Fabrikschliessung
Unia zerrupft Sozialplan der Grellinger Papieri

Die Gewerkschaft wirft der Ziegler Papier AG vor, sich zu wenig um die 100 Entlassenen zu kümmern. Der Sozialplan sieht kein Massnahmen vor, die Angestellten anderswo zu beschäftigen. Auch der eingerichtete Härtefallfonds hält Unia-Sekretär Andreas Giger für einen Witz.

Dimitri Hofer
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In der Papierfabrik Grellingen wird seit Mitte April nichts mehr produziert.

In der Papierfabrik Grellingen wird seit Mitte April nichts mehr produziert.

Roland Schmid

«Eine Katastrophe!» «Vollkommen lachhaft!» «Nur ein Tropfen auf den heissen Stein!» Die deutlichen Worte der Unia Region Nordwestschweiz lassen keinen Zweifel zu: Bei der Gewerkschaft kommt der Sozialplan der Ziegler Papier AG überhaupt nicht gut an.

Das Grellinger Traditionsunternehmen hatte im Januar bekannt gegeben, die Produktion einzustellen. Rund 100 Angestellte sind von der Schliessung der letzten von ehemals drei Papierfabriken im Laufental betroffen. Seit Mitte April stehen die Maschinen in den Räumlichkeiten an der Birs still.

«Viel warme Luft»

Für die entlassenen Arbeitskräfte erstellte die Ziegler Papier AG gemeinsam mit der Gewerkschaft der Schweizer Papierindustrie einen Sozialplan. Dieser folgt dem sogenannten Prinzip «Arbeit vor Geld» und beabsichtigt, eine rasche Wiederbeschäftigung der Mitarbeiter zu fördern. Das sei zwar löblich, urteilt Andreas Giger, Sekretär der Unia Region Nordwestschweiz und Präsident des Gewerkschaftsbundes Baselland. «Im Sozialplan ist aber nirgends festgehalten, was man unternimmt, um die Angestellten bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle zu unterstützen», kritisiert Giger, der selber in Grellingen wohnt. Das fünfseitige Dokument enthalte gemäss dem früheren SP-Landrat viel warme Luft und sei zu wenig konkret. Tatsächlich findet sich im Papier, das der bz vorliegt, keine einzige Massnahme, die dazu führen soll, die Angestellten anderswo zu beschäftigen.

In vielen Fällen sei dies ohnehin schwierig, ist Giger überzeugt. «In der Papierfabrik Grellingen waren etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während Jahrzehnten beschäftigt.» Die lange Anstellung am gleichen Ort und die spezialisierte Tätigkeit würden es erschweren, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Er gehe davon aus, dass ein Grossteil des Personals noch keine neue Stelle gefunden habe.

Dem widerspricht Beat Krügel, Präsident der Gewerkschaft der Schweizer Papierindustrie: «Gut 70 Prozent aller Angestellten haben eine neue Beschäftigung oder sind kurz davor, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben.» Die Papierfabrik habe einiges unternommen, um das Personal bei der Arbeitssuche zu unterstützen. «Es wurde ein Anschlagbrett mit Jobangeboten aufgehängt.» Auch ermöglichte man den Angestellten, während der Arbeitszeit Bewerbungen zu schreiben. Am Wichtigsten sei jedoch gewesen, dass drei Jobvermittlungsfirmen mit der Ziegler Papier AG zusammenarbeiteten.

Falls die Stellensuche nicht erfolgreich verläuft, steht für die gesamte Belegschaft ein Härtefallfonds in der Höhe von 20'000 Franken zur Verfügung. Für Andreas Giger ist dieser Betrag viel zu tief und reiche nicht einmal für einen einzigen Angestellten aus. «Bei Firmen dieser Grösse müsste der Härtefallfonds zwischen 500'000 und einer Million Franken liegen. «Die finanzielle Entschädigung ist ein Witz.»

Dasselbe gelte für die Durchhalteprämien, welche Mitarbeiter nach Beendigung der Kündigungsfrist erhalten. «Sie sind lausig, inakzeptabel und diskriminierend», ärgert er sich. Mitarbeiter, die während 30 Jahren in der Papierfabrik tätig waren, kriegen 1000 Franken, während Lernenden 150 Franken überwiesen werden. Von der Entschädigung ausgeschlossen sind Stundenlöhner, verwarnte Mitarbeiter und solche mit Unfall oder Krankheit.

Fokus auf Wiederbeschäftigung

Der Härtefallfonds der Papierfabrik sei branchenüblich, entgegnet Beat Krügel. «Ich hatte in den letzten fünf Jahren keinen derartigen Fonds, der höher war als 20'000 Franken.» Die von Giger ins Spiel gebrachten Summen seien für ein Familienunternehmen illusorisch.

Vielleicht bald Wohnungen

«Eine Industrieruine, wie das Gelände der einstigen Papierfabrik in Zwingen, wollen wir nicht haben», sagt der Grellinger Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni. Deshalb habe man der Ziegler Papier AG mitgeteilt, dass man eine Umzonung des Areals von der Industrie- in eine Wohnzone unterstütze.

«Es ist der Ziegler Papier AG nicht möglich, höhere Beträge zu zahlen.» Und schliesslich müsse sie das auch gar nicht, da es sich bei einem Sozialplan um eine «freiwillige Leistung des Arbeitgebers» handle. Nichtsdestotrotz sei ihm klar, dass der Sozialplan der Papierfabrik Grellingen «nicht grossartig» sei, aber die Finanzen würden nicht mehr erlauben.

Eigentümerin Frey Kuttler weist auf das «anspruchsvolle Umfeld» hin, das zur Schliessung führte. «Wenn noch Millionen übrig geblieben wären, hätten wir uns nicht zu diesem Schritt entschieden.» Bei der Ausarbeitung des Sozialplans habe man sich bewusst auf die Wiederbeschäftigung des Personals fokussiert. Es sei den Angestellten viel mehr geholfen, wenn man sie bei der Stellensuche unterstütze, als ihnen Geld zu geben. Nichtsdestotrotz stehe ihre Türe allfälligen Härtefällen offen.

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