Verkehrsregeln
Veloweg-Pflicht in den Kies gesetzt

Ein Unfall auf dem neuen Veloweg zwischen Bubendorf und Ziefen rückt eine wenig geläufige, aber gültige Verkehrsregel ins Licht.

Yannette Meshesha
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Auf dem Veloweg in Fahrtrichtung Ziefen (blau) wollte der Velofahrer links auf die Hauptstrasse wechseln (grün), anstatt der Biegung des Velowegs (rot) zu folgen. zvg

Auf dem Veloweg in Fahrtrichtung Ziefen (blau) wollte der Velofahrer links auf die Hauptstrasse wechseln (grün), anstatt der Biegung des Velowegs (rot) zu folgen. zvg

Daniel Bühler

Wenn ein Veloweg mit einem blauen, runden Schild signalisiert ist, sind Radfahrer obligatorisch dazu verpflichtet, ihn zu benutzen. Diese Verkehrsregel musste Hobbyrennvelofahrer Michael Bielser (Name von der Redaktion geändert) auf schmerzhafte Weise erlernen. Als er am Sonntagmorgen vor einer Woche zum ersten Mal auf dem erst rund einen Monat alten Veloweg zwischen Bubendorf und Ziefen radelte, wollte er wie üblich vom Veloweg auf die Hauptstrasse wechseln, um sich den Umweg durch das Quartier zu sparen. Doch plötzlich versank sein Vorderrad 30 Zentimeter tief in dem neuen Kiesstreifen, der die Velospur von der Autostrasse trennt und den er für ebenerdig gehalten hatte. Ein Krankenwagen musste den mit Rippenquetschung, Schulterprellung und Wunde über dem Auge Verletzten ins Spital bringen. Die Verkehrsregeln sehen dort keinen Spurwechsel auf die Hauptstrasse vor, also wird vor der mit Kies gefüllten Rinne auch nicht speziell gewarnt.

Veloweg obligatorisch

«Es gibt kein Fahrverbot auf der Hauptstrasse. Es gibt keine Warnschilder, dass man das Kiesbett nicht befahren kann», reklamiert Bielser nach seinem Unfall bei der Bau- und Umweltschutzdirektion Baselland (BUD). «Als die Sanität ankam, versank sogar das Vorderrad des Krankenwagens bis mindestens zur Hälfte im Kiesbett», fügt er an. Doch seine Beschwerde bleibt erfolglos. «Man sagte mir, ich könne von Glück reden, dass ich ohne Busse davongekommen bin», sagt Bielser.

Dieter Leutwyler, Mediensprecher der BUD, erklärt: «Die Benutzung des Velowegs ist an dieser Stelle obligatorisch. Die Vorschriften sind klar, und der Unfall daher selbst verschuldet.» Im Gegensatz zu den roten, eckigen Hinweisschildern, welche eine Empfehlung für Velofahrer darstellen, schreiben die blauen, runden Schilder den Veloweg deutlich vor.

Kiesstreifen noch nicht fertig

Aus diesem Grund ist aus Sicht der BUD keine weitere Signalisation des 30 Zentimeter tiefen Kiesstreifens nötig. «Allerdings ist dieser noch nicht ganz fertig. Es wird noch eine Absenkung eingefügt, welche besser ersichtlich macht, wie tief die Rinne ist», sagt Leutwyler. «Aufgrund des Grundwassers mussten wir an dieser Stelle die Lösung mit dem Kiesstreifen wählen, damit Wasser versickern kann», erklärt er. Eine Schranke als Absperrung sei daher nicht infrage gekommen.

Michael Bielser ist mit der Situation nicht zufrieden: «Wenn da etwas nicht fertig ist, muss man das doch irgendwie erkenntlich machen. Ich finde das höchst bedenklich.» Die BUD erklärt die Eröffnung des Velowegs vor Abschluss der Arbeit an dem Kiesstreifen damit, dass der Veloweg selber fertig sei und bei Einhalten der Vorschriften nichts passieren könne. Bielser ist sich jedoch sicher, dass die meisten Velofahrer nicht wissen, dass das blaue Schild zur Benutzung des Velowegs verpflichtet. «Wie viele Unfälle müssen erst passieren, damit der Kanton mit ergänzenden Fahrverboten Klarheit schafft?», fragt Bielser. Ein rot-weisses Absperrband habe man mittlerweile angebracht. «Das ist wirklich das Mindeste.»