Klinik Arlesheim
«Uns drohte ein Lohn-Konflikt wie bei der Swissair-Crossair»

Lang existierten die Ita-Wegman-Klinik und die Lukas-Klinik friedlich nebeneinander im Zentrum von Arlesheim. Ende 2013 kündeten die beiden Kliniken die Fusion zur Klinik Arlesheim AG an. Diese hat zum Ein-Jahr-Jubiläum gute Nachrichten.

Benjamin Wieland
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Klinik Arlesheim schreibt schwarze Zahlen: Geschäftsführer Andreas Jäschke (l.), ärztlicher Leiter Lukas Schöb.

Klinik Arlesheim schreibt schwarze Zahlen: Geschäftsführer Andreas Jäschke (l.), ärztlicher Leiter Lukas Schöb.

Juri Junkov

Herr Jäschke, Herr Schöb, die Klinik Arlesheim wurde am 1. April einjährig. Wie geht es dem Geburtstagskind?

Schöb: Es geht ihm sehr gut – vielen Dank der Nachfrage. Aber eigentlich muss ich da konkretisieren. Wir sind 94. Die Klinik wurde 1921 gegründet. Aber es stimmt, wir befinden uns im Jahr eins nach der Fusion.
Jäschke: Unser erster Rechnungsabschluss ist erst wenige Tage alt. Obwohl wir einen stark defizitären Betrieb integrieren mussten, schliessen wir das erste Jahr mit einem Gewinn ab: Er beträgt knapp eine Million.

Das erstaunt: Gerade die Lukas-Klinik galt als finanziell stark angeschlagen.

Jäschke: Das ist so. Der gute Abschluss ist aus unserer Sicht gelungen, weil wir den stationären Bereich konsequent auf ein Haus konzentriert haben, auf das Haus Wegman. Die Tagesklinik und viele ambulanten Angebote dagegen werden nach und nach im Haus Lukas zusammen gefasst. Dorthin kommt also alles, was keinen 24-Stunden-Betrieb notwendig macht. Wir können dadurch effizienter wirtschaften. Die Lukas-Klinik hätte mit ihren zuletzt 30 stationären Betten nicht überlebt.
Schöb: Wir haben nun eine gewisse Grösse. Mit 450 Mitarbeitenden und knapp 50 Ärzten sind wir ein stattliches KMU. Dadurch können wir für unsere Patientinnen und Patienten durchgängigere Angebote anbieten.

Im Vorfeld der Fusion war von 50 möglichen Entlassungen die Rede. Wie viele Stellen wurden nun abgebaut?

Jäschke: Diese Zahl entsprach dem Worst-Case-Szenario. Zum Schluss sind der Fusion 17 Stellen zum Opfer gefallen. Entlassungen gab es zum Glück fast keine.

Die Lukas-Klinik bezahlte höhere Löhne als die Ita-Wegman-Klinik. Wie gingen Sie mit diesem Umstand um?

Jäschke: Uns drohte ein Konflikt wie bei der Übernahme der Swissair durch die Crossair – mit zwei Lohn-Systemen für gleiche Positionen. Das wollten wir nicht. Seit dem 1. 1. 2015 gilt nun ein einheitliches Lohnsystem. Das war einer der grössten Brocken der Fusion. Es war anspruchsvoll, hat aber – mit wenigen Ausnahmen – gut geklappt.
Schöb: Die Löhne haben sich angeglichen. Man traf sich in der Mitte.

Die Klinik Arlesheim ist ein kleiner Fisch im Haifischbecken Gesundheitsmarkt. Wie positionieren Sie sich?

Schöb: Wir konzentrieren uns auf vier Kernangebote: Die Onkologie, die Kardiologie, die Psychosomatik/Psychiatrie sowie die Grundversorgung, zu der auch der 24-Stunden-Notfall gehört.
Jäschke: Bei der Grundversorgung streben wir lokales, bei den anderen drei Schwerpunkten überregionales Wachstum an. Schon seit je haben wir Patienten aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Insgesamt stammen rund zwei Drittel der Patienten aus der Nordwestschweiz - ein drittel ist überregional. Bei der Komplementärmedizin sind wir der grösste und älteste Anbieter der Schweiz.

Welche Rolle spielt die Anthroposophie?

Schöb: Das sind unsere Wurzeln; das ist unsere Grundlage. Alle Ärzte sind streng schulmedizinisch und zusätzlich in Anthroposophischer Medizin ausgebildet.
Jäschke: Wir sind auf der einen Seite eine ganz normale Klinik, die kostendeckend arbeiten muss. Unser Ansatz liegt in der Verbindung von Schulmedizin und ganzheitlichem Verständnis. Das Integrative ist unser Markenzeichen – und das soll so bleiben.