Gymnasien
Und was machen wir jetzt? Fernunterricht? Die Schulfrage beschäftigt die ganze Nordwestschweiz

Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich unwohl – dennoch sind die Kantone uneins, was den Fernunterricht betrifft.

Eva Oberli
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Noch herrscht am Gymnasium Laufental-Thierstein Schulbetrieb vor Ort.

Noch herrscht am Gymnasium Laufental-Thierstein Schulbetrieb vor Ort.

bz-Archiv

Unzureichend umgesetzte Schutzmassnahmen, unvermeidbare Personenansammlungen und eine unbehagliche Atmosphäre im Unterricht. Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich beim Präsenzunterricht in den Mittelschulen nicht sicher genug. Anfang der Woche wurden bereits am Gymnasium Liestal Stimmen laut, der Kanton solle die Schulen schliessen. Dasselbe forderte auch eine FMS-Klasse des Gymnasiums Münchenstein in einem offenen Brief an Regierungsrätin Monica Gschwind und an den Schulrat.

Nicht nur in Liestal und Münchenstein, auch an den anderen Baselbieter Gymnasien in Muttenz, Oberwil und Laufen gebe es Lernende, die sich den Fernunterricht zurückwünschen, schreibt der Jugendrat der Bildungsdirektion Baselland auf schriftliche Anfrage. Der grösste Störfaktor im Präsenzunterricht sei der fehlende Platz. Daraus resultierten immer wieder (zu) grosse Ansammlungen, die Abstandsregeln könnten nicht vorschriftsgemäss eingehalten werden. Als Beispiel nennt der Jugendrat die Mittagspausen: «Da stehen oft 30 Personen auf engem Raum für die Nutzung der Mikrowellen an.» Weiter seien die unumgänglichen Kontakte auf dem Schulweg und in den öffentlichen Verkehrsmitteln problematisch. Sollte der Unterricht im Kanton Baselland weiterhin vor Ort stattfinden – wovon aktuell ausgegangen wird – so wäre es aus Sicht des Jugendrates zentral, die Schutzkonzepte noch einmal zu überarbeiten. «Unter anderem bei der Anzahl der Schulzimmerwechsel könnten diese noch optimiert werden.»

Es herrscht keine Einigkeit in der Region – einmal mehr

Nach Aargau hat nun auch Solothurn beschlossen, die Mittelschulen in den Fernunterricht zu schicken, wie aus einer Medienmitteilung vom 21. Januar hervorgeht. Diese Entscheide in den Nachbarkantonen zeigen besonders an den bi-kantonalen Gymnasien auf beinahe absurde Weise, wozu Kantonszugehörigkeiten und Kantönligeist im Bildungsraum Nordwestschweiz führen können. Das Gymnasium Muttenz etwa zählt laut eigenen Angaben 400 Fricktalerinnen und Fricktaler zu seiner Schülerschaft. Während die anderen Aargauer Lernenden im Fernunterricht sind, tingeln sie noch immer jeden Tag ins Baselbiet ans Gymi und die FMS.

Noch diverser sind die Herkünfte am Gymnasium Laufental-Thierstein. Dessen Schülerschaft stammt hauptsächlich aus dem Schwarzbubenland und aus dem Baselbiet, konkret besuchen gegenwärtig 107 Solothurnerinnen und Solothurner, sowie 150 Baselbieterinnen und Baselbieter das Gymnasium. Dazu kommen ausserdem rund 20 jurassische Schülerinnen und Schüler, denn das Gymnasium bietet den Bildungsgang für eine bilinguale Matura an, arbeitet mit dem Lycée cantonal de Porrentruy zusammen. Dieses interkantonale System sorgt aber für weniger Diskussionen, als man aktuell annehmen würde.

Man sei es gewohnt, mit unterschiedlichen kantonalen Regelungen umzugehen, sagt Rektor Isidor Huber. «Sie machen die Ausbildung hier, dann gilt das Regime von hier, Punkt.» Die Standorthoheit der jeweiligen Schule ist also die entscheidende Kraft, an der nicht zu rütteln ist. Auf den Entscheid des Kantons Solothurn, die Mittelschulen ab dem kommenden Montag in den Fernunterricht zu schicken, habe er bisher keine Reaktionen oder Anfragen erhalten – weder von Eltern noch von Schülerinnen oder Schülern, so Huber.

Abstand oder Abschied: So lautet das Dilemma

Die Lerneffizienz ist die grosse Leidtragende im Fernunterricht, deswegen möchten vor allem Klassen, die bald ihre Abschlussprüfungen schreiben, am Präsenzunterricht festhalten. «Zudem gilt es zu beachten, dass es Schülerinnen und Schüler gibt, bei denen Zuhause die nötige Infrastruktur fehlt, um online denselben Lerneffekt erzielen zu können.», schreibt der Jugendrat und weist auf einen bisher wenig erwähnten, sozialen Aspekt hin: «Es sind die letzten Schulwochen sowie die letzten Wochen als Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, wie sie diese seit der Primarschule kennen. Niemand möchte seine schulische Laufbahn im Fernunterricht beenden, so wie es der letzte Abschlussjahrgang musste.»