Gerichtsfall
Tod im Steinbruch Laufen: War es eiskalter Mord oder ein Schuss im Affekt?

2017 brachte ein Mann in einem Laufner Steinbruch seinen Geschäftspartner um. Gestern starteten die Gerichtsverhandlungen. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Tat geplant war.

Dimitri Hofer
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Im ehemaligen Steinbruch fanden Partys statt. Täter und Opfer kannten sich aus einem Motorradclub. (Archivbild)

Im ehemaligen Steinbruch fanden Partys statt. Täter und Opfer kannten sich aus einem Motorradclub. (Archivbild)

Zur Verfügung gestellt

Fünf Richter am Baselbieter Strafgericht beschäftigen sich momentan mit der Frage, was am Vormittag des 21. Dezember 2017 passiert ist (bz von gestern). Sie versuchen zu beantworten, ob ein Mord geschah oder ob es sich um Totschlag handelte. Morgen Donnerstag verkünden sie ihr Urteil.

Ein heute 58-Jähriger erschoss vor ziemlich genau drei Jahren in einem stillgelegten Steinbruch in Laufen seinen Geschäftspartner. Zusammen betrieben die beiden dort eine illegale Hanfplantage. Gestern ging am Gericht in Muttenz die Parteiverhandlung zu Ende. Die letzten Worte, bevor man sich zur Beratung zurückzog, gehörten dem Angeklagten: «Ich kann es nicht rückgängig machen. Es tut mir schrecklich leid.»

Staatsanwaltschaft für lange Gefängnisstrafe

Für die Baselbieter Staatsanwaltschaft handelt es sich um Mord. In der Anklageschrift heisst es, die Schussabgabe sei in skrupelloser Weise geschehen, da das Opfer «ihm völlig ausgeliefert gegenüberstand». Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren und 6 Monaten. Zusätzlich zu Mord werden dem Angeklagten mehrfache Widerhandlung gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz sowie Vernachlässigung von Unterhaltspflichten zur Last gelegt. Die Verteidigerin plädiert hingegen für eine Freiheitsstrafe von maximal 6 Jahren. «Der Tatbestand des Totschlags ist gegeben», sagte Joanna Wierzcholski gestern vor dem Strafgericht. Ihr Mandant sei aber kein kaltblütiger Mörder. Er sei vom 34-jährigen Muttenzer drangsaliert und bedroht worden. «Das Heben des Arms muss wie ein Trigger gewirkt und einen Reflex ausgelöst haben. Es blieb keine Zeit zum Reden, zum Nachdenken, oder um bewusst eine Entscheidung zu treffen. Der Schuss ging los, und zwar nur ein Schuss, obwohl die Waffe mit mehreren Patronen geladen war.» Die Tat sei im Affekt passiert. Die Pistole habe der Beschuldigte bei sich getragen, weil er sich zuvor das Leben nehmen wollte.

Hinter den Versuch des Selbstmords vor der Tat setzte Staatsanwältin Sylvia Gloor Hohner ein grosses Fragezeichen. «Dass er sich umbringen wollte, sagte der Angeklagte erst in einer späteren Einvernahme.» Der Beschuldigte sei mit geladener Waffe auf das Opfer zugegangen. Dabei handle es sich um ein deutliches Indiz für eine geplante Tat. Die Verteidigerin versuche, den Täter zum Opfer zu machen.

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