Museum BL
Töff-Freak fährt Museum an die Spitze

Der Münchensteiner Pit Schmid ist auf Umwegen Ausstellungsleiter geworden. Jetzt erntet er die Früchte.

Andreas Hirsbrunner
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Die Kurve gekratzt: Pit Schmid auf einem Töff in der prämierten Ausstellung «Die Kirsche» im Kantonsmuseum. Martin Töngi

Die Kurve gekratzt: Pit Schmid auf einem Töff in der prämierten Ausstellung «Die Kirsche» im Kantonsmuseum. Martin Töngi

Martin Toengi

Das Baselbieter Kantonsmuseum ist stolz. Zum ersten Mal hat das Museum BL, wie es heute heisst, den Prix Expo von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz erhalten. Am vergangenen Mittwoch durfte es die mit 10 000 Franken dotierte Auszeichnung für die beste Ausstellung des Jahres 2015 für «Die Kirsche ... und eine Blueschtfahrt nach Tokyo» entgegennehmen. Zu verdanken hat das Museum die Ehre vor allem Pit Schmid. Der 50-jährige Münchensteiner hat die prämierte Kirschen-Sonderausstellung zusammen mit der Gestalterin Caroline Schmidt und der wissenschaftlichen Assistentin Sarah Wirth konzipiert. Und das etwa so farbig und vielfältig, wie sein Lebenslauf daherkommt.

Thema mit allen Sinnen erfahren

Schmid startete seine berufliche Karriere als Elektriker, wurde Steinbildhauer und betrieb ein Atelier auf dem Liestaler Schild-Areal. Gleichzeitig wirkte er im Nebenjob als Sammlungstechniker beim Museum BL. Ab 2002 gestaltete er auch selber Ausstellungen vor allem für Kinder, was ihn, den begeisterten Motorrad-Fahrer, zu einer neuen beruflichen Kurve animierte. Er liess sich zum Primarlehrer ausbilden. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil ihm als Handwerker der akademische Touch für eine mögliche Museumskarriere fehlte.

Kopf der Woche

Mit dem Porträt über Ausstellungsleiter Pit Schmid legt die bz mit einer neuen Rubrik los: Mit dem «Kopf der Woche» wollen wir Menschen vorstellen, die das aktuelle Geschehen in der Region prägen. Sie sind quasi die Personen hinter den Geschichten.

Und siehe da, die Kurve führte ihn auf eine neue Gerade: Seit fünf Jahren leitet er beim Kantonsmuseum den Bereich Ausstellungen. Mittlerweile macht dieses keine reinen Kinderausstellungen mehr, sondern Ausstellungen für die ganze Familie und hat dabei – ganz Schmids Handschrift – den niederschwelligen, spielerischen Zugang auf die «normalen» Ausstellungen adaptiert. Im Vordergrund steht dabei «der Küchenzuruf», wie es Schmid formuliert: «Wenn mir meine 15-jährige Tochter zwischen Tür und Angel zuruft ‹Da gibt es eine Ausstellung. Was gibt es dort? Wollen wir hingehen?›, muss ich ihr zwei gute, kurze Antworten geben können, die für die Ausstellung sprechen.»

Sicher nicht dazu gehört für Schmid, dass man interessante Texte lesen kann. Vorrangig sei, ein Thema mit allen Sinnen zu erfahren und selber aktiv werden zu können. Genau so funktioniert die Kirschen-Ausstellung. Eingebettet zwischen einer filmischen Motorradfahrt – Schmid lässt grüssen - durch die blühende Baselbieter Kirschenbaum-Landschaft und dem ebenfalls filmischen Abschluss am Kirschenblüte-Fest in Tokyo thematisiert sie variantenreich von der Bienenbestäubung übers Baum-Veredeln bis zum Schnapsbrennen so ziemlich alles, was die Kirsche hergibt. Zum kreativen Konzept gehört auch ein Hörspiel zur abenteuerlichen Kirschenglace-Suche und der exklusive museale Verkauf von eigens für die Ausstellung hergestellter Gasparini-Glace aus Baselbieter Hochstammkirschen.

Dank aus Sicht einer Biene

Kein Wunder, begründete Jury-Mitglied Hannes Geisser in seiner Laudatio die Preisvergabe mit den Worten: «Überzeugt hat die Jury des Prix Expo 2015 in der Ausstellung ‹Die Kirsche ... und eine Blueschtfahrt nach Tokyo› der konsequente fachübergreifende Ansatz, mit dem die Ausstellungsverantwortlichen Naturwissenschaften und Kulturgeschichte, aber auch Technik und Tradition geschickt verbinden und auf diese Weise Zusammenhänge sichtbar machen.» Unterstützt von einer gelungenen Gestaltung nehme die Ausstellung den Besucher auf eine spannende und sinnliche Reise mit. Dass die 2015 eingereichten 15 Eingaben nicht nur von der Zahl her, sondern offenbar auch qualitativ im Vergleich zu andern Jahrgängen obenaus schwangen, wertet den Erfolg noch auf.

Als direkte Konsequenz der Auszeichnung wird die Ausstellung «Die Kirsche ... und eine Blueschtfahrt nach Tokyo» nun um zwei Monate bis zum 3. April 2016 verlängert. Pit Schmid, der rund ein Jahr in die Ausstellungs-Vorbereitung investierte, brachte seine Freude über den Preis auf kreative Art zum Ausdruck: Er bedankte sich singend bei der Jury – und dies aus Sicht einer Biene, die über blühende Baselbieter Kirschenbäume fliegt. Gegenüber der bz fasst er seine Freude auch noch in ganz normale Worte: «Die Auszeichnung bestätigt mir, dass wir mit unserer spielerischen, unkonventionellen Art auf dem richtigen Weg sind. Und es freut mich ganz besonders, dass die Akademie der Naturwissenschaften unser Alle-Sparten-Haus auszeichnet.» Normalerweise gehe der Prix Expo nämlich an reine Naturmuseen. Dass der Ausstellungsleiter auf gutem Weg ist, bestätigte ihm auch der Schweizer Heimatschutz: Er zählt das Museum BL in einer kürzlich publizierten Broschüre zu den 50 schönsten Museen der Schweiz.