Van Baerle
Wegen zehn Stimmen: Münchenstein erhält kein neues Quartier

An zentralster Lage in Münchenstein gibt es eine riesige Industriebrache. Das wird für einige Jahre so bleiben, denn am Sonntag sagte das Stimmvolk Nein zur Überbauung Van Baerle – wenn auch äusserst knapp.

Michel Ecklin 4 Kommentare
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Kommt nicht zu Stande: das neue Stadtquartier Van Baerle beim Bahnhof Münchenstein.

Kommt nicht zu Stande: das neue Stadtquartier Van Baerle beim Bahnhof Münchenstein.

Visualisierung: Zvg

Münchenstein hat Erfahrung mit knappen Urnengängen. Im vergangenen Jahr verpasste der Grüne Sergio Viva wegen drei Stimmen den Einzug in den Gemeinderat. 2012 war es der Grünliberale Daniel Altermatt, der wegen sieben Stimmen nicht Gemeinderat wurde. Inzwischen ist Altermatt doch Gemeinderat geworden, und gestern erlebte er wegen zehn Stimmen eine Abstimmungsniederlage: 1898 Münchensteiner waren für den Quartierplan Van Baerle, 1908 dagegen.

Es gab schon bei weniger engen Resultaten in Baselbieter Gemeinden Nachzählungen. Jeder Münchensteiner Stimmberechtigte hat jetzt einige Tage Zeit, um eine entsprechende Beschwerde einzureichen. Doch dass das passiert, ist unwahrscheinlich. Das Wahlbüro zählte dreimal nach, dreimal gab es das gleiche Resultat. Der ehemalige Gemeindepräsident Giorgio Lüthi, der das Ja-Komitee mitleitete, akzeptiert das knappe Ergebnis: «So, wie ich das Wahlbüro aus eigener Erfahrung als Gemeindepräsident kenne, hat es sauber gearbeitet und gut nachgezählt.» Und auch Altermatt sagt: «Der Gemeinderat hat keinen Anlass, das Resultat anzuzweifeln.»

Ganz oder gar nicht

Der Quartierplan sah auf den 22'197 Quadratmetern der ehemaligen Fabrik Van Baerle unmittelbar beim Bahnhof ein neues Stadtquartier mit insgesamt 415 Wohnungen vor. Der private Landeigentümer und der Gemeinderat hatten klargemacht, dass das Projekt entweder ganz oder gar nicht umgesetzt werde. Denn nur ab einer bestimmten Grösse und Dichte funktioniere das neue Quartier finanziell und städtebaulich.

An der Gemeindeversammlung hatten die Grünen vergeblich versucht, weniger Dichte und Änderungen im ökologischen Bereich zu erreichen. Doch das gelang nicht.

«Wenn die Planer uns entgegengekommen wären, hätten wir jetzt einen gültigen Quartierplan»,

sagte gestern Isabelle Viva, die Präsidentin des Referendumskomitees. Sie gibt dem Gemeinderat die Schuld, dass das jetzt nicht der Fall ist: «Er hätte besser hören sollen, was das Volk will, nämlich weniger Dichte und mehr Nachhaltigkeit.» Sie sieht jetzt den Gemeinderat in der Pflicht, auf die Landeigentümer zuzugehen.

Gemeinderat ist pessimistisch

Das sieht Gemeinderat Daniel Altermatt anders. Für ihn liegt der Ball jetzt bei den Landeigentümern:

«Es ist nicht unsere Aufgabe als Gemeinderat, ihnen zu sagen, was sie mit ihrem Land zu tun haben. Ich wüsste auch gar nicht, was ich ihnen vorschlagen sollte.»

Viva ihrerseits ist überzeugt, dass die Landeigentümer ein neues Projekt präsentieren werden. «Um es länger brach liegen zu lassen, haben sie für das Land zu viel bezahlt.» Altermatt seinerseits bremst die Hoffnungen: «Bis allenfalls ein neuer Quartierplan bereitsteht, werde mindestens acht Jahre verstreichen. Als Gemeinderat werde ich das jedenfalls nicht mehr erleben.»

4 Kommentare
Elisabeth Beck

Ehrlich gesagt, freut mich das Resultat. Diese unsinnige verdichtete Bauweise, wo sich niemand richtig wohlfühlen kann und keiner dieser Architekten selbst dort wohnen möchte, da man dem Nachbar fast in die Suppe sieht (s. Pratteln) oder sich von Balkon zu Balkon bis auf 1.5m fast die Hand reichen kann, ist zu verurteilen. Sind viele Menschen so nahe aufeinander, bekommt jeder alles des Nachbarn mit, muss dessen Musikstil, Eheprobleme, TV-Sendungen usw. mitanhören, wird es auch zu viel mehr Streitereien in solchen Quartieren kommen. Etwas Privatsphäre muss schon noch möglich sein. Wer will schon, dass die Schweiz schlussendlich wegen der Geldgier und extremen Zuwanderung so zugebaut wird? Unser Nachkommen sind überhaupt nicht mehr zu beneiden, in keiner Weise.  

Viva Dario

Wahnsinnig, diese Isabelle Viva gewinnt einfach jedes Referendum (sogar der Sohnemann ist krass beeindruckt) Jetzt können wir nur hoffen, dass sich die Planer bei Halter nochmal zusammenreissen und etwas planen, was mehrheitsfähig ist: Ein schönes Quartier, in dem die Leute leben wollen und durch das die Münchensteiner auch gerne spazieren werden.

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