Universität Basel
Uni-Standort: Allschwil will den Campus gar nicht

Eigentlich wollten die Regierungen beider Basel am Mittwoch Ruhe in die teils hektische Debatte der letzten Wochen bringen. Sie teilten nämlich mit, in den kommenden Monaten vier mögliche Baselbieter Standorte für die Universität Basel unter die Lupe zu nehmen. Doch genau das Gegenteil trat ein: Von Kommunikationspannen, Chaos und bösem Blut ist die Rede.

Hans-Martin Jermann
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Die Regierungen prüfen vier Baselbieter Standorte für die Uni Basel.

Die Regierungen prüfen vier Baselbieter Standorte für die Uni Basel.

Was ist passiert? Für Verstimmung sorgte, dass die Regierungen die vier Standortgemeinden – Allschwil, Liestal, Münchenstein und Muttenz – nicht vorgängig über das Evaluationsverfahren informiert haben. Im Fall von Liestal und Münchenstein war das weiter kein Problem. Schliesslich haben diese Gemeinden ihre Ambitionen längst gegenüber der Regierung und dem Uni-Rat kundgetan.

Allschwil und Muttenz wussten hingegen vorgängig nichts von ihrem Glück. Laut «Tageswoche» reagierte der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt verdutzt auf eine Anfrage zur Evaluation des Muttenzer Polyfelds: «Wovon sprechen Sie?» Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, sagt auf Anfrage: Er habe im Auftrag der Regierung am Vortag der Publikation – am Dienstag – den Gemeinden die Medienmitteilung zukommen lassen. Letztere seien also vorinformiert worden, «auch wenn es sich natürlich nicht um eine offizielle Kontaktaufnahme des Kantons handelt», räumt Leutwyler ein.

Allschwil: lieber Firmen als die Uni

Die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli hat sich über dieses Vorgehen geärgert. Ein Telefonat mit dem stellvertretenden BUD-Vorsteher Isaac Reber habe dann Klarheit gebracht, sagt Nüssli. Dass auch Allschwil in die Evaluation einbezogen wird, macht Nüssli «nicht hundertprozentig glücklich», wie sie betont. «Wir wollen in diesem frühen Stadium sicher keine Türen zuschliessen, sind aber auch nicht Feuer und Flamme für einen Uni-Standort.» Grund: Allschwil möchte im Umfeld von Actelion und des Innovationsparks weitere Unternehmen aus dem Life-Sciences-Bereich ansiedeln, die Wirtschaftsleistung und langfristig auch Steuereinnahmen generieren. Ein grosser Uni-Campus steht nicht zuoberst auf der Wunschliste der Gemeinde für das boomende Bachgraben-Quartier.

Kommt hinzu: Die bisher diskutierte Variante, die Auslagerung der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ins Baselbiet, würde im Bachgraben kaum Synergien schaffen. Sinnvoller wären da schon weitere Uni-Einheiten aus dem Life-Sciences-Bereich. Nur: Eine substanzielle Ansiedlung kommt gar nicht infrage, da derzeit in Basel ein neuer Life-Sciences-Campus entsteht. Allschwil hat in der Evaluation wohl schlechte Karten.

Anders ist die Situation in Münchenstein: Wie Liestal hat sich die Gemeinde aktiv als Uni-Standort beworben und mögliche Areale auf dem Dreispitz ins Spiel gebracht. Gemeindepräsident Giorgio Lüthi rührt die Werbetrommel: «Der Dreispitz verfügt bereits über eine Hochschule, er ist mit zwei Tram- und mehreren Buslinien erschlossen. In der Umgebung ist die nötige Infrastruktur zur Versorgung von Studierenden bereits vorhanden.» Lüthi mag nicht in die Kritik am Verfahren einstimmen: «In solchen Angelegenheiten kann man es nie allen recht machen.»

Soll Liestal verhindert werden?

Der Baselbieter SP-Präsident Adil Koller ärgert sich, dass Gemeinden ins Verfahren aufgenommen werden, die gar nicht Uni-Standort werden wollen. «Für mich wirkt das Vorgehen schlecht koordiniert. Es scheint, als seien einige Standorte nur aus dem Hut gezaubert worden, um Liestal zu verhindern.» Offensichtlich seien gewisse Polit-Kreise partout gegen einen Uni-Campus im gut erschlossenen und aufstrebenden Kantonshauptort, folgert Koller. Das Verfahren sei eine Alibiübung, die schädlich sei für die Bemühungen, im Baselbiet substanzielle Uni-Bestandteile anzusiedeln.

Leutwyler verteidigt das Vorgehen: Für erste Abklärungen sei eine Vorinformation nicht zwingend gewesen. «Wir würden aber sicher nicht einen Standort gegen den Willen der betroffenen Gemeinde vorantreiben.» Es gehe nicht darum, Liestal auszubremsen. «Für eine seriöse Abklärung der Wirtschaftlichkeit ist es aber wichtig, mehrere Standorte zu untersuchen.»