Landratswahlen
Umstrittene Wahlwerbung: Ein Brief sorgt für dicke Luft in der CVP Laufental

CVP-Kantonalpräsident Marc Scherrer spielt die Gewerbenähe als seinen Trumpf aus und bringt damit die Bisherige Brigitte Bos in Bedrängnis.

Michael Nittnaus
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«Der Brief ist heikel»: Brigitte Bos über die Wahlwerbung – «Ich verstehe das Problem nicht.», sagt Marc Scherrer hingegen.

«Der Brief ist heikel»: Brigitte Bos über die Wahlwerbung – «Ich verstehe das Problem nicht.», sagt Marc Scherrer hingegen.

Nittnaus/Toengi

Mehrere tausend Laufentaler, die vor rund zwei Wochen ihren Briefkasten öffneten, hielten einen unmissverständlichen Aufruf in ihren Händen: «Ihre starke Stimme für die Laufentaler Wirtschaft. Marc Scherrer in den Landrat – 2 Mal auf ihre Liste.»

Der Brief, der Scherrers Vernetzung mit dem Laufentaler Gewerbe anpreist, wurde von nicht weniger als 14 Laufentaler CVP-Persönlichkeiten sowie von Regierungsrat Anton Lauber unterschrieben. Absender ist alt Nationalrat Walter Jermann.

Die Absicht ist klar: Der Präsident der CVP Baselland soll dank der Doppelnennung einen der voraussichtlich zwei Laufentaler CVP-Sitze ergattern. Das Problem: Das würde auf Kosten von einem der beiden Bisherigen gehen, Franz Meyer oder Brigitte Bos.

Meyer hat dabei ein Ass im Ärmel, das ihn fast unbesiegbar macht: Wird er gewählt, ist er der nächste Landratspräsident. Und welcher Laufentaler Wähler möchte einen Bezirksgenossen als obersten Baselbieter verhindern? Wie Remo Oser, Röschenzer Gemeindepräsident und Wahlkampfleiter der CVP Laufental, sagt, hätten aber alle sechs Kandidaten Vorzüge. «Auf die Plakate unserer Liste 5 kleben wir derzeit Aufkleber: ‹Laufentaler Landratspräsidium sichern›.»

Bos ist zurückhaltender

Das bringt die ehemalige Laufner Stadtpräsidentin Brigitte Bos in Bedrängnis. «Es war klar, dass Marc Scherrer einen Bisherigen angreift und Franz Meyer gesetzt ist», sagt sie auf Anfrage. Auf der einen Seite freue sie sich, dass die CVP im Laufental mit einer derart starken Liste antrete – auch Ursula Brem, Eduard Jermann und Barbara Ammann sind bekannt.

Dennoch: «Der Brief von Marc Scherrer ist heikel.» Dabei stört sich Bos weniger am Aufruf zur Doppelnennung – auch für sie gab es solche Schreiben. «Der Brief wirkt von der Aufmachung wie von einem offiziellen Scherrer-Komitee, obwohl wir bei der CVP vereinbart haben, dass es keine persönlichen Komitees geben soll.» Sie sei da zurückhaltender.

Konkret erinnert Bos der Stil an ähnliche Schreiben der Wirtschaftskammer Baselland. «Der Stil ist nicht jener der Wirtschaftskammer, sondern des Instituts für Wirtschaftsförderung IWF», sagt Scherrer. Er selbst habe die 15 Persönlichkeiten angefragt und den Brief zum Druck und Versand beim IWF in Auftrag gegeben. Bezahlen würde er die Aktion aus der eigenen Tasche. «Ich verstehe das Problem nicht.» Er hätte alle Mit-Kandidaten darüber informiert – genauso wie es auch Meyer bei einem ähnlichen Schreiben getan habe. «Wir alle sechs sollen und müssen Werbung machen, solange wir uns nicht gegenseitig schlecht machen. Die Aufkleber finde ich zum Beispiel auch nicht unfair, sondern toll.»

Auch Oser – der ebenfalls Scherrers Brief unterzeichnet hat– hält trocken fest: «Es ist ein normaler Konkurrenzkampf. Der Beste soll gewinnen. Wir sind hier nicht in Nordkorea.»

Dass just Walter Jermann als Absender auftritt, erstaunt allerdings, herrschte doch lange zwischen Fusionsbefürworter Scherrer und -gegner Jermann Eiszeit. Für CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter steht hier aber Jermanns Verbindung zur Wirtschaftskammer und Scherrers Präsidium beim Gewerbeverein KMU Laufental im Vordergrund. «Interessenvertretungen sind legitim.» Schneider hat aber ein Angebot für Bos: «Wenn sie mich fragt, verfasse ich für sie ein Unterstützerschreiben.»