Therwil
Trotz seines Einsatzes: Die alte Linde ist nicht mehr

Der Therwiler Stephan Gutzwiller wollte eine alte Linde vor der Säge bewahren – genützt hat es nichts. Die Rettung hätte früher kommen müssen.

Benjamin Wieland
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Die Therwiler Linde

Die Therwiler Linde

Nicole Nars-Zimmer
Die Linde in einer Aufnahme von 1934.

Die Linde in einer Aufnahme von 1934.

zvg

Die Meldung entdeckte Stephan Gutzwiller zufällig. In den amtlichen Mitteilungen kündigte Therwil Ende Oktober an, dass die Linde an der Ecke Mittlerer Kreis/Schulgasse vor dem Parkplatz des Café Grellinger gefällt werden solle: Der Stamm sei faul und hohl, er stelle ein Sicherheitsrisiko dar, lautete die Begründung.

Gutzwiller kennt die Linde seit Kindstagen: Zwar lebt er in Basel, er wuchs jedoch in Therwil auf. «Das kann es doch nicht sein», dachte er sich, und holte sich seine Kletterausrüstung aus dem Keller. Sein Plan: Er würde sich am Fälldatum an den Stamm anketten und diesen vor der Motorsäge bewahren.

Nach einem Gespräch mit dem zuständigen Gemeinderat vergangene Woche sah Gutzwiller wieder von der Aktion ab. Der Baum sei tatsächlich nicht mehr zu retten, musste der Unternehmer einsehen.

Seit Samstag klafft auf dem Parkplatz nun nur noch ein Loch. Trotzdem – die Fällung hätte verhindert werden können, ist Gutzwiller überzeugt: dann, wenn man den Baum früher und besser geschützt hätte, schreibt er im folgenden Brief an die bz:

Stephan Gutzwiller:

«Die Fällung einer rund 150 Jahre alten Linde in Therwil hätte nicht sein müssen. Ein weiteres Naturdenkmal ist verloren gegangen. Dies, obwohl sich die Gemeinde in Sachen Bäume überdurchschnittlich engagiert zeigt. Und dennoch: es ist etwas schiefgelaufen.

Wieso ist ein Baum mit einer Lebenserwartung von 1000 Jahren bereits im Teenageralter krank? Weil der Wurzelraum rücksichtslos behandelt wird. Jedem Schulkind ist klar, dass ein Baum ohne seine Wurzeln nicht lebensfähig ist. Trotzdem sind auch bei besagter Linde während der vergangenen 50 Jahre die Wurzeln zunehmend zugunsten von Parkplätzen, Strassen und Leitungen systematisch zerstört worden.

Dieser Fall unter vielen verdeutlicht uns: Bäume sind in unserem Siedlungsraum nur noch geduldete Accessoires. Der Kampf um Raumansprüche findet dabei nur scheinbar oberirdisch statt; der Geldwert des Wurzelraums eines Baumes übersteigt jenen des Luftraumes heute um ein Vielfaches. Solange aber ein wirksamer Schutz des Wurzelraums fehlt und einem Baum nicht der entsprechende Gegenwert beigemessen wird, verkommen sämtliche übrigen Pflegemassnahmen zur Farce.»

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