Zentralisierungsmassnahmen
Trotz Kündigungswelle wechselt Bruderholz-Spital seine Strategie nicht

Die Geschäftsleitung des Baselbieter Kantonsspitals hält an den Zentralisierungsmassnahmen fest – trotz der Kündigungswelle am Bruderholz-Spital. In einer Medienmitteilung schreibt die Geschäftsleitung des KSBL, dass die neue Struktur umgesetzt wird.

Benjamin Wieland
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Bisher seien noch keine offiziellen Kündigungen eingereicht worden, meldet das Kantonsspital Baselland.

Bisher seien noch keine offiziellen Kündigungen eingereicht worden, meldet das Kantonsspital Baselland.

Kenneth Nars

Fast das komplette Leitungs-Team der renommierten Orthopädie-Abteilung des Bruderholz-Spitals wird dieses verlassen - das machte die bz heute publik. Ursache sind offenbar Zentralisierungsmassnahmen am Kantonsspital Baselland (KSBL). Dieses will jedoch am eingeschlagenen Weg festhalten, trotz des drohenden Abgangs von vier von fünf leitenden Ärzten an ihrer Vorzeige-Abteilung.

Wie die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat des KSBL in einer versandten Medienmitteilung schreiben, würde die neue Struktur «wie geplant umgesetzt». Nach wie vor seien keine rechtsgültigen Kündigungen eingegangen, so das KSBL weiter.

Baselbieter Regierung schweigt

Zum Aderlass am Bruderholz nicht äussern will sich der Baselbieter Regierungsrat. Der Sprecher der zuständigen Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) teilt auf Anfrage mit: «Personelle Veränderungen und operative Entscheide werden von der VGD allenfalls zur Kenntnis genommen, jedoch nicht öffentlich kommentiert.»

Seit der Verselbstständigung der kantonalen Spitäler obliege die Verantwortung für deren Führung der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat.

Für Unruhe gesorgt hat die Kündigungswelle am Bruderholz auch am Standort Laufen. Denn der Fortbestand der dortigen Orthopädie-Abteilung in der heutigen Form scheint ebenfalls nicht gesichert. Chefarzt Wolfgang Jockers wird in wenigen Jahren pensioniert. Aus Spitalkreisen wurde der bz zugetragen, dass das KSBL die Position nach dem Ausscheiden Jockers nicht mehr besetzen wolle.

Dies könnte jedoch auch den Todesstoss für die Notfall-Abteilung bedeuten. Deren Betrieb wäre mit dannzumal nur noch zwei Oberärzten kaum mehr aufrechtzuerhalten. Das wiederum würde zu Problemen mit der im Laufental-Vertrag festgehaltenen Grundversorgung führen, denn diese schreibt eine Notfall-Abteilung vor. Das KSBL dementierte gestern dieses Szenario auf Anfrage. «Die Konkretisierung des Leistungsspektrums erfolgt im Rahmen der Weiterentwicklung des Orthopädiekonzepts.»

Die Vorgänge im Baselbiet beschäftigen auch Politiker im Nachbarkanton. Der Basler Grossrat Urs Müller (Grünes Bündnis) ist überzeugt, dass im Fall Bruderholz «Konflikte auf dem Rücken der Orthopädie ausgetragen werden.» Im Baselbiet habe man es verpasst, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem die Spezialisierung der einzelnen Spitäler klar definiert wird.

Rechnung ging nicht auf

Ironie der Geschichte: Nicht die Schwächung, sondern die Stärkung der Orthopädie an allen drei Standorten hatte die KSBL-Leitung im Sinn, als sie deren Struktur zentralisierte. Die Idee dahinter bestand darin, mit dem vorhandenen Personal spezialisierte Gruppen zu bilden, die standortübergreifend eingesetzt werden können.

Offensichtlich war das Team am Bruderholz aber nicht einverstanden damit, dass man ihm seine Eigenständigkeit genommen hatte. Experten rechnen damit, dass die Abtrünnigen bei anderen Kliniken in der Region rasch eine Anstellung finden.

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