Theater
Teurere Theaterkarten für Baselbieter

Der Basler SVP-Grossrat Sebastian Frehner schlägt vor, dass bei auswärtigen Theaterbesuchern mehr verlangt wird. Der Antrag stösst allerdings nicht nur auf positive Stimmen.

Boris Burkhardt und Anna Wanner
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Theater Basel

Theater Basel

Nicole Nars-Zimmer

Sebastian Frehner versteht die Baselbieter ja, sagt er. Der SVP-Grossrat versteht deshalb nicht, wie Stadtpräsident Guy Morin von einer «selbstständigen Basler Kulturpolitik» sprechen kann. «Genau das ist das Problem: Die Baselbieter sollen für das Theater zahlen, haben dort aber nichts zu sagen.»

Deshalb will er mit dem ersten von zwei Anzügen geprüft wissen, ob mittelfristig beide Basel die Trägerschaft fürs Theater übernehmen könnten, langfristig auch die Kantone Aargau und Solothurn sowie das benachbarte Ausland. Die Brisanz liegt im Vorschlag des zweiten Anzugs: Die Regierung solle prüfen, ob kurzfristig die Eintrittspreise fürs Theater gesplittet werden könnten: Auswärtige sollen mehr zahlen als Einheimische.

Wie das genau gehen soll, lässt Frehner gegenüber der bz offen. «Die Umsetzung wird nicht einfach», gibt er zu: «Ich versuche nur, einen Anstoss zu geben. Ich kann keine komplette Lösung für ein komplexes Problem liefern.» Die konkrete Lösung müsse die Regierung mit der Theaterleitung finden.

Bei der Theaterleitung ist man nicht begeistert von Frehners Vorschlag. In der Trennung von Auswärtigen und Einheimischen sieht Pressesprecher Michael Bellgardt einen «unglaublichen administrativen Aufwand beim Publikumsverkehr». Ausserdem frage er sich, seit wann die Politik dem Theater die Preise diktiere.

Treuekarte als Alternative

Martin Batzer, Präsident der Theatergenossenschaft, ist der Idee ebenso abgeneigt: «Als Kulturschaffende sind wir für die Bevölkerung da und wollen ihr keine Hindernisse in den Weg stellen.» Intern diskutiere das Theater vielmehr eine Treuekarte: Wer das Theater regelmässig besuche, solle belohnt werden. D

ies könne beispielsweise mit speziellen Angeboten wie zusätzlichen Vorstellungsbesuchen umgesetzt werden. Laut Batzer schlägt das Theater so zwei Fliegen mit einer Klappe: Theaterfreunde kämen so vermehrt auf ihre Kosten; und die Auslastung des Theaters könnte gleichzeitig optimiert werden. «Eine Bestrafung der Zuschauer» hingegen wolle man auf jeden Fall vermeiden.

Es gehe ihm keineswegs um «Bestrafung» oder «Rache» an den Baselbietern, betont Frehner. «Wir müssen aber schauen, dass ein rechter Betrag fürs Theater hereinkommt.» Deshalb sei die Preissplittung ja auch nur der erste Schritt, um das Theater akut konkurrenzfähig zu halten. Als zweiter Schritt sollte die gemeinsame Trägerschaft folgen.

Für Hans Plattner vom Baselbieter Pro-Komitee «Unser Theater» ist eine gemeinsame Trägerschaft hingegen nicht «vorrangiges Ziel». Das Komitee habe in der Vergangenheit klar gesagt, dass bei einem Baselbieter Nein zur Theatersubvention die Gefahr höherer Eintrittspreise bestehe. «Unser Ziel ist aber nicht, die Preise untenzuhalten. Wir wollen eine politische Vereinbarung, die hält.»

Das Komitee führe deshalb Gespräche mit den Landratsfraktionen, um einen höheren Beitrag als die bisherigen etwa 10 Prozent über das Parlament zu erwirken. Für Plattner ist aber ebenso klar: «Mehr Geld heisst auch mehr Mitspracherecht!»

Während im Baselbieter Parlament für die Theaterlobby also noch Hoffnung besteht, scheint die Abstimmung im Grossen Rat gelaufen: Nach bz-Informationen werden nur CVP und LDP gegen Frehners Antrag stimmen. Das Grüne Bündnis ist noch unentschlossen; alle anderen Parteien wollen für den Anzug stimmen.

«Kein Staatstheater»

Zwar ist mit den zugesprochenen 1,5 Millionen Franken die kommende Saison des Theaters gesichert. Doch ist die Finanzierung von weiteren drei Spieljahren noch offen. «Da sind wir auf die Unterstützung des Grossen Rates angewiesen», betont Batzer. Solange die erlassenen Forderungen des Grossen Rates den Ideen des Theaters nicht widersprächen, werde die Leitung darauf eingehen.

Trotzdem verweigert sich Batzer der direkten Einmischung des Kantons: «Wir sind kein Staatstheater und wollen selbst entscheiden, was wir machen und was nicht.» Frehner widerspricht: «Der Regierungsrat muss seinen Einfluss geltend machen. Das Theater ist total abhängig vom Staat.»