Tierschutz
«Verstörend»: Tierschutz rettet verwahrloste Büsi aus Messie-Haushalt

Eine Seniorin hält Dutzende von Katzen in ihrer chaotischen Wohnung. Dann muss sie ins Spital und stirbt. Was der Tierschutz in der Wohnung vorfindet, ist nicht schön.

Alan Heckel
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Eines der Büsis, die der Tierschutz rettete.

Eines der Büsis, die der Tierschutz rettete.

zvg

Ende letzter Woche erreichte den Tierschutzbund Basel Regional ein alarmierender Anruf: In einem Haus in einer Nordwestschweizer Gemeinde würden zahlreiche Katzen ohne Betreuung hausen. Der Hinweis wurde geprüft, danach schritt der TSB ein. Vor Ort fand das Team, das mit der Tierambulanz ausgerückt war, ein total vermülltes Inneres vor.

Grund dafür war, dass mittlerweile verstorbene Besitzerin schon länger im Spital lag und sich nicht mehr um das Haus kümmern konnte. «Ohne Betreuung waren die Katzen allerdings nicht. Eine Person fütterte die Katzen regelmässig, aber mit den Zuständen war sie überfordert, da sie wie die Besitzerin ebenfalls in einem fortgeschrittenen Alter ist», sagt Mahena Haizmann.

Für zwei Tiere kam jede Hilfe zu spät

Die TSB-Geschäftsführerin beschreibt die messie-ähnlichen Zustände im Haus als «verstörend», in entsprechend schlechter Verfassung seien die vorgefundenen Katzen gewesen.

«Sie waren richtiggehend verängstigt, reagierten panisch und bissen um sich.»

Schliesslich konnten alle sich im Haus befindlichen Katzen vom behutsam zu Werke gehenden Team des TSB eingefangen und ins Katzenhaus nach Muttenz gebracht werden. Zwei Tiere mussten euthanasiert werden, zwölf weitere waren beim Tierarzt und werden nun aufgepäppelt.

«Sie waren in keinem guten Zustand, hatten schlechte Zähne und waren verfilzt»,

sagt Haizmann. Wenn sie sich erholt haben, sollen sie an Besitzer vermittelt werden, die Erfahrung mit ängstlichen Tieren haben. Dabei soll keine Katze allein in neue Obhut gegeben werden. «Wir werden sie mindestens zu zweit bei den Leuten unterbringen», so Haizmann.

Kein Einzelfall

Darüber, wie viele Katzen ursprünglich in diesem Haus gelebt haben, gibt es keine genauen Angaben. Beim TSB geht man von 20 bis 30 aus. Die Informationen sind unvollständig, doch mehrere Katzen dürften bereits Wochen vorher bei Bekannten platziert worden sein.

Mahena Haizmann beschreibt einen schlimmen Fall wie diesen zwar als «nicht alltäglich», sagt aber auch:

«Es ist bei weitem nicht so, dass wir so etwas noch nie gehabt hätten.»

Für den TSB und sein Katzenhaus, die sich durch Spenden finanzieren, sind solche Fälle aber besonders kostenintensiv.

Tierschutz rät: Frühzeitig an das Schicksal der Vierbeiner denken

Der schlimme Zustand der Tiere ist in diesem Fall mit einem menschlichen Schicksal verknüpft. «Die Person hat es bestimmt gut gemeint und wollte den Katzen ein Zuhause geben. doch irgendwann ist ihr alles über den Kopf gewachsen», erklärt die TSB-Geschäftsführerin. Dazu kamen das Alter und die immer schlechter gewordene Gesundheit, sodass die Person mit der Zeit nicht mehr in der Lage war, sich richtig um den Haushalt, geschweige denn um die vielen Katzen zu kümmern.

Um solche Fälle zu verhindern, sei es wichtig, rechtzeitig zu regeln, was im Falle von Krankheit und Tod der Besitzer mit Tieren geschehen soll. Tierschutzvereine wie der TSB sind dafür die richtige Anlaufstelle und helfen Menschen mit diesen Anliegen unterstützend weiter.