Sutter Begg
Sutter Begg Imperium: Bäcker backen immer grössere Brötchen

Eine Basler Traditions-Bäckerei erobert den Kanton Solothurn. In Dornach öffnete vergangene Woche die erste Solothurner Sutter-Begg-Filiale ihre Tore. Das ist die 26. Filiale in der Schweiz – damit bestätigt die Bäckerei einen landesweiten Trend.

Nadine Böni
Merken
Drucken
Teilen
Der neue Ableger vom Sutter Begg in Dornach ist eröffnet. Filialleiterin der 26. Sutter-Begg-Filiale ist Sylvia Lampert. Kenneth Nars

Der neue Ableger vom Sutter Begg in Dornach ist eröffnet. Filialleiterin der 26. Sutter-Begg-Filiale ist Sylvia Lampert. Kenneth Nars

Das Unternehmen, das inzwischen in vierter Generation in Familienbesitz ist, baut damit sein Netz weiter aus. Der Dornacher Ableger ist der 26. vom Sutter Begg in Basel und der Region.

Immer weniger Bäckereien

Damit ist der Sutter Begg eine der grössten Bäckereien in der Schweiz. Und ein Beispiel für einen landesweiten Trend hin zur «Filialisierung», wie Markus Tscherrig, Vize-Direktor beim Schweizerischen Bäcker- und Konditorenmeisterverband (SBKV) sagt.

«Die Anzahl Produzenten ist rückläufig. Die kleineren Bäckereien werden von den grossen Bäckereien übernommen», erklärt Tscherrig. Gab es vor zehn Jahren in der Schweiz noch rund 2500 produzierende Betriebe, sind es heute noch rund 2000. Bei den Verkaufsstellen ist die Abnahme weniger stark, aber dennoch spürbar. 3300 Verkaufsstellen gab es vor zehn Jahren, heute sind es rund 3000.

Die Gründe, weshalb die kleinen Bäckereien ums Überleben kämpfen, sind verschieden. Da sind einerseits die Grossverteiler, die mit günstigen Angeboten locken. Andererseits explodierten in den vergangenen Jahren die Arbeitskosten – also die Lohnkosten für das Personal in der Produktion und im Verkauf. Auch verlangten die Kunden ein breites Sortiment, das viele kleine Bäckereien nicht bieten könnten, meint Markus Tscherrig. «Es braucht eine gewisse Grösse, um eine Bäckerei rational zu führen.»

Kampf gegen das Imageproblem

Für den Sutter Begg sind die 26 Filialen einerseits ein Erfolg, andererseits ein Imageproblem. «Mit so vielen Filialen haben die Kunden immer das Gefühl, wir seien eine Kette und würden unsere Ware industriell herstellen», sagt Marketing-Leiterin Simone Sutter.

Seit 2007 werden zwar alle Produkte vom Sutter Begg am gleichen Ort, auf dem Dreispitz-Areal in Münchenstein, hergestellt und von dort an die Filialen geliefert. Allerdings produziere der Sutter Begg nach wie vor in Handarbeit, wie Sutter betont. «Unterstützend haben wir Hilfsmittel wie Knetmaschinen, aber entscheidend ist der Mensch», sagt Sutter. «Der Bäcker hat das Gespür, wann ein Teig gut ist.»

Keine Sorgen um Vielfalt

Obwohl immer mehr kleine Bäckereien geschluckt werden, macht sich Markus Tscherrig vorläufig keine Sorgen um die Vielfalt der Backkunst in der Schweiz. «Die Gefahr, dass ein Einheitsbrei entsteht, besteht nicht. Wir haben viele regionale Spezialitäten in der Schweiz und eine Brotvielfalt, wie in keinem anderen Land», sagt er. Wichtig sei, dass die Standorte der Bäckereien erhalten blieben. «Eine flächendeckende Versorgung an Bäckereien muss sichergestellt sein.»

Simone Sutter vom Sutter Begg stimmt dem zu. «Die Kundschaft nützt die nächste Bäckerei. Für eine Bäckerei fährt man nicht kilometerweit, wie man das vielleicht für einen Kleiderladen machen würde.» Gerade auf dem Land brauche es in jedem Dorf eine Bäckerei, vor allem sonntags.

Chance auch für die Kleinen

Der Trend, dass die kleinen Bäckereien verschwinden, während die grossen Bäckereien wachsen, werde noch anhalten, glaubt Markus Tscherrig. «Er wird sich aber immer mehr abschwächen.» Die kleinen Bäckereien hätten durchaus Chancen, sich gegen die Grossen zu behaupten. Eine sieht er im Bereich Take-away: «Weil die Leute über Mittag weniger ins Restaurant essen gehen, hat sich hier ein grosser Markt für die Bäckerei als Frischversorger aufgetan.» Aber auch die Grossen haben diesen Markt schon entdeckt.

Der Sutter Begg hat neben dem Take-away in fast jeder Filiale eine Café-Bar eingerichtet. «In der Hektik heutzutage ist das Verweilen bei einem Kaffee ein Luxus, der der Gesundheit guttut», sagt Simone Sutter.