Tropeninstitut darbt unter Reiseflaute

Wegen der Corona-Krise verreist kaum mehr jemand – das bekommt das Reisemedinische Zentrum zu spüren.

Michael Nittnaus
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In normalen Zeiten behandelt und berät das Reisemedizinische Zentrum des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (TPH) 16500 Reisende pro Jahr. Gerade vor Schulferienbeginn ist jeweils einiges los an der Basler Socinstrasse. Doch wegen der Coronakrise ist die Reisetätigkeit praktisch zum Erliegen gekommen – exotische Destinationen werden kaum noch angeflogen. Das TPH rechnet damit, 2020 die früheren Zahlen nicht mal mehr im Ansatz erreichen zu können. Das ist dem kürzlich publizierten Bericht der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission zum TPH-Globalbeitrag 2021–24 zu entnehmen. Das Tropeninstitut rechnet mit Mindereinnahmen von 700000 bis 800000 Franken allein aufgrund des fast vollständigen Wegfalls der Dienstleistungen wie Reiseberatungen oder Impfsprechstunden. Auch Laboranalysen im Zusammenhang mit Reiserückkehrern seien eingebrochen, was weitere rund 400 000 Franken Ertragsausfälle im Bereich Diagnostik bedeute.

Die Verluste können laut Bericht zu einem Teil kompensiert werden, indem das TPH-Personal in den Covid-19-Zentren arbeite. Auch sonst eröffnete das Coronavirus neue Arbeitsfelder fürs Tropeninstitut: Es ist in das nationale Forschungsnetzwerk «Corona Immunitas» eingebunden, wo es eine Langzeitstudie zu den Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die psychische Gesundheit durchführt und die Verbreitung von Antikörpern gegen Sars-Cov-2 in beiden Basel untersucht.

Hilferuf an Trägerkantone: Beide Basel sollen mehr zahlen

Unabhängig der Coronakrise benötigt das TPH in den kommenden Jahren mehr Geld. Der Druck, den erforderlichen Umsatz via Drittmittel zu generieren, müsse abnehmen. Heute machen Drittmittel fast 80 Prozent aus. Dieser Wert solle auf rund 75 Prozent zurückgehen. Das stützen auch die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland, die sich die Kernfinanzierung des «Tropeli» zusammen mit dem Bund und der Uni Basel teilen. Beide Basel wollen deshalb den Kantonsbeitrag für die Leistungsauftragsperiode 2021–24 um zehn Prozent erhöhen, beide von 3,63 auf neu 4 Millionen Franken pro Jahr, total also 32 Millionen Franken. In der Kommissionsberatung hielt die Regierung zudem fest, dass dies auch ein Signal an den Bund sein solle, seine Subventionen für das TPH Ende 2028 nicht zu reduzieren oder gar einzustellen, wie er es in einer Botschaft Anfang Jahr festgehalten hatte.

Keine Mehrkosten verursacht bis jetzt der 110-Millionen-Neubau «Belo Horizonte» im Allschwiler Bachgrabengebiet. Aktuell werde das Gebäude mit den technischen Anlagen und Laboren ausgestattet, heisst es im Bericht. Die Eröffnung sei für Herbst 2021 geplant.