Liestal
Velos für Afrika: Ein zweites Leben für das alte Stahlross

Liegt bei Ihnen zu Hause ein verstaubtes, altes Fahrrad herum, das Sie nicht mehr brauchen? Am kommenden Samstag können Sie es am Stand der Velostation in Liestal abgeben.

Milena Steiger
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Dank eines Fahrrads kann viel mehr transportiert werden als zu Fuss.

Dank eines Fahrrads kann viel mehr transportiert werden als zu Fuss.

Zur Verfügung gestellt

Dort wird jedes Fahrrad – egal in welchem Zustand – von der Organisation «Velos für Afrika» entgegengenommen. Erst werden die alten Drahtesel kontrolliert und repariert, dann werden sie nach Afrika verschifft.

Schweizer Velos sind beliebt

Der Velo-Sammelanlass im Rahmen des Putz- und Flicktags findet in Liestal bereits zum zweiten Mal statt. Vor dem Transport nach Afrika werden die Fahrräder von der Velostation Liestal, einem Integrationsprogramm für Erwerbslose, wieder in Schuss gebracht. Dadurch erhalten erwerbslose Menschen einen befristeten Arbeitsplatz. In der Schweiz gibt es 20 solcher Integrationswerkstätten, die sich um die gesammelten Fahrräder kümmern. Letztes Jahr erreichte die Organisation «Velos für Afrika» einen Rekord an Spenden: 22 000 Velos wurden aus der ganzen Schweiz zu den Stationen gebracht, 15 000 konnten nach Afrika exportiert werden. Der Teil, der nicht in den Export ging, diente grösstenteils als Ersatzteillager.

Doch damit nicht genug: Auch dieses Jahr erhofft sich die Organisation Spenden auf ähnlich hohem Niveau. «In Afrika ist die Nachfrage nach Fahrrädern viel höher als gespendet werden. Wir sind deshalb um jedes Fahrrad froh», sagt Claudia Meyr von der Organisation «Velos für Afrika». «Die Schweizer Velos haben eine gute Qualität und sind deshalb bei der afrikanischen Bevölkerung sehr beliebt», so Meyr weiter.

Ein Fahrrad hat in weiten Teilen Afrikas eine ganz andere Bedeutung als in der Schweiz: Der Alltag dieser Menschen wird durch dieses Fortbewegungsmittel enorm erleichtert. Denn oft müssen gerade Frauen lange Strecken zurücklegen, um Wasser zu holen oder Holz zu sammeln. Ein Fahrrad spart Zeit. Und es ermöglicht es, mehr Lasten zu transportieren als zu Fuss. «Es ist wunderbar, wie sich die Menschen in Afrika auf ein Fahrrad freuen. Ich habe miterlebt, wie ihre Augen bei dem Gedanken, dass sie sich bald ein Fahrrad kaufen können, aufleuchten», schwärmt Meyr.

Gratis sind die Fahrräder für die Menschen in Afrika nämlich nicht. Wenn die Fahrräder ankommen, werden diese an zwölf lokale Partner weitergegeben und schliesslich an die Bevölkerung verkauft. Die Organisation möchte somit eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln. Sie will nicht, dass die Entwicklungsländer abhängig nach geschenkten Gütern werden. Somit sichern die Fahrräder nicht nur eine CO2-freie Mobilität, sondern auch Einkommen. Verkauft werden die Fahrräder zu einem Preis, für den die Bevölkerung erst Geld auf die Seite legen muss: «Die Menschen müssen bis zu drei Monate sparen, bis sie sich ein Velo leisten können,» sagt Meyr.

Seit 1993 sammelt, repariert und exportiert «Velos für Afrika» ausgediente Drahtesel. Pro Jahr führt die Organisation etwa 50 Sammelanlässe in der Schweiz durch. Zusätzlich gibt es 450 Sammelstellen, an denen Fahrräder jederzeit abgegeben werden können. Die Empfängerländer sind Burkina Faso, Tansania, Eritrea, Gambia, Ghana, Madagaskar und die Elfenbeinküste. Mittlerweile profitieren eine halbe Million Afrikaner von den Schweizer Fahrrädern – wenn man davon ausgeht, dass sich vier Personen ein Fahrrad teilen.

Der Sammelanlass «Velos für Afrika» findet diesen Samstag, 10. Mai, von 10 bis 16 Uhr am Stand der Velostation Liestal in der Rathausstrasse statt.

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