Schweizer Pass
Über 300 Anfragen pro Tag: Das Passbüro in Liestal wird überrannt

Nach ihrer zehnjährigen Gültigkeit laufen die letzten Jahrgänge der nicht-biometrischen Pässe aus. Von diesen gibt es besonders viele. Die Anfragen auf Erneuerung bringen die Passbüros ans Limit. In Liestal mussten zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Oliver Maurer
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Die Schweizer Behörden stellen nur noch biometrische Pässe aus.

Die Schweizer Behörden stellen nur noch biometrische Pässe aus.

Keystone

Wer in nächster Zeit seinen Reisepass erneuern will, muss sich gedulden, denn die Schweizer Passbüros werden in diesen Tagen geradezu überrannt. Der Grund dafür ist, dass alle zwischen 2003 und 2006 ausgestellten Pässe nach und nach ablaufen. Diese sind besonders zahlreich, denn damals besorgten sich viele Schweizerinnen und Schweizer vor der Einführung der biometrischen Variante noch die günstigere nicht-biometrische (siehe Box). Ein weiterer Vorteil des «alten» nicht-biometrischen Passes war: Man konnte mit ihm visumsfrei in die USA einreisen.

Hochbetrieb in Liestal

«Zurzeit ist sehr viel los», sagt Markus Hauser, der Leiter des Passbüros Liestal. Auf zwei Wochen hinaus sei das Personal bis auf ganz dringende Fälle komplett ausgebucht. «Pro Tag bearbeiten wir bis zu 200 Anrufe plus 50 Internet-Anträge, dazu kommen noch durchschnittlich 80 Anträge der Gemeinden für Identitätskarten», so Hauser. Insgesamt produzierten seine Mitarbeiter im ersten Quartal 12400 neue Ausweise, was im Vergleich zu den Vorjahren einen Zuwachs von fast 30 Prozent bedeutet.

Um diesen Ansturm bewältigen zu können, musste das Passbüro laut Hauser kurzfristig temporäre Mitarbeiter einstellen. Ausserdem seien wie jeher in den Spitzenmonaten der Passerneuerungen zwischen Mai und Juni die Schalter jeweils auch an diversen Samstagmorgen offen.

Der Peak kommt noch

«Dies ist aber erst der Anfang», erklärt Hauser. In den kommenden Jahren werde die Nachfrage weiter steigen, denn die zahlreichen nicht-biometrischen Pässe von 2003 bis 2006 werden Jahrgang für Jahrgang ablaufen. Aufgrund der zehnjährigen Laufzeit könne man jetzt schon gut einschätzen was in den nächsten Jahren auf einen zukommen werde. Laut Hauser soll 2015 das absolute Spitzenjahr werden, welches auch den Peak darstellen wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt vor zehn Jahren gab es noch die letzten Versionen der nicht-biometrischen Pässe ohne Visumpflicht für die USA.

Jedem, der in nächster Zeit ins Ausland in die Ferien gehen will, rät Hauser: «Kümmern Sie sich frühzeitig um die Erneuerung der Ausweise, damit genügend Zeit bleibt». Nach dem Termin beim Passbüro dauert es in der Regel eine Woche, bis der Ausweis geliefert wird. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.schweizerpass.ch.

Der Weg zum Biometrischen

In den letzten zehn Jahren wurden in der Schweiz drei verschiedene Versionen von Reisepässen ausgestellt. Angefangen mit jenem von 2003, welcher erstmals maschinenlesbar war und die Version von 1985 ablöste. 2006 startete eine Übergangslösung für einen biometrischen Pass. Denn auf Druck der USA konnten Schweizer Bürger ab dem 26. Oktober 2006 nur noch mit einem biometrischen Pass oder mit einem Pass der Generation 03, welcher vor dem 26. Oktober ausgestellt wurde, visumsfrei einreisen. Vor dem Stichtag im Oktober zog dies eine Welle von Anfragen für die 03-Versionen mit sich. Dieser Pass war auch kostengünstiger als der neue biometrische. Die Übergangslösung 06 enthielt schon einen elektronischen Chip, welcher ein Gesichtsbild, aber noch keine Fingerabdrücke beinhaltete. Ab 2010 folgte der neuste Pass 10 (oder E-Pass). Dieser beinhaltet zwei Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild. Seit es den E-Pass gibt, werden keine Versionen aus den Jahren 2003 oder 2006 mehr ausgestellt.