Muttenz
Umzug des Strafjustizzentrum: Mehr als zehn Liegenschaften frei

Wenn der Kanton im Frühjahr das Strafjustizzentrum in Muttenz bezieht, werden über zehn Verwaltungsräumlichkeiten der Staatsanwaltschaft und der verschiedenen Gerichte und Gefängnisse im Baselbiet frei. Die Linken fordern Zwischennutzung.

Leif Simonsen
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Eine der zehn frei werdenden Immobilien: Die Staatsanwaltschaft in Arlesheim.

Eine der zehn frei werdenden Immobilien: Die Staatsanwaltschaft in Arlesheim.

Roland Schmid

Im Jahr 2010, als sie dem Landrat die Vorlage zum Bau des 75 Millionen Franken teuren Zentrums in Muttenz unterbreitete, sprach die Regierung von einem Ertrag von 7 bis 10 Millionen Franken für den Verkauf von fünf Gebäuden und wiederkehrenden Mieteinsparungen von knapp einer halben Million Franken für sechs Einmietungen.

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Das Bezirksgefängnis in Arlesheim soll etwa weiterhin als Gefängnis dienen, weil der Kanton bei Engpässen eine Ausweichmöglichkeit braucht. Eine neue Ausgangslage hat sich zudem durch das Volks-Ja zur Zentralisierung ergeben. Nun erarbeitet die zuständige Bau- und Umweltdirektion ein Strategiepapier, in welchem die möglichen Anschlusslösungen erarbeitet werden.

Federführend ist die Leiterin Strategie, Roya Blaser. Bis im August will sie den Bericht den zuständigen Bereichen des Hochbauamts übergeben. Sie will bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht inhaltlich auf den Bericht eingehen.

Günstiger Wohnraum ist rar

Ideen, was mit dem frei werdenden Raum gemacht werden könnte, gibt es bereits. Die Baselbieter SP und die Juso sehen die Chance für Zwischennutzungen. «Solange es keine rechtsfreien Räume sind, würde ich Zwischennutzungen sehr begrüssen», sagt SP-Landrat Ruedi Brassel.

Juso-Mitglieder haben davon ziemlich konkrete Vorstellungen. Präsident Adrian Mangold könnte sich bei einigen der frei werdenden Räumlichkeiten Party- oder Bandräume vorstellen oder Möglichkeiten für Künstler, ihre Werke auszustellen. «Gerade für junge Kulturschaffende gibt es wenig Ausstellungsmöglichkeiten», ergänzt Vize-Präsident Adil Koller. Er glaubt, dass die subversivere Form einer Zwischennutzung als Ausgehmöglichkeit auch im Baselbiet gut ankommen würde. «Die Jungen orientieren sich nicht automatisch in Richtung Basel, wenn es in der näheren Umgebung gut genutzte Freiräume gibt», sagt Koller. Er führt das Münchensteiner Walzwerk ins Feld, das seit dem Konkurs von Alu Münchenstein 1999 zur Ausgehdestination geworden ist.

Hausbesetzungen, die derzeit vor allem in der Stadt immer wieder zu reden geben, unterstützen die Juso allerdings nicht. «Wir tolerieren nicht die Form der Besetzung, jedoch die Botschaft, die dahinter steckt», sagt Mangold.

Die Botschaft, das ist die Forderung nach günstigem Wohnraum. Dies wäre neben der kulturellen Zwischennutzung eine weitere Idee, welche bei den Juso Anklang findet: Die Schaffung von Wohnungen, die auch für Ärmere oder Studenten erschwinglich sind. Denn davon, so Koller, gäbe es nicht nur in der Stadt zu wenig.

Solche Ideen kommen zum jetzigen Zeitpunkt wohl zu spät, dürfte Roya Blaser bei ihrem Strategiepapier doch auf den letzten Seiten angelangt sein. «Freiwerdende Liegenschaften werden im Rahmen der kantonalen Immobilienstrategie veräussert oder mit Einmietungen aufgelöst», verrät sie immerhin.

Aus heutiger Sicht gehe sie nicht davon aus, dass es Leerstände oder Zwischennutzungen in irgendeiner Form gibt, wenn die Liegenschaften frühestens Mitte 2014 verlassen werden. In einigen der Liegenschaften sei die Schaffung von Wohnraum alleine schwierig, weil damit grosse bauliche Veränderungen einhergingen. Die Linken stören sich daran, dass die Öffentlichkeit nicht angehört wurde. «Es wäre schön gewesen, wenn uns der Kanton zur Beteiligung aufgefordert hätte», moniert Koller.

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