Energie
Treibstoff ab Kraftwerk: In Birsfelden soll bald Wasserstoff entstehen

Noch ist es ein Wunschszenario, das aber bald schon Realität werden könnte: Beim Wasserkraftwerk Birsfelden holen Tankwagen flüssigen Wasserstoff ab und fahren ihn zu zahlreichen Tankstellen. An den dortigen Zapfsäulen füllen Chauffeure anschliessend den ungewöhnlichen Treibstoff in ihre Lastwagen.

Dimitri Hofer
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Hier könnte schon bald Wasserstoff produziert werden: das Wasserkraftwerk Birsfelden.

Hier könnte schon bald Wasserstoff produziert werden: das Wasserkraftwerk Birsfelden.

Nicole Nars-Zimmer

Die Industriellen Werke Basel (IWB) und die Fritz Meyer AG planen gemeinsam, den Transportverkehr umweltfreundlicher zu machen. Die regionale Energiedienstleisterin und der in Basel beheimatete Mineralölhändler, der viele Tankstellen bedient, wollen beim Wasserkraftwerk Birsfelden einen Elektrolyseur bauen. «In dieser Anlage wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Die dazu notwendige Energie ist Strom aus Wasserkraft und kommt direkt aus dem benachbarten Kraftwerk Birsfelden», schreiben die Unternehmen in einer Mitteilung. Der auf diese Weise gewonnene Wasserstoff solle letztlich als Treibstoff für Lastwagen dienen.

Die allermeisten Lastwagen haben einen Verbrennungsmotor und produzieren Kohlenstoffdioxid. Bei Wasserstofffahrzeugen ist das anders: Sie werden von Elektromotoren angetrieben. «Der Strom für die Motoren kommt nicht aus einer schweren Batterie, sondern aus einer Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrische Energie verwandelt – und nichts als Wasser ausstösst», schreiben die beiden Partner. Einige Kilogramm Wasserstoff ermöglichten Reichweiten von mehreren hundert Kilometern.

Die Anlage könnte schon 2021 gebaut werden

Würde in Birsfelden dereinst Wasserstoff für Lastwagen produziert, wäre dies die zweite derartige Anlage in der Schweiz. «Im vergangenen Herbst wurde beim Wasserkraftwerk Gösgen eine erste Anlage eröffnet, die von verschiedenen Energieversorgern betrieben wird», sagt Erik Rummer, Sprecher der IWB. Um mit den Planungen der eigenen Anlage fortfahren zu können, sei noch ein Beschluss des Verwaltungsrates nötig. Rummer zeigt sich aber zuversichtlich, dass der Verwaltungsrat dem Vorhaben den Segen gibt. «Wir sind optimistisch und glauben an einen Baubeginn im kommenden Jahr.»

Derzeit suchen die IWB und die Fritz Meyer AG nach Betrieben, die ihre Lastwagen mit Wasserstoff aus erneuerbarer Energie betanken würden. Dass dafür durchaus Interesse besteht, zeigte sich vor rund einem Jahr. Damals wurde bekannt, dass elf Schweizer Firmen – darunter Coop und Migros – bis ins Jahr 2023 planen, sich 1000 von Hyundai produzierter solcher Lastwagen zu beschaffen.