Oberwil
Teurer als die Konkurrenz – trotzdem erhält Stokars Ehemann den Auftrag

Am Vorwurf der Vetternwirtschaft gegenüber Oberwils Gemeindepräsidentin scheint mehr dran zu sein als bisher belegbar. Die Firma von Stokars Ehemann erhielt einen Auftrag der Gemeinde, obwohl sie einiges teurer ist als ihre Konkurrenz.

Joël Hoffmann
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«Wir wurden bewusst schlecht bewertet.» «Wir waren konsterniert, als wir den Entscheid vernommen haben.» «Wir hatten von Anfang an keine Chance. Das ist unfair.» Die unterlegenen Mitbewerber sind frustriert. Schon wieder hat Stokar und Partner einen Auftrag der Gemeinde Oberwil erhalten. Sie vertreten diese beim Neubau des Schulhauses Sägestrasse.

Das Problem: Der Inhaber von Stokar und Partner ist verheiratet mit Oberwils Gemeindepräsidentin Lotti Stokar, die auch in der Firma ihres Mannes arbeitet.

Diese Verbindung war den Kontrollgremien bisher egal, obwohl immer wieder Filzvorwürfe geäussert wurden. Aber sowohl Gemeindekommission als auch Geschäftsprüfungskommission (GPK) nahmen die Geschäfte der Stokars bisher nicht unter die Lupe.

Zweitteuerste Offerte von Gemeinde ausgewählt

Nun untersucht die GPK zwar die Vergabe. Bis im Juni will die GPK aber warten, bis sie die Resultate präsentiert. Eine lange Zeit, da doch die Unterlagen zum Vergabeverfahren, welche der bz zugespielt wurden, heikle Fakten ans Licht bringen.

Stokar und Partner haben die zweitteuerste Offerte eingereicht: 403'272 Franken. Die günstigste Offerte umfasst 357'183 Franken. Das ist eine Unterschied von beinahe 12 Prozent. Das sind fast 50'000 Franken, die der Steuerzahler mehr bezahlen muss. Dass Stokar und Partner trotz dieser Differenz den Zuschlag erhalten haben, ist ungewöhnlich, wie Branchenkenner sagen.

Die Unterlagen, die der bz vorliegen, sind detaillierter als die Publikation im Amtsblatt. Sie zeigen, wie viel Spielraum die Gemeinde bei der Bewertung der Offerten hat. Ins Auge fällt der Preis. Dieser wird zu 30 Prozent gewichtet. Dies ist das gesetzlich vorgeschriebene Minimum.

Gleich hoch gewichtet wird der Vorgehensbeschrieb. Gemeint ist damit eine kurze Präsentation der Offerte und das Beantworten von Fragen, wie: «Fühlen Sie sich als Quereinsteiger fähig genug?» Alle Anbieter sind Neulinge, also Quereinsteiger - ausser einer: Stokar und Partner.

Gemeinderat schweigt

Weil die Gemeinde den Preis niedrig gewichtet, fällt der höhere Preis des Büros Stokar weniger ins Gewicht. Dafür lässt sich an den anderen Faktoren «schrauben», wie etwa die Beurteilung der Präsentation. Diese aber ist Geschmackssache.

Die Mitbewerber sprechen Stokar zwar nicht die Kompetenz ab, aber sie sind der Ansicht, dass das Büro Stokar niemals zur Ausschreibung – die sie mitorganisiert hat – hätte zugelassen werden dürfen. Dies auch, weil Stokar und Partner bereits den Architekturwettbewerb durchgeführt haben. Das Büro Stokar hatte also einen Wissensvorsprung.

Die Unternehmen führen weitere heikle Punkte auf und hatten bereits im Vorfeld schriftlich Kritik an der Teilnahme von Stokar und Partner geäussert. Doch gegen die Vergabe klagte keiner. Der Aufwand wäre zu gross, die Aussicht auf Erfolg zu gering. Nur der Zweitplatzierte hätte die Aussicht, bei einem Sieg vor Gericht den Auftrag zu kriegen.

Für die Mitbewerber gilt «Ausser Spesen nichts gewesen». Dies obwohl die meisten signifikant günstiger waren als Stokar und Partner. Das Vergabeverfahren hinterliess bei den Planungsprofis mehr Fragen als Antworten. Lotti Stokar darf sich nicht zum Fall äussern. Gemeinderat Urs Hänggi will erst Stellung beziehen, wenn der Gesamtgemeinderat sich eine Meinung gebildet hat. Es bleibt ein filziger Nachgeschmack.