TV-Kritik
So schlagen sich die Baselbieter Polizeineulinge auf SRF

Wer Mord und Totschlag erwartet, geht in der neuen SRF-Polizei-Dok «Blaulicht-Geschichten» leer aus. Dafür zeigt die Serie Überraschendes.

Bojan Stula
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Die erste Folge mit den Erlebnissen von Nando Wüthrich, Yves Chappuis und Jana Stierli wurde am Freitagabend ausgestrahlt.

Die erste Folge mit den Erlebnissen von Nando Wüthrich, Yves Chappuis und Jana Stierli wurde am Freitagabend ausgestrahlt.

Zvg/Screenshot SRF

Nando Wüthrich hat gerade ein wenig den Überblick verloren: Der Ladendieb, den er verhören soll, telefoniert frisch-fröhlich mit seinem Handy. Auch glaubt er dem Dieb unbesehen, dass dieser keinen Ausweis dabei haben will. Für Ersteres erntet der Baselbieter Polizei-Aspirant vom Übungsleiter eine Ermahnung: «Das geht gar nicht!»

Derweil hat Jana Stierli ihre Anfangsschwierigkeiten im Schiesskeller: Bei den allerersten scharfen Salven mit ihrer Dienstwaffe zielt die 22-jährige Polizei-Aspirantin teilweise zu hoch. «Ist ok, aber darf besser werden», kommentiert Stierli selbstkritisch.

Überraschendes hört man von Yves Chappuis, dem Wachtmeister mit 17 Dienstjahren auf dem Buckel. Mit seinem heutigen Wissen würde er sich zweimal überlegen, denselben Beruf nochmals zu wählen: «Es ist schon ziemlich belastend, vor allem die unregelmässigen Arbeitszeiten», sinniert Chappuis beim Mittagsgrill im Garten des Polizeipostens.

Jana Stierli beweist sich im Schiesskeller.

Jana Stierli beweist sich im Schiesskeller.

Zvg/Screenshot SRF

Wühlen im Dreck des mutmasslichen Pädophilen

Schon nach den ersten 45 Sendeminuten der «Blaulicht-Geschichten» wird klar: Wer Mord, Totschlag und Drama erwartet, ist mit einer der zahllosen Polizei-Soaps besser bedient. Die neue vierteilige SRF-Dokumentarserie über die Polizeiausbildung und den Einsatzalltag punktet dafür mit Realismus und den ehrlichen Aussagen ihrer drei Baselbieter Hauptprotagonisten.

Der Empfang durch den Polizeikommandanten Mark Burkhard am ersten Tag von Stierli und Wüthrich: «Es ist nicht einfach, genügend guten Nachwuchs zu finden.» Die Überreichung der Dienstwaffe durch Vizekommandant Christoph Naef, die Stierli so stolz macht: «Eine Waffe zu bekommen ist ein mega besonders Gefühl und eine Wahnsinnsverantwortung.» Der erste Tag an der Polizeischule Hitzkirch: «Sollten sich unter euch noch Schafe befinden, müssen möglichst schnell aus ihnen Wölfe werden.» Stierli und Wüthrich brennen auf ihre Ausbildung und die künftige Ausübung ihres Traumberufs.

Nando Wüthrich muss übungshalber einen «Ladendieb» verhören.

Nando Wüthrich muss übungshalber einen «Ladendieb» verhören.

Zvg/Screenshot SRF

Als Kontrast zu ihren Übungen auf der Polizeischule dienen die Bilder von Chappuis’ Ernsteinsätzen. Gleich zu Beginn der ersten Folge durchsucht der Wachtmeister das Zimmer eines mutmasslichen Pädophilen und ekelt sich vor der Unordnung darin: «Ich bin ein reinlicher Mensch. Anderthalb Stunden so im Dreck herumzuwühlen ‹gruust› mich.»

Um ein Sturzopfer zu bergen, muss die Balkontüre aufgebrochen werden. Seine aktuellen Einsätze werden durch ältere Aufnahmen eines (ereignislosen) Hochrisikospiels FCB-FCZ ergänzt, an dem Chappuis Ordnungsdienst geleistet hat.

Das alles ist zweifellos interessant. Doch fragt man sich, ob dieser Gegenschnitt Ausbildung versus Einsatz wirklich für die erfolgreiche Dramaturgie der Serie nötig ist. Oder ob nicht gerade dadurch beides zu kurz kommt. Bestimmt würden der Werdegang der beiden sympathischen Aspiranten oder die Einsätze des nachdenklichen Polizei-Routiniers genug Stoff für zwei eigenständige Dokumentarserien hergeben.

«Blaulicht-Geschichten» jeweils freitags um 21 Uhr auf SRF 1.

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