Waldenburgerbahn
Urs Steiner: «Die Erneuerung ist auch für die BLT eine grosse Kiste»

Die Waldenburgerbahn (WB) kann in die Baselland Transport AG (BLT) integriert werden. Die WB-Aktionäre haben an der Generalversammlung am Dienstag dem Fusionsvertrag zugestimmt. Dabei fielen teils emotionale Voten.

Simon Tschopp
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Verwaltungsratspräsident Urs Steiner: «Ein bisschen Wehmut ist schon da.»zvg

Verwaltungsratspräsident Urs Steiner: «Ein bisschen Wehmut ist schon da.»zvg

Die Aktionäre der Waldenburgerbahn (WB) haben dem Fusionsvertrag klar zugestimmt. Bereits Ende Mai hatten die Eigentümer der Baselland Transport AG (BLT) den Kontrakt einstimmig abgesegnet. Die 135. Generalversammlung (GV) der WB im Bad Bubendorf gestern Abend war die letzte. Bei vielen der 126 Aktionärinnen und Aktionären kam Wehmut auf.

Auch bei Verwaltungsratspräsident Urs Steiner. «Ein bisschen Wehmut ist schon da. Es war auch für mich eine emotionale Angelegenheit», sagte er nach der GV. Schliesslich habe er als Verwaltungsrat und seit 2004 als Verwaltungsratspräsident für diese Bahn gekämpft. «Aber ich fühle mich gut. Ich weiss, dass die WB in beste Hände gekommen ist», meinte Steiner weiter. Damit werde ihre Existenz langfristig gesichert mit topmoderner Infrastruktur und topmodernem Rollmaterial.

«Lachendes und weinendes Auge»

«Ein lachendes und ein weinendes Auge» hatte Waldenburgs Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann. Die FDP-Landrätin ist jedoch froh, dass die Zukunft der WB mit dieser Fusion gesichert ist. BLT-Direktor Andreas Büttiker hat «Verständnis, wenn bei den Leuten ein wenig Wehmut und Trauer dabei ist». Für ihn bedeute es aber einen Aufbruch in die Zukunft. Denn auch die BLT sei ein Fusionsprodukt von vier Vorortsbahnen.

Ein paar Aktionäre ergriffen das Wort. Sie schwelgten in alter Zeit. Doch bei allen war aus den Voten Erleichterung herauszuhören, dass die WB weiter existieren kann und bis ins Jahr 2022 rund 250 Millionen Franken in Infrastruktur und Rollmaterial investiert wird. Dafür werden Bund, Kanton und Unternehmen aufkommen. Ein Mann kritisierte, dass WB-Einzelaktionäre nicht von einem Tauschangebot mit BLT-Aktien profitieren können und sich bloss mit einer bescheidenen Abfindung zufriedengeben müssen. «Das ist beschämend», betonte er und stellte den Antrag, dass für diese Personen ein Tauschangebot im Fusionsvertrag festgeschrieben werden soll. Der Antrag wurde deutlich abgelehnt.

Anfang dieses Jahres hat die BLT die operative Betriebsführung der WB übernommen. Gleichzeitig trat das WB-Personal in die BLT ein. Diese besitzt künftig 98 Prozent des WB-Aktienkapitals.

André Dosé, der Verwaltungsratspräsident der Baselland Transport, erklärte: «Die Erneuerung der WB ist auch für die BLT eine grosse Kiste. Wir werden uns mit Freude, aber auch Respekt an die Arbeit machen.» Er versprach, die Sorgen der bisherigen WB-Aktionäre ernst zu nehmen. Mit der Wahl der früheren Hölsteiner Gemeindepräsidentin Anita Schweizer in den BLT-Verwaltungsrat habe man ein Zeichen gesetzt, sagte Dosé.

BLT vor Herkulesaufgabe

Dieser erhielt von Urs Steiner als Übergabegeschenk eine Stationskelle für die freie Fahrt der WB. Andreas Büttiker bekam den Schlüssel für den Bahnhof in Waldenburg. Steiner ist überzeugt, dass der WB eine «glorreiche Zukunft» bevorsteht. Die BLT stehe jedoch vor einer Herkulesaufgabe.

Die Dampfbahn, die nie mehr auf den WB-Gleisen wird fahren können, soll laut Kurt Grieder, dem Präsidenten des Vereins Dampfzug Waldenburgerbahn, zu einer «Museumsbahn» werden.

Hoher Verlust prägte das letzte Geschäftsjahr

Die Nachfrage im Personenverkehr hat sich bei der Waldenburgerbahn (WB) das zweite Jahr in Folge positiv entwickelt. 2015 beförderte die WB 1,94 Millionen Fahrgäste, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 4 Prozent entsprach. Die Anzahl zurückgelegter Personenkilometer betrug letztes Jahr knapp 14 Millionen; das sind 4,3 Prozent mehr als 2014.

Die WB schloss ihr letztes Geschäftsjahr 2015 mit einem Defizit. Bei einem Betriebsertrag von 9,94 Millionen Franken resultierte ein Verlust von 2,12 Millionen. Die Bilanzsumme beträgt 48,18 Millionen. Die Rechnung 2014 wies noch einen Gewinn von 363 000 Franken aus.

Defizit wegen Sonderfaktoren

Sonderfaktoren von über 2,015 Millionen Franken hätten das Jahresergebnis 2015 belastet wegen des Entscheids der Baselbieter Regierung, die WB in die BLT zu integrieren, und des Landrats, das Lichtraumprofil für neues Rollmaterial auf 2,65 Meter auszulegen, ist im Geschäftsbericht zu lesen. Der Überschuss des Dampfbetriebs beträgt 2600 Franken nach der vollständigen Auflösung der Rückstellungen.

Die Einnahmen innerhalb des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) wuchsen wegen gestiegener Nachfrage und Tarifmassnahmen. Von diesen Entwicklungen profitierte die WB mit einem gesteigerten Verkehrsertrag um 3,2 Prozent auf 2,87 Millionen Franken. Die Abgeltungen der öffentlichen Hand decken diejenigen Leistungen, die von ihr bestellt, aber von den Fahrgästen nicht abgegolten worden sind. Sie betragen im Regionalverkehr 3,62 Millionen und für den Betrieb und Substanzerhalt der Bahninfrastruktur 3,04 Millionen Franken.

Die getätigten Neuinvestitionen der WB betrugen im vergangenen Jahr 5,93 Millionen. Sie betreffen im Wesentlichen Planungsaufwendungen im Hinblick auf das Streckenneubauprojekt Waldenburg – Liestal. Die Finanzierung erfolgte aus zweckgebundenen Mitteln.(stz)