Landratpräsident
Urs Hess: «Ich habe keine politischen Ambitionen»

Der SVP-Mann Urs Hess wird heute zum höchsten Baselbieter gekürt. Deswegen hebt der Volksvertreter aber nicht ab. Urs Hess geht es in erster Linie um die Sache. Von Parteigeplänkel und Machtkämpfen hält der zweifache Vater nicht viel.

Alessandra Paone
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Landratspräsident Urs Hess

Landratspräsident Urs Hess

bz Basellandschaftliche Zeitung

Auch wenn er sonst nie eine Krawatte trägt, im Landrat schmückt immer eine sein frisch gebügeltes Hemd. Urs Hess befolgt strengstens die Regeln eines gewählten Volksvertreters im Parlament: angemessene Bekleidung, Anstand und gute Umgangsformen. «Aber Hochdeutsch kommt nicht infrage», winkt der SVP-Parlamentarier ab und lacht herzhaft. Damit spielt der 56-Jährige auf ein Verfahrenspostulat von Christa Oestreicher an. Die ehemalige FDP-Landrätin hatte um Prüfung gebeten, ob gewisse Verhaltensregeln nicht in der Geschäftsordnung des Landrats verewigt und eben Standarddeutsch als Umgangssprache im Parlament etabliert werden könnten.

Auf gute Manieren will der Prattler Politiker, der sich selbst als hilfsbereit und gesellig bezeichnet, auch in seiner neuen Funktion achten. Denn ab heute wird Urs Hess als höchster Baselbieter ein Jahr lang das Kantonsparlament leiten. Er tritt die Nachfolge seiner SP-Kollegin Beatrice Fuchs an. Von ihr hat der bisherige Vizepräsident gelernt, wie man den Rat effizient, bestimmt und mit einem Fünkchen Humor führt. «Das ist auch mein Weg», betont Hess, der sich trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit «bestens» mit Fuchs verstanden hat. Er will offen und zielgerichtet reden. «Ich bin nicht ein Mann von langen Voten. Mein Motto lautet: parlare und nicht palavern.»

Leidet nicht unter Profilneurose

Urs Hess geht es in erster Linie um die Sache. Von Parteigeplänkel und Machtkämpfen hält der zweifache Vater nicht viel. «Ich leide nicht unter Profilneurose», betont der SVP-Mann, der seit seiner Wahl ins Kantonsparlament im Jahr 2003 gerade einmal sieben Vorstösse eingereicht hat. Er ist überzeugt: «Die Arbeit in den Kommissionen zählt – alles andere ist nur Show.»

Hess sitzt seit Beginn seiner Landratszeit in der Bau- und Planungskommission (BPK). Die spannendsten Geschäfte, an denen er mitarbeiten durfte, waren der kantonale Richtplan und speziell für ihn als Prattler die Planung Salina Raurica. Ab heute ist Hess in der BPK aber nur noch Ersatzmitglied. Aus zeitlichen Gründen liege neben dem Landratspräsidium das Engagement in einer Kommission nicht mehr drin, meint er. Ausserdem tritt der Bauingenieur am 1. Oktober seine neue Stelle als Strasseninspektor bei der Bau- und Umweltschutzdirektion an (die bz berichtete). «Ich will mögliche Interessenkonflikte vermeiden», sagt er.

Dass die Einführung in seinen neuen Job beim Kanton unter seiner anspruchsvollen neuen Rolle im Landrat leiden könnte, glaubt Hess aber nicht. Denn als Bereichsleiter Strassenbau bei der Baufirma Marti in Lausen habe er oft mit dem kantonalen Tiefbauamt zu tun gehabt. Die Abläufe sowie ein grosser Teil der Mitarbeiter seien ihm daher vertraut.

Hat keine Berührungsängste

Den Parteihut hat der Prattler Bürger bereits während seiner Zeit als Vizepräsident abgelegt. Überhaupt definiert er sich nicht über sein Parteibüchlein. Zwar verkörpert Hess die Werte der SVP, gehört aber eher zum gemässigten Kreis der Partei. «Ein Landrat muss sich in erster Linie fürs Baselbiet einsetzen – und erst dann für die Partei.» Deshalb ist es für ihn wichtig, dass man bei Geschäften Mehrheiten findet. Berührungsängste seien da völlig fehl dem Platz. Solange es der Sache diene, spiele es keine Rolle, mit welcher Partei man zusammenspanne. «Es ist sogar schon vorgekommen, dass die SVP mit der SP zusammengearbeitet hatte», bemerkt er schmunzelnd.

Im Vordergrund steht für Hess nun aber erst einmal die heutige Landratspräsidentenwahl. Und auf diese freut sich der Politiker sehr. «Man darf dieses Amt nicht überbewerten», sagt er zwar bescheiden. Doch das Funkeln in seinen Augen zeigt, dass ihn die Wahl ehrt. Das Präsidialjahr will der Landrat nicht dazu nutzen, um in der Politik Karriere zu machen. «Ich habe keine politischen Ambitionen. Politik ist mein Hobby.» Vielmehr sieht er sich als Mittel zum Zweck, als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Politik. «Jeder muss ein Stück von sich abgeben, um es in die Gemeinschaft einbringen zu können.»

Durch sein Amt hofft Hess zudem, seiner Bürgergemeinde Pratteln etwas zurückgeben zu können. Er ist in Pratteln aufgewachsen und hat nie an einem anderen Ort gewohnt. «Mich kennt in Pratteln praktisch jeder.» Deshalb möchte der angehende Präsident, dass möglichst viele Prattler Einwohner an seiner Feier teilnehmen. Bei schönem Wetter wird auf dem Schmittiplatz gefeiert. Sollte es regnen, wird die Feier ins Kuspo verlegt. «Das wäre schade», findet Hess. Denn in einem geschlossenen Raum sei die Hemmschwelle für die Leute grösser, an der Feier teilzunehmen. Mit ihm anstossen werden neben seinen Kollegen aus dem Landrat und dem Prattler Einwohnerrat und seinen Freunden natürlich auch seine Frau und die beiden erwachsenen Kinder.

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