Ausserdem nehme man nur noch Birsfelder als Neumitglieder auf. Der Vorstand sei über die Aussagen des SC «sehr befremdet»: «Wieso wir plötzlich so angegriffen werden, verstehen wir absolut nicht.»

«Intensive Gespräche»

Birsfeldens Gemeindeverwalter Martin Schürmann schreibt, der neue Belegungsplan sei «das Resultat von intensiven, aber immer konstruktiven Gesprächen». Man sei zufrieden, dass mit den Klubs eine Einigung erzielt werden konnte.

«Delfin»-Präsident Kevin Somlo bestätigt die Information des Gemeindeverwalters: Man habe sich auf den neuen Plan geeinigt – zähneknirschend.