Bottmingen
Ur-Bottminger Felix Wiesner: «Alte Häuser abreissen und neu bauen»

Der Ur-Bottminger Felix Wiesner erklärt, was Bottmingen ausmacht und was man verändern könnte. Um das Dorfbild zu erhalten, müsste man die alten Gebäude abreissen, und sie so, dass sie auch für die heutige Zeit nutzbar sind, wieder aufbauen.

Jeremias Schulthess
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Für Felix Wiesner ist Bottmingen ein «Durchgangsdorf».

Für Felix Wiesner ist Bottmingen ein «Durchgangsdorf».

Kenneth Nars

Herr Wiesner, Sie sind in Bottmingen aufgewachsen, man könnte sagen: Sie sind ein «Ur-Bottminger». Was ist Ihr Lieblingsort in Bottmingen?

Felix Wiesner: Am liebsten bin ich beim «Räbhüsli» im Rebberg. Reben pflegen ist neben der Musik ein Hobby von mir. Allgemein gibt es sehr vielfältige Freizeitangebote in Bottmingen. Das sind auch Orte, die für mich sehr wichtig sind. Wenn ich nicht Ruhe und Erholung suche, dann bin immer gerne dort, wo Leute sind – also im Dorfzentrum.

Dorfzentrum? Ist Bottmingen nicht vielmehr ein grosses Verkehrskreuz?

Gewissermassen gebe ich Ihnen recht. Im Prinzip haben wir heute kein richtiges Zentrum mehr. Bottmingen ist ein Durchgangsdorf. Das sieht man vor allem morgens, wenn alle Richtung Basel fahren und am Abend wieder zurück. Das Zentrum ist dort, wo der Verkehrsknotenpunkt liegt, beim Bahnhöfli, wo sämtliche Tram- und Buslinien zusammentreffen. Wir haben enorm viele Busse, die alle durch unser Dorfzentrum fahren. Ein eigentliches Zentrum für die Leute haben wir hingegen nicht und kriegen es auch nicht hin wegen des Verkehrs, der heute durch Bottmingen geht.

Sollte man ein neues Dorfzentrum schaffen?

Es gibt Ideen, die Therwilerstrasse zu einer Fussgängerzone umzufunktionieren. Aber das kann man im Moment einfach nicht tun. Ich weiss nicht, wie man das machen will, wenn der Verkehr nicht unter dem Boden durchgeht.

Wie ist es denn zu der heutigen Situation gekommen? Oder war es schon immer so, dass es kein Dorfzentrum gab?

Nein, früher war das noch anders. Da gab es noch einen wirklichen Dorfkern. Diese heutige Situation ist vor allem auf die Verkehrsplanung zurückzuführen. Wissen Sie, ich bin nicht gegen den Fortschritt. Aber man hätte etwas früher merken müssen, dass die Entwicklung, die man plante, nicht gut funktioniert. Zum Beispiel dachte man in den 1960er-Jahren, Bottmingen werde Anfang der 2000er-Jahre ungefähr 20 000 Einwohner haben. Das gesamte Gemeindebann wurde damals zur Bauzone erklärt – ein Unikum in der Schweiz. Man baute damals Hochhäuser und riss die alten Häuser ab. Irgendwie stimmte da etwas nicht. Erst viel später erkannte man, dass diese Planung nicht aufging. 1996 nahm man dann das Bruderholz-Plateau wieder aus der Bauzone raus. Man wollte das Bruderholz als Naherholungsgebiet, wo man abseits des Verkehrs spazieren, joggen oder Velo fahren kann, erhalten. Diese grossflächige Rückzonung war wieder einzigartig in der Schweiz. Es hat lange gedauert, bis man zu dieser Einsicht kam.

Wie haben Sie Bottmingen noch als Kind erlebt?

Wenn ich mir vorstelle, wie ich damals in den 1950er-Jahren zur Schule ging... Wir haben damals noch auf der Strasse gespielt. Das ist heute nicht mehr möglich. Höchstens auf Quartierstrassen in Tempo-30-Zonen. Aber wir haben auf der Hauptstrasse gespielt. Da kam ab und zu ein Auto, aber das war nicht gefährlich.

Und wie stellen Sie sich Bottmingen in 20 bis 30 Jahren vor?

Eine Vision habe ich nicht. Aber ich denke, es ist wichtig, dass man einen guten Mix findet zwischen Erhalten und neu Bauen. Die Leute finden die alten Gebäude in der Regel schön. Aber sie sind in der heutigen Zeit nur schlecht nutzbar. Wenn das Dorfbild so erhalten bleiben soll, wie es derzeit ist, müsste man sagen: Ja, wir wollen es, aber wir reissen es ab und bauen es neu auf, damit es so aussieht wie jetzt.

Das ist etwas radikal. Warum soll man die alten Häuser abreissen?

Ich sage nicht: man muss. Aber man sollte es dürfen. Die alten Baumaterialien sind einfach nicht effizient – ich meine jetzt in Hinsicht auf Energie. In den alten Häusern kann man zum Beispiel keine Erdsondenheizung betreiben. Das geht nicht, weil man dazu eine Bodenheizung braucht. Das heisst, man muss die alten Häuser mit einer Pellet- oder Erdölheizung ausstatten. Das finde ich nicht sinnvoll. Deswegen sollte man diese alte Bausubstanz abreissen dürfen und nach neuen Richtlinien gleich wieder aufbauen.