Strafgericht
Überfall mit Gewehr-Imitation: Stümper-Trio wegen Selfie entlarvt und verurteilt

Weil ihre Waffe auseinander bröckelte, brachen drei Männer einen Tankstellenüberfall ab. Auf die Schlichte kam man ihnen wegen weiteren Dummheiten.

Patrick Rudin
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Auf dem Handy des Haupttäters gefunden: Selfie-Fotos mit venezianischen Masken, kurz nach dem Überfall aufgenommen.

Auf dem Handy des Haupttäters gefunden: Selfie-Fotos mit venezianischen Masken, kurz nach dem Überfall aufgenommen.

Sandra Ardizzone

Es war kurz vor Ladenschluss um zehn Uhr abends, als zwei Männer im November 2013 mit venezianischen Masken in die Tankstelle bei der Landi in Aesch stürmten: Der Befehl an den Angestellten hinter der Kasse war klar, die Männer wollten Geld. Einer der Männer richtete dabei ein Gewehr auf den Angestellten.

Das vermeintliche Sturmgewehr war allerdings eine ungeladene Softair-Imitation und bereits beschädigt: Nach einer unvorsichtigen Bewegung fiel der Lauf förmlich auseinander und ein Stück zu Boden, und als der Vermummte das Stück wieder aufheben wollte, drückte der Angestellte den Alarmknopf, die zwei Männer flüchteten daraufhin.

Selfie-Fotos mit Tätermaske

Zur Verwirrung der Täter trug wohl auch bei, dass in diesem Moment ein Auto bei der Tankstelle vorbeigefahren ist. «Die Vorgehensweise war eher dilettantisch und unprofessionell», schrieb die Polizei am nächsten Tag in der Medienmitteilung. Vorläufig blieb der Fall dennoch unaufgeklärt, erst später führte der Zufall die Strafverfolgungsbehörden auf die Spur der Täter.

So entdeckte man beim heute 22-jährigen Haupttäter wegen eines anderen Delikts Fotos auf seinem Mobiltelefon: Selfie-Fotos mit venezianischen Masken, kurz nach dem Überfall aufgenommen, und auch den Zeugenaufruf der Polizei hatte er aufbewahrt. Damit konfrontiert, legte er ein Geständnis ab. Er sass daraufhin drei Monate in Haft. Acht Monate zuvor war er vom Jugendgericht bereits wegen eines Raubes verurteilt worden.

Täter arbeitete für Baselworld

Tatsächlich waren allerdings drei Männer am Überfall beteiligt: Der 22-Jährige hatte die Tat geplant und diente mit dem Fiat Panda des Vaters als Chauffeur, während des Überfalls wartete er ein paar Meter entfernt von der Tankstelle im Auto.

Ein 21-jähriger, zur Teilnahme überredeter Kumpel hingegen ging mit in die Tankstelle, stand beim Eingang Schmiere und drängte nach dem Auslösen des Alarms auch darauf, die Sache abzubrechen. Auch von ihm war ein Foto auf dem Mobiltelefon des Haupttäters, auch er gab die Sache schliesslich zu.

Kurioserweise arbeitete der 21-Jährige vergangene Woche während der Baselworld für netto 22 Franken pro Stunde für eine Sicherheitsfirma, obwohl er bereits als Jugendlicher wegen Raubes bestraft wurde.

Der Firma kann man allerdings keinen Vorwurf machen: Auf einem Strafregisterauszug erscheinen Jugendstrafen nur eingeschränkt. Eingetragen werden lediglich Urteile mit Freiheitsentzug. Er erhielt damals gemeinnützige Arbeit als Strafe, diese hat er auch abgeleistet.

Beide Männer bezeichneten einen Dritten als denjenigen, der den Job mit der Waffe übernommen hat, dieser bestritt allerdings vehement, überhaupt bei dem Tankstellenüberfall dabei gewesen zu sein. Die drei Männer waren langjährige Freunde.

Am Freitag kam dennoch die neue Strafe dazu: Die drei Richter sahen die Aussagen der beiden geständigen Männer als glaubwürdig an, alle drei wurden wegen versuchten Raubes verurteilt.

Beim 22-jährigen kam noch ein fingierter Raubüberfall in Basel hinzu: Ein Kumpel von ihm arbeitete als Lehrling und trug regelmässig die Tageseinnahmen zur Post, in einer Unterführung übergab der Kumpel die Geldtasche, liess sich schlagen und sprach dann von einem Überfall.

Später verlor er seine Lehrstelle, weil er Geld klaute, irgendwann flog dann auch der angebliche Überfall auf. Das Geld sollte eigentlich geteilt werden, doch der 22-Jährige verjubelte die 25 000 Franken kurzerhand: Es gab schicke Handtaschen für die Freundin.

Nur bedingte Strafen

Weil alle Männer inzwischen eine Arbeit oder eine Ausbildung begonnen haben und seit Jahren nicht mehr straffällig geworden sind, liess das Gericht Milde walten: Der 22-jährige Haupttäter erhielt eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten auf Bewährung, der Rest kam mit bedingten Geldstrafen davon.

Insbesondere der Mann mit der Waffe profitierte davon, dass er zur Tatzeit noch dem Jugendstrafrecht unterstellt war. Sämtliche Urteile können noch weitergezogen werden.

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