Schwimmbäder im Test
Test zeigt: Die Basler Badeanstalten sind behindertengerecht

Wie behindertengerecht sind die Schwimmbäder in unserer Region? Ein Test zeigt, dass die Mehrheit passabel ist, doch es gibt durchaus noch Verbesserungspotential.

Sanna You
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Im Sommer gibt es für die meisten Leute nur ein Ziel: ab ins Nass. Dies ist auch ohne Weiteres möglich, muss man doch nur in die nächste Badi gehen. Dieses Verlangen nach einer Abkühlung verspüren natürlich auch Menschen mit Behinderung. Für sie wird der Badespass jedoch schnell zu einem Hindernisparcours, und die Frage drängt sich auf: Wie behindertengerecht sind die Schwimmbäder in unserer Region? Die Organisation Procap, für Menschen mit Handicap, hat in den vergangenen Monaten Badis in der Schweiz nach diesem Kriterium untersucht. Unter den getesteten Badeanstalten sind auch einige aus der Region zu finden.

Vier von sechs sind passabel

Die bz hat sechs getestete Baselbieter Schwimmbäder herausgepickt und die Resultate genauer unter die Lupe genommen: das Gitterli in Liestal, das Freibad Sandgruben in Pratteln, das Gartenbad St. Jakob in Münchenstein, das Schwimmbad in Allschwil und die beiden Freibäder in Reinach und Sissach.

Die erfreuliche Nachricht ist, dass nur zwei davon eher schlecht abgeschnitten haben. In den Bädern in Liestal (Durchschnittsnote 3), Münchenstein (Note 4), Allschwil (Note 3.5) und Sissach (Note 3.5) sollten gehandicapte Menschen fast keine Probleme haben, sich in Umkleidekabinen, Toiletten oder Duschen zurechtzufinden. Das heisst: es gibt Stützen, grössere Kabinen und breitere, rollstuhlgerechte Türen.

Eric Hardman, Leiter des Gartenbads St. Jakob: «Das freut uns natürlich, dass wir so gut abgeschnitten haben.» Früher habe man die behindertengerechte Einrichtung nicht gross berücksichtigt, gibt er zu. «Heute beziehen wir diesen Aspekt aber konsequent mit ein.» Auch die Geschäftsleiterin des Gitterli in Liestal, Ines Camprubi, ist zufrieden: «Wir haben unsere Anlage stets verbessert und die behindertengerechte Ausstattung immer im Ausbau berücksichtigt.» Das wolle sie auch weiterhin machen.

Umbaubedarf wird zugegeben

Hingegen wird es in Pratteln (Note 2,5) und Reinach (Note 3,5) für die Gehandicapten schwieriger. Diese Bäder haben weder behindertengerechte Kabinen, Duschen noch Toiletten. In Reinach fehlt auch ein Behindertenparkplatz – das macht die Badi aber mit einem erleichterten Einstieg ins Bassin und dem guten Zugang zur Liegewiese wieder wett. «Das ist uns bewusst, dass ein Umbaubedarf da ist», sagt Paul Wenger, Reinacher Gemeinderat für Freizeit und Kultur.

Eine Totalsanierung des Freibads sei seit mehreren Monaten geplant: «Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr mit der Umsetzung beginnen können.» Ähnlich tönt es aus dem Schwimmbad in Pratteln: «Wir sind an einem Umbau dran», so Rudolf Suter, Leiter des Freibads Sandgruben. Dieser sollte in den nächsten zwei bis drei Jahren stattfinden.

Hindernisse gibt Minuspunkte

Die Noten resultieren aus vielen einzelnen Punkten. Je mehr Hindernisse es gibt auf dem Weg bis zum Pool, desto schlechter das Resultat. «Der Zustand der Schweizer Bäder ist tendenziell nicht schlecht», sagt Bruno Schmucki, Mediensprecher der Procap Schweiz. «Es ging uns auch nicht darum, die Badeanstalten anzuprangern, sondern eher darum, die Betreiber der Schwimmbäder zu sensibilisieren.» Die meisten Schwimmbad-Leiter würden positiv auf die Tests reagieren. Oftmals seien es nur kleinere Änderungen, die man vornehmen müsse – «aber damit erlangt man bereits einen grossen Unterschied».

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