Tarifverbund
U-Abo-Vater Messmer: «Zonen wären das Schlimmste»

U-Abo-Begründer Paul Messmer kritisiert die Ideen von Regierungsrätin Pegoraro. Der Münchensteiner ist aber überzeugt: Damit durchkommen wird sie nicht.

Hans-Martin Jermann
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«Eine moderate Erhöhung des U-Abo-Preises – etwa um 5 bis 10 Franken – würden die öV-Nutzer akzeptieren.» (Archiv)

«Eine moderate Erhöhung des U-Abo-Preises – etwa um 5 bis 10 Franken – würden die öV-Nutzer akzeptieren.» (Archiv)

Martin Toengi

Eine Region, ein öV-Abo, ein Tarif – die Idee von Paul Messmer läutete 1984 eine Revolution im öffentlichen Verkehr ein: Das Umweltschutz-Abonnement war das erste Verbundabo der Schweiz. Die Pionierleistung brachte Stadt und Land einander näher, das Wirtschaften und Zusammenleben in der Region veränderte sich dadurch tiefgreifend. Was sagt der oft zitierte «Vater des U-Abos» zu den Reformideen der Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro für den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW)?

«Die Sache ist zu gut»

«Eine Bieridee ist das», kommentiert der Münchensteiner mit Ostschweizer Wurzeln. Gleichzeitig sieht er den Angriff auf sein Lebenswerk gelassen: «Die Sache ist zu gut und zu stark in der Bevölkerung verankert, als dass man sie einfach so zerstören könnte.» Es sei ja nicht das erste Mal, dass man über die Streichung der Subventionen fürs U-Abo und die Einführung von Zonen diskutiere. Bisher scheiterten sämtliche Versuche kläglich. Nicht «nur», weil das U-Abo in der Region so beliebt, ja eine heilige Kuh, ist. Sondern auch, weil ohne einstimmigen Beschluss der fünf TNW-Kantone Reformen nicht möglich sind.

Doch was hätte gravierendere Auswirkungen – die Streichung der Subventionen oder die Einführung von Zonen-Abos? Für den ehemaligen BLT-Geschäftsführer ist klar: «Das Schlimmste wäre die Zonierung. Denn damit würde die einfache Grundidee kaputtgemacht: Dass das Abo im ganzen Verbundgebiet gültig ist und sich die Fahrgäste darin frei bewegen können.» Der TNW als System wäre dann weit weniger attraktiv.

Psychologisches Argument

Ebenfalls für falsch hält der 82-Jährige die Aufhebung der Subventionen. Schliesslich hätten diese massgeblich dazu beigetragen, dass der öV für die Pendler konkurrenzfähiger geworden sei. Die Verbilligung des U-Abos sei ein wichtiges psychologisches Argument gewesen, um auch notorische Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen: «Es wurde plötzlich sehr schwierig, gegen den öV zu argumentieren», erinnert sich Messmer. Würden nun die Abo-Subventionen gestrichen, dann drohe ein Rückumsteige-Effekt, prognostiziert Messmer.

Für die Aussage, dass das U-Abo heute zu günstig sei, hat Messmer indes ein gewisses Verständnis. Der Preis sei in den vergangenen 32 Jahren mehrmals angepasst worden. «Ich bin überzeugt: Eine moderate Erhöhung – etwa um 5 bis 10 Franken pro Monatsabo – würden die öV-Nutzer akzeptieren», stellt Messmer klar. Nicht aber eine vollständige Streichung der Subvention, die das Monats-U-Abo um 25 Franken verteuere. «Wenn die das wirklich durchziehen wollen, dann gibts einen Aufstand», sagt Messmer.

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