Buslinienabbau
Unterbaselbieter sind enttäuscht über den drohenden öV-Abbau

In den Gemeinden des unteren Baselbiets macht sich Unmut über die geplanten öV-Einsparungen breit.

Philipp Felber
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Auf der Buslinie 60 (Biel-Benken – Schweizerhalle) sollen bis zu fünf Kurspaare pro Tag eingespart werden.

Auf der Buslinie 60 (Biel-Benken – Schweizerhalle) sollen bis zu fünf Kurspaare pro Tag eingespart werden.

Kenneth Nars

In einem «Akt der innerkantonalen Solidarität» plant die Bau- und Planungskommission (BPK) des Landrats Einsparungen auf insgesamt sieben Buslinien. Das kommt im betroffenen Unterbaselbiet gar nicht gut an. Vor allem die Begründung als Solidaritätsakt stösst bei den Gemeinden auf klare Ablehnung.

Das Läufelfingerli aufgeben und durch ein Busangebot ersetzen: Dies war im Voraus der Beratungen der landrätlichen Bau- und Planungskommission zu erwarten. Doch, dass nun auch das untere Baselbiet auf gut ausgelasteten Buslinien betroffen sein soll, ist der eigentliche Coup der BPK-Vorschläge, welche am Mittwoch veröffentlicht wurden.

«Die Argumentation ist nicht nachvollziehbar. Es kommt doch auf die Auslastung der Buslinien an und nicht darauf, ob wir solidarisch sind», sagt Urs Hintermann (SP), Gemeindepräsident von Reinach. Entsprechend verwundert ist er auch über den Entscheid. «Wir werden dies unter den Gemeindepräsidenten diskutieren müssen, und uns entsprechend zur Wehr setzen.»

Bezüglich der angesprochenen und von der BPK verlangten Solidarität bezieht sich Hintermann auf die Zahlungen in den Finanzausgleich. In Reinach sei die zweitgrösste Ausgabe der Gemeinde genau dieser interkantonale Ausgleich, erklärt Hintermann.

«Falsch verstandene Solidarität»

Der VCS beider Basel äussert sich in einer Pressemitteilung dezidiert gegen die Vorschläge der landrätlichen Bau- und Planungskommission. Es widerspreche jeder Logik, die erfolgreichen Buslinien im Unterbaselbiet ausdünnen zu wollen, schreibt der VCS. Es sei eine falsch verstandene Solidarität, wenn nicht nur im Oberbaselbiet, sondern auch im Unterbaselbiet der öffentliche Verkehr verschlechtert werde. «Hier ging vor lauter Zahlenjonglage ganz offensichtlich der Blick fürs Wesentliche verloren», ist der VCS überzeugt. Er sei konsterniert über «so wenig Weitblick». Nur gerade die Forderung nach einem ausgebauten Wochenendangebot auf den 90er-Linien im Oberbaselbiet sei positiv zu werten. Doch auch dort stellt der VCS infrage, ob ein Angebotsausbau mit drei bis sechs Buspaaren genügend sei. (phf)

Ansatz wird kritisiert

Nicole Nüssli, FDP-Gemeindepräsidentin von Allschwil, ist ebenso wenig begeistert vom Vorschlag der BPK: «Wenn es das Ziel des Kantons ist, die Bevölkerung und auch die Firmen im unteren Baselbiet anzusiedeln, dann macht eine solche öV-Strategie keinen Sinn.» Hier müsse die Solidarität ein wenig hintenanstehen. Weil dies der falsche Ansatz sei, so Nüssli weiter.

Betroffen von den Ideen der BPK ist auch Dornach. Die Linien 62, 63, 64 und 65 auf welchen die Bau- und Planungskommission gerne bis zu maximal fünf Kurspaare einsparen möchte, tangieren die Gemeinde im Schwarzbubenland. Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler Dornach) ist denn auch wenig begeistert: «Gerade die 64er-Linie ist für uns sehr wichtig. Deshalb ist der Vorschlag schlicht unsinnig.» Die direkte Verbindung ins Leimental werde dadurch geschwächt. Dies ist insofern von Bedeutung, weil Dornach Verwaltungsstandort für das Schwarzbubenland ist.

Klar seien nicht alle Buslinien für Dornach gleich wichtig, ergänzt Schlatter. So etwa die Linie 65 von Pfeffingen. Diese sei vor allem für Pendler wichtig, welche Dornach auf dem Weg nach Basel passieren. Dornacher selber seien zumindest davon weniger betroffen.

Schlatter sieht zwar ein, dass alle Buslinien angeschaut werden müssen, wenn gespart werden soll. Doch er sehe keinen Sinn darin, an einer wichtigen öV-Drehscheibe der BLT herumzuschrauben. «Dadurch wird die öV-Drehscheibe als Ganzes geschwächt», so Schlatter.

Vorlage mit Sprengstoff

Als Gegenfinanzierung für die Angebotserweiterung im Oberbaselbiet sei die Sache angedacht, erklärt Hannes Schweizer (SP), Präsident der landrätlichen Bau- und Planungskommission. Er selbst versteht die Verärgerung im unteren Baselbiet. Es sei auch jedoch das Verhältnis im Auge zu behalten. So verkehren etwa auf der Linie 47 zwischen Bottmingen und Muttenz von Montag bis Freitag 76 Kurspaare.

Beim Wegfall von maximal fünf Kurspaaren wie es die BPK vorsieht, bleiben daher von Montag bis Freitag jeweils 71 Verbindungen. Am Wochenende sind es jeweils zwei weniger. Die BLT könne, falls der Landrat dem Vorschlag der BPK folgt, selber entscheiden, welche Kurse sie wegsparen will. «Am besten natürlich nicht in den Hauptpendlerzeiten», sagt Hannes Schweizer.

Die berechneten Einsparungen von 860 000 Franken werden sich vor allem im Personalbereich niederschlagen, erwähnt Schweizer. Dass der Vorschlag der Bau- und Planungskommission so mir nichts, dir nichts durch den Landrat kommen wird, davon geht Schweizer nicht aus: «In 15 Minuten ist dies im Landrat nicht durchdiskutiert. Durch diesen Entscheid ist der Vorlage sicher Sprengstoff angehängt worden.»