Eigenregie
Thomas Weber: «Das Spital Laufen wird auch in 20 Jahren bestehen»

Regierungsrat Thomas Weber kündigt ein Pilotprojekt an, das die Zukunft des Spitals sichert. Das Kantonsspital Baselland soll künftig flexibler über eigene Standorte entscheiden können.

Hans-Martin Jermann und Leif Simonsen
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Das Kantonsspital Laufen.

Das Kantonsspital Laufen.

bz Basel

Herr Weber, das Kantonsspital Baselland (KSBL) soll flexibler über eigene Standorte entscheiden können. Müssen die Laufentaler Angst haben, dass ihr Spital in 20 Jahren nicht mehr existiert?

Thomas Weber: Das denke ich klar nicht. Das Spital Laufen wird auch in 20 Jahren bestehen. In der Vergangenheit hat man sich bei der Beurteilung des Spitals Laufen etwas stark vom Buchstaben des Laufentalvertrags leiten lassen. Ich möchte die Frage nach der Zukunft des Spitals aufgrund der Bedürfnisse der Einwohner beantworten. Mit der Schmerzklinik ist meines Erachtens ein zukunftsfähiger Weg eingeschlagen worden. Der Kanton lanciert zudem 2015 mit dem Gesundheitsnetzwerk Laufental ein Pilotprojekt, mit dem die integrierte Gesundheitsversorgung am Beispiel des Laufentals auf ein neues Fundament gestellt wird. In der neuen Eigentümerstrategie ist festgehalten, dass das KSBL eine wohnortsnahe und dezentrale Grundversorgung gewährleistet. Das geht nicht, wenn das Spital Laufen geschlossen wird. Die geografischen Begebenheiten bleiben, wie sie sind.

Sie wollen das Kostenwachstum im Gesundheitswesen bremsen. Ist es kein Widerspruch, einen Standort wie Laufen halten zu wollen?

Im Gegenteil. Die Frage ist doch, wie das Angebot in Laufen so definiert wird, dass es dem Bedarf der Patienten entspricht. Der Grundsatz «ambulant vor stationär» wird generell zur Kostensenkung beitragen können, ohne dass dafür Leistungen abgebaut werden müssen, die ein grosses Bedürfnis der Bürger darstellen. Eine vermehrte Flexibilität in der Haltung, welche Bereiche ein solches Spital stationär und ambulant anbieten soll, ist aber nötig.

Wie wird dieses Gesundheitsnetzwerk Laufental aussehen?

Vorgesehen ist ein runder Tisch, an dem Vertreter der Leistungserbringer, Gemeinden und des Landrates eine Auslegeordnung vornehmen: Welches sind die Interessen an einem integrierten Gesundheitsnetzwerk Laufental? Wie könnte eine Versorgung in diesem bis zu einem gewissen Grad abgeschlossenen Raum aussehen? Mein Anspruch ist es, ein landesweit ausstrahlendes Laufentaler Modell für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu etablieren.

Was soll dann die Streichung des Artikels, wonach der Landrat die Betriebsstandorte der Kantonsspitäler festlegt?

Allgemein soll die Streichung KSBL mehr Flexibilität bringen. Nur ein Beispiel: Möchte zum Beispiel die Psychiatrie Baselland eine Tagesklinik ausserhalb Liestals eröffnen, wäre dazu eine Landratsvorlage nötig. Diese nimmt viel Zeit in Anspruch. Der heutige Passus ist für die einzelnen Betriebe gleichbedeutend mit einem Denkverbot.

Was meinen Sie damit genau?

Nehmen wir das Bruderholz: Gemäss heutigem Spitalgesetz ist das KSBL gezwungen, einen Neu- oder Ausbau des Standortes im Unterbaselbiet auf dem Bruderholz vorzunehmen. Die Regierung findet: Das KSBL soll sich autonom überlegen können, ob es auf dem Bruderholz ein neues Bettenhochhaus errichten will, oder ob es dies in der Nähe etwa in Münchenstein tut. Am Grundsatz, dass das KSBL eine wohnortsnahe, dezentrale und integrierte Versorgung gewährleistet, halten wir fest. Die Eigentümerstrategie gibt zudem vor, dass das KSBL grosse Investitionen mit dem Kanton absprechen muss. Damit sind mehrere Spitalstandorte im Baselbiet langfristig garantiert.

Was spricht mit Blick auf die Kosten gegen eine Fusion des KSBL mit dem Universitätsspital Basel?

Wenn wir einfach die beiden Unternehmen fusionieren und die Kosten teilen, dann hat der Kanton Baselland Mehrkosten in vermutlich dreistelliger Millionenhöhe zu tragen. Ohne dass damit ein einziges der bestehenden Probleme punkto Versorgungseffizienz gelöst würde. Dagegen spricht auch, dass wir uns in Stadt und Land zunächst Gedanken über die Grundversorgung machen müssen: Im Unispital werden etwa auch Routineeingriffe vorgenommen, die keinen universitären, hoch spezialisierten Charakter haben und eventuell auch ambulant erbracht werden könnten. KSBL und Unispital müssen anschauen, wie sie gemeinsam die universitäre Medizin stärken und gleichzeitig die Kosten tief halten können. Die Zusammenarbeit ist gut angelaufen: Der neue Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Basel ist als Urologe am Kantonsspital Liestal tätig, ebenfalls der Ordinarius für Hausarztmedizin. Die Zusammenarbeit gedeiht.

Kann im Kanton auch künftig hoch spezialisierte Medizin angeboten werden?

Weshalb soll dies nicht der Fall sein? Wichtig ist, dass die Spitäler in der Region eine sinnvolle Spezialisierung vornehmen und nicht alle alles anbieten. Alleine aus Kostengründen können wir als Kanton uns dies nicht leisten. Dasselbe gilt für die Spitäler.

Die private Konkurrenz wird stärker.

Als Gesundheitsdirektor kann ich nichts dagegen haben, wenn wir in der Region starke Privatspitäler haben. Deshalb ist es richtig, dass ich aus dem Verwaltungsrat des KSBL ausgetreten bin. In dieser Funktion würde ich etwa das St. Claraspital als Konkurrenz sehen. Als Gesundheitsversorger habe ich hingegen das Interesse, dass ein komplexer Fall in der Region so kompetent wie möglich behandelt werden kann.