Fall Gaugler
SVP-Mitglied will gegen Gaugler vorgehen: «Sie ist nicht mehr tragbar»

Nun rumort es in der eigenen Partei: Ein ehemaliger Liestaler SVP-Einwohnerrat will Unterschriften für einen Parteiausschluss der Landratspräsidentin Daniela Gaugler sammeln. Stefan Saladin fordert, dass die SVP-Frau gleich ganz aus der Partei austritt.

Michael Nittnaus
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Daniela Gaugler bei der Feier anlässlich ihrer Übernahme des Landratspräsidiums.

Daniela Gaugler bei der Feier anlässlich ihrer Übernahme des Landratspräsidiums.

Nicole Nars-Zimmer niz

Einer Sache konnte sich Landratspräsidentin Daniela Gaugler bisher sicher sein: Ihre Partei hat zu ihr gehalten. Zumindest in der Öffentlichkeit gab es seitens der SVP keine Kritik an der Parteikollegin. Der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer bezeichnete die Vorwürfe um Gauglers Bed & Breakfast und die innerfamiliären Betreibungen gar als Medien-Kampagne, mit der man der SVP schaden wolle.

«Schuldzuweisungen an die Medien sind lächerlich und billig», schreibt nun aber SVP-Mitglied Stefan Saladin in einem E-Mail an Kämpfer – und leitete dieses direkt an die bz weiter. Damit erhält die Unterstützung für Gaugler parteiintern Risse. Denn der 66-jährige ehemalige Liestaler Einwohnerrat tadelt nicht bloss Kämpfer. Er nennt Gauglers Verhalten parteischädigend und erwartet, dass «noch einige Ungereimtheiten» dazukommen werden. Das Fazit des Schreibens ist überdeutlich: «Daniela muss zurücktreten. Ich werde dazu aufrufen und auf der Strasse Unterschriften sammeln.»

«Gaugler nicht mehr tragbar»

Auf Anfrage präzisiert Saladin: «Daniela Gaugler ist nicht mehr tragbar. Sie soll nicht bloss als Landratspräsidentin zurücktreten, sondern ganz aus der SVP ausgeschlossen werden.» Der Lupsinger wehrt sich, eine Einzelmaske zu sein. Er sagt, dass sich die SVP-Basis eine «Partei im Gleichgewicht» wünsche, was durch das «Herumwursteln» von Gaugler nicht mehr der Fall sei. Er sei in der Region Liestal stark verwurzelt und werde von mehreren anderen Mitgliedern unterstützt.

Ob Saladin tatsächlich genügend Unterschriften zusammenbekommt, um sein Ziel zu erreichen, ist dennoch unsicher. Er ist innerhalb der SVP umstritten. Er verheimlicht nicht, in der Vergangenheit «persönliche Konflikte» mit Gaugler ausgetragen zu haben. Unter anderem während der Landratswahlen 2011 hätten SVP-Exponenten wie alt Landrat Dieter Völlmin Saladins Wahlkampf torpediert – aus Angst, er schnappe Gaugler den Sitz weg. Dass Saladin aus eigener Tasche zusätzliche Plakate finanzierte, stiess vielen sauer auf. Am Ende landete Saladin auf dem siebten von neun Listenplätzen, während Gaugler als Zweite locker im Landrat verblieb. Der Konflikt eskalierte schliesslich in der Ortssektion Liestal und Umgebung: Gaugler habe die Kasse fehlerhaft geführt, beweisen könne er es aber nicht. Saladin trat darauf aus der Sektion aus.

Kämpfer reagiert kühl: «Erst prüfe ich, ob Stefan Saladin überhaupt noch Mitglied der Kantonalpartei ist, dann suche ich das Gespräch.» Wie Saladin stehe auch er für «Klarheit und Wahrheit» ein. Jedoch müsse man auf offizielle Urteile warten, ehe man den Rücktritt fordern könne. Aber dann sagt Kämpfer, was er in dieser Deutlichkeit noch nie gesagt hat: «Wenn tatsächlich Verfehlungen festgestellt werden, ist ein Schaden für das Amt der Landratspräsidentin und auch für die Partei denkbar. Dann werden wir entscheiden.» Auch Saladin wartet einen Entscheid zu den Vorwürfen ab, bevor er beginnt, Unterschriften zu sammeln.