Herzstück-Anbindung
Thomi Jourdan lanciert neues Bahn-Projekt im Leimental

Regierungsratskandidat Thomi Jourdan bringt ein Bahn-Projekt aufs Tapet: Mit einer neuen, 15 Kilometer langen Verbindung vom Bahnhof SBB über Therwil und Reinach bis nach Münchenstein soll das Leimental besser erschlossen werden.

Benjamin Wieland
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So stellt sich Thomi Jourdan die Erschliessung des Leimentals vor.

So stellt sich Thomi Jourdan die Erschliessung des Leimentals vor.

Zur Verfügung gestellt

Die Bombe sparte sich Thomi Jourdan für den Schluss auf. Schon über eine halbe Stunde hatte der EVP-Regierungsratskandidat an seiner zweiten Standpunkte-Medienkonferenz über Hochstämme, Fruchtfolgeflächen, und den «Rohstoff Bildung» referiert. Seine Ausführungen wirkten kompetent, rissen aber in Liestal niemanden vom Hocker - zu bekannt und zu vernünftig war das, was er zu den Themen Landwirtschaft und Bildung zu sagen hatte.

Dann, beim letzten Teil zum Thema Verkehr, kam er doch noch, der Knaller. Ein kleiner zwar, aber er sorgte für Gesprächsstoff: Einen ÖV-Bogen Leimental schlug Jourdan vor - eine neue, 15 Kilometer lange Verbindung vom Bahnhof SBB über Binningen, Bottmingen, Oberwil, Therwil und Reinach bis nach Münchenstein.

Arterie fürs Herzstück

Das Leimental mit seinen rund 70 000 Einwohnern sei mangelhaft erschlossen, erklärte der 38-jährige Ökonom. Der öV-Bogen sei ein «Weitwurf» - eine Vision, «von deren allfälligen Verwirklichung auch die nachfolgenden Generationen profitieren» würden. Als «Arterie» müsse man sich den Bogen denken. Ob auf ihm dereinst S-Bahnen, Trams oder Busse verkehren würden, sei nicht entscheidend, sagte Jourdan. Klar sei hingegen, dass es nicht noch mehr Strassen brauche: «Die Südumfahrung löst die Probleme nicht.»

Die Arterien-Metapher war nicht zufällig gewählt. Der Bogen würde das «Herzstück» versorgen, also den geplanten S-Bahn-Tunnel zwischen Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof. Das Herzstück diente Jourdan auch als Vorzeige-Objekt: «Die Verantwortlichen haben es geschafft, das Herzstück in den Köpfen festzusetzen als das öV-Projekt im Stadtkanton - ja, in der ganzen Nordwestschweiz. Dabei hatte es vor nicht allzu langer Zeit noch als kühne Vision gegolten.»

Kampf um Aufmerksamkeit

Genau so, als kühne Vision, wird Jourdans Vorschlag ausgelegt werden. Aber auch als - völlig legitimes - Mittel im Kampf um Aufmerksamkeit gegen den Kronfavoriten Anton Lauber (CVP). Dass Jourdan nicht gewillt ist, den Bekanntheitsvorsprung Laubers kampflos hinzunehmen, wurde bereits bei seiner ersten Standpunkt-Medienkonferenzen von Anfang Mai klar: Damals präsentierte er ein Sechs-Punkte-Programm, mit dem er Lauber in dessen Kerngebiet, der Wirtschaftspolitik, angriff. Und auch dieses Mal trat er dem 52-jährigen Juristen ins Gärtchen: Das gesamte Leimental sei mangelhaft erschlossen und somit auch Allschwil, wie Jourdan hervorhob - die Gemeinde also, die Lauber seit 2004 präsidiert.

Schon in den Ausführungen über seine Ideen zum Thema Landwirtschaft hatte Jourdan in Richtung Lauber gestichelt: Dort sei «bestes Ackerland» in Gefahr, es könnte Siedlungsfläche zum Opfer fallen.

Jourdan ringt auch zweieinhalb Wochen vor dem Wahltermin noch um Aufmerksamkeit. Dass er Publizität gut gebrauchen kann, dafür war die zweite Standpunkt-Medienkonferenz der beste Beweis: Neben einem halben Dutzend Parteifreunden fanden sich gerade mal zwei Journalisten im Sitzungssaal ein.