Liestal
Tenor zum neuen Bahnhof: Toll, aber das Brücklein fehlt

Der neue Liestaler Bahnhof begeistert und auch die neue Post stösst auf Wohlwollen. Das «Elefantenbrücklein» das Bahnhof und Altstadt verbinden sollte, wird jedoch vermisst.

Andreas Hirsbrunner
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Wo bleibt bloss das «Elefantenbrücklein» zur Post?

Wo bleibt bloss das «Elefantenbrücklein» zur Post?

Roland Schmid

Das Puzzle ist seit Montag zusammengesetzt: Mit der Präsentation des Siegerprojekts für die neue Post ist bekannt, wie das neue Liestaler Bahnhofquartier in zehn Jahren aussehen soll. Dabei wird fortgesetzt, was mit den bereits gebauten Uno- und Migros-Pensionskassen-Gebäuden eingeläutet worden ist: Liestal erhält mit dem wuchtigen, 25 Meter hohen neuen Postgebäude im Osten und einem 57 Meter hohen Hochhaus im Westen einen grossstädtischen Anstrich. Dazwischen kommt ein im Vergleich zu diesen Eckpunkten schon fast feingliedriges Bahnhofs-Ensemble zu stehen. Wie kommt nun dieses neue Bahnhofquartier bei Liestaler Politikern an?

Der Präsident der Bau- und Planungskommission des Einwohnerrats, Diego Stoll (SP), sagt: «Ich schaue der Entwicklung mit grosser Vorfreude entgegen. Der neue, überfällige Bahnhof, das Postgebäude, das eine tolle Sicht auf die Altstadt belässt, und die massive Aufwertung der Allee sind Meilensteine für Liestal.» Und auch mit dem geplanten Hochaus habe er an diesem Platz keine Berührungsängste. Aufgefallen sei ihm, dass es kein «Elefantenbrücklein» geben soll. Er habe die Brücken-Idee gut gefunden, doch sei der Verzicht nicht entscheidend fürs Gesamte.

Wie eine zweite Barriere

FDP-Einwohnerrat und Architekt Pascal Porchet gefällt das Post-Siegerprojekt von Christ & Gantenbein «sehr gut». Der Bau besteche im Entwurf und die Öffnung zur Altstadt sei «grossartig». Trotzdem sagt Porchet: «Am besten gefällt mir der Entwurf vom Liestaler Büro Rosenmund + Rieder. Liestal ist eine Kleinstadt und ihre vorgeschlagenen fünf Bauten sind aus meiner Optik am besten ans Kleinstädtische angepasst.» Auch sagt Porchet an diesem Entwurf die Vision mit dem «Elefantenbrücklein» zu, das Bahnhof und Altstadt über die Allee verbindet. Eine solche Anbindung sei wichtig. Beim Bahnhof habe das richtige Projekt den Wettbewerb gewonnen: «Der neue Bahnhof ist filigran und ästhetisch. Das angegliederte Bürogebäude mag es in der vorgeschlagenen Höhe vertragen.»

Zu hoch ist für Porchet aber das von den SBB ebenfalls geplante Hochhaus. Dieses wirke mit der neuen Post am andern Ende des neuen Quartiers, die mehrere Stockwerke zu hoch sei, wie eine zweite Barriere in Liestal; die erste sei die A 22. Porchet bilanziert: «Alles in allem bin ich begeistert vom neuen Bahnhofquartier. Das Grossstädtische ist in Liestal angekommen, daran muss ich mich noch gewöhnen.»

Niveauunterschied schreckt ab

Für Parteikollege Michael Bischof, Sprecher von KMU Liestal, liegt die Priorität beim Postgebäude, weil die Verbindung vom Bahnhofplatz zum Stedtli absolut zentral sei. Und die neue Post sei «ein recht grosser Klotz». Aber etwas anderes stört Bischof beim Siegerprojekt mehr: «Ich bin enttäuscht, dass es keinen niveaulosen Übergang ins Stedtli beinhaltet.» Eine solche Fussgänger-Brücke würde Liestal nicht nur einzigartig machen, sondern die ankommenden Gäste am Bahnhof auch motivieren, ins Stedtli zu gehen. So würden Bahnhof und Stedtli zusammenrücken, denn die Leute wollten nicht Höhenunterschiede überwinden müssen. «Sehr attraktiv» findet Bischof den neuen Bahnhof. Ein Hochhaus brauche Liestal dagegen nicht.

Hanspeter Zumsteg, grüner Einwohnerrat, ist rundum zufrieden. Sowohl bei der Post wie beim Bahnhof habe die Jury klar das beste Projekt ausgewählt. Er könne mit der Höhe des neuen Postgebäudes leben, weil es dafür ein Maximum an Freifläche belasse, was der Durchsicht zum Stedtli und der Alle zugute komme. Obwohl er hinter einem Vorstoss für ein «Elefantenbrücklein» gestanden sei, könne er verstehen, dass dieses nun nicht komme. Es lande auf der Stedtliseite in einer Hintergasse und würde sicher mehrere hunderttausend Franken kosten.

Vreni Wunderlin, Präsidentin der Mitte-Fraktion im Einwohnerrat, sagt: «Ich finde es super, dass sich bei der Post etwas bewegt. Mit der Höhe des neuen Postgebäudes habe ich aber noch etwas Mühe.» Auch Wunderlin fände «eine Umsetzung der Vision Elefantenbrücklein toll». Zentral sei für sie aber ein renaturierter Orisbach und eine einladende Allee mit Grünflächen zum Spielen und Verweilen für Familien. Der neue Bahnhof gefällt Wunderlin. Als einzigen Vorbehalt bringt sie hier an, dass es schade sei, dass die markante Kantonsbibliothek hinter dem grossen Bürogebäude verschwinde. Wunderlin: «Das Quartier als Ganzes ist gut, und es ist wichtig, dass Liestal auch rund um den Bahnhof ein Gesicht erhält.»

SVP-Einwohnerrat Hanspeter Meyer ist begeistert: «Was rund um den Bahnhof entsteht, ist eine Supersache.» Auch ein Hochhaus störe ihn hier nicht. Die einzige Einschränkung, die Meyer macht: «Schade ist, dass es kein ‹Elefantenbrücklein› gibt. Das Ziel der Anbindung des Bahnhofs ans Stedtli ist so nicht erreicht.»