Binningen
Und plötzlich gibt die Strasse nach: Knapp 100 Jahre alte Leitung gebrochen

Die Wasserleitungen im Binninger Villenquartier sind uralt. Dieselbe Leitung erlitt am Höhenweg innerhalb weniger Monate zweimal einen Wasserrohrbruch. Nach dem neusten Bruch soll die Sanierung vorgezogen werden.

Yann Schlegel und Michael Nittnaus
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Rohrbruch in Binningen

Rohrbruch in Binningen

Juri Junkov
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Juri Junkov

Auf einmal hob sich der Strassenbelag am Höhenweg in Binningen auf einer Länge von rund sechs Metern an. Ein Wasserrohrbruch unterspülte am vergangenen Freitagmittag die Strasse im Villenquartier. Dabei drang auch Wasser in den Keller eines Anwohners ein. Um die Wasserversorgung der betroffenen Haushalte zu gewährleisten, brachte die Feuerwehr einen Wasserhahnen an einem Hydranten an.

Ein Fachmann der Industriellen Werke Basel (IWB ) hatte vor Ort gegenüber einer Passantin zunächst vermutet, der Rohrbruch könnte über einen längeren Zeitraum einen konstanten Wasseraustritt verursacht haben. Das ausfliessende Wasser habe den Boden im Strassenabschnitt rund um die defekte Wasserleitung unterspült, wodurch die Strasse plötzlich abgesunken sei.

Den neuen Erkenntnissen zufolge fand am Höhenweg jedoch ein plötzlicher Wasserrohrbruch statt. Dies berichten Gemeinde Binningen und IWB unisono. Das nach oben drückende Wasser sei durch Risse im Strassenbelag hervorgedrungen. Wie Daniel Bächler, Ressortleiter Strassen und Verkehr von Binningen, gegenüber der bz sagt, hat es bereits im Mai an derselben Strasse – bloss 50 Meter abwärts – einen Wasserrohrbruch gegeben. «Alle Leitungen in diesem Viertel sind alt und sollten sukzessive saniert werden», stellt Bächler fest.

Leitungen datieren von 1923

Die Sanierung ist nicht Aufgabe der Gemeinde. «Wir können nur intervenieren, wenn wir einen Abschnitt gerne früher saniert hätten», sagt Bächler. Die IWB ist als Besitzerin des Versorgungsnetzes dafür verantwortlich, die in die Jahre gekommenen Leitungen zu ersetzen. Sind die Gemeindestrassen marod, spannt die Gemeinde mit den IWB zusammen und nutzt die Leitungssanierung dazu, den entsprechenden Strassenabschnitt zu erneuern. In diesem Fall teilen sich Gemeinde und IWB die Kosten.

Dass sie das Leitungssystem im wohlhabenden Binninger Quartier erneuern muss, war der Energiedienstleisterin bekannt. Die Leitungen dieses Teilstücks datieren von 1923, gewisse Abschnitte am Höhenweg sanierten die IWB 1982. «Eine fast 100 Jahre alte Leitung klingt natürlich dramatisch», sagt IWB-Mediensprecher Erik Rummer auf Anfrage. Doch das Alter allein sei nicht entscheidend: «In Basel haben wir eine Leitung aus dem 19. Jahrhundert ersetzt, doch eigentlich war das Rohr noch gut.» Als die IWB den Leitungsabschnitt am Höhenweg im Herbst 2017 überprüften, stellten sie denn auch keine Auffälligkeiten fest. Daher hätte die Sanierung am Höhenweg erst «innerhalb der nächsten Jahre» erfolgen sollen.

Sanierung wird wohl vorgezogen

Nach den beiden Wasserrohrbrüchen innert kurzer Zeit dürfte allerdings die Gemeinde an einer zeitnahen Leitungserneuerung interessiert sein, sagt Bächler. Und schliesslich sagt auch Rummer: «Wir werden nun intern, aber auch mit der Gemeinde Binningen besprechen, ob wir die Sanierung vorziehen können.»

Doch müssen jetzt die Anwohner am begehrten Hang, die am Höhenweg oder auch an der parallel verlaufenden Hasenrainstrasse wohnen, generell mit weiteren Rohrbrüchen rechnen, die die Stabilität der Strassen beeinträchtigen können? «Bei so alten Leitungen besteht immer ein Risiko und am Ende basiert unser Sanierungsplan auf Einschätzungen», sagt Rummer. Doch müsse man den Leitungsersatz wenn möglich mit sonstigen Bauarbeiten der Gemeinde koordinieren, weswegen das Zeitfenster fünf bis sieben Jahre betragen könne – ausser eben die Sanierung wird vorgezogen. «Was die Anwohner ja auch nicht wollen, ist, dass ihre Strasse ständig neu aufgerissen wird.»

Nach dem Rohrbruch ist freilich Handeln angesagt: Heute Dienstag beginnen die Tiefbauarbeiten, bei welchen das defekte Rohrstück ersetzt wird. Bereits am Freitag wollen die IWB die Notsanierung abschliessen und die Strasse am Samstag wieder freigeben. Schon am Tag des Rohrbruchs hob eine Tiefbaufirma ein Loch um das Rohr aus. Ein Saugbagger hätte den Bauschutt aus dem aufgebrochenen Loch saugen sollen. Als dieser rückwärts heranrollte, sackte jedoch die Strasse ein. Der Fahrer konnte das Gefährt aber rechtzeitig aus der misslichen Lage manövrieren.