St. Jakobshalle
Veranstalter befürchten horrende Mieten nach Sanierung der St. Jakobshalle

Morgen entscheidet der Grosse Rat über die Zukunft der St. Jakobshalle: Stimmt das Parlament der Vorlage der Regierung zu, wird die Halle saniert. Lehnt sie das Geschäft aber ab, rückt eine Lösung für die veraltete Mehrzweckhalle in weite Ferne.

Moritz Kaufmann
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Mehrere Eventveranstalter raten von einem grossen Sprung ab: Ein Hallenneubau bringe zu viele Nachteile. (Bild: Night of the Jumps) Keystone

Mehrere Eventveranstalter raten von einem grossen Sprung ab: Ein Hallenneubau bringe zu viele Nachteile. (Bild: Night of the Jumps) Keystone

Zahlreiche Eventveranstalter, welche die St. Jakobshalle seit Jahren nutzen, fürchten sich vor diesem Szenario. Auch die Aussicht auf eine mögliche neue, moderne Eventhalle kann sie nicht begeistern. Im Gegenteil: «Die jetzige Halle hat eine sehr gute Nischenfunktion», sagte etwa Christian Wackernagel, der die Badminton Swiss Open organisiert. Sie sei nicht so schlecht, wie die Befürworter eines Neubaus behaupten. Die Grösse sei absolut ausreichend und auch das Konzept überzeuge nach wie vor. «Quadratisch, praktisch, gut», fasst er zusammen.

Auch Christoph Socin will nicht aus der heutigen Halle weg. Er organisiert unter anderem das Volleyballturnier Women’s Top Volley International, die Curling-WM oder das CSI-Basel. Für ihn steht neben dem praktischen Nutzen der Halle ein anderer Aspekt im Vordergrund: «Eine Renovation kostet zwischen 80 und 90 Millionen Franken. Eine neue Halle wäre mindestens doppelt so teuer.»

Eine teure Halle, die leer steht

Ihn ärgere es, dass die Politiker, die einen Neubau fordern, nicht über die Kosten reden. Er befürchtet, dass die Mieten für Veranstaltungen stark steigen würden, wenn eine moderne Arena gebaut wird. «Bei einer Sanierung werden die Mieten moderat nach oben angepasst. Bei einem Neubau könnten sich viele kleinere Mieter die Halle aber nicht mehr leisten», ist er überzeugt. Auch er wäre gezwungen, sich nach anderen Standorten umzusehen. «Ich habe billige Alternativen: Ich kann Top Volley auch in der Halle 1 der Messe Basel machen», sagt er. Nur: «Das wäre dann noch blöder. Dann haben wir eine teure Halle, die leer steht.»

Auf einen weiteren Nachteil eines Neubaus weist Rolf Arnet hin. Er ist Geschäftsführer von 4You Events und Hannibal-Entertainment, welche unter anderem Veranstaltungen wie die Big Bang Silvesterparty oder den Elektro-Event Sonic organisieren. «Für einen Neubau gibt es kein Land. Man müsste zuerst die jetzige Halle abbrechen. Es gibt also sicher einen Unterbruch von zwei bis drei Jahren.» Dann, so glaubt Arnet, kommen die Events aber nicht mehr zurück. «Wenn man einen neuen Standort sucht, muss man Geld investieren. Das will man nicht alle zwei Jahre machen.»

Grosse Veranstalter für Neubau

Für einen Neubau sind vor allem Grossveranstalter, wie etwa André Béchir von der Zürcher Konzertagentur Good News. Er meint, dass in der Schweiz der Mut fehle, neue Hallen zu bauen. «Schauen Sie sich die Hallen in Deutschland oder England an. Eine Sanierung ist Pflästerlipolitik.»

In einem Punkt sind sich aber alle einig: Die Innenausstattung der Joggelihalle ist hoffnungslos veraltet. Das weiss auch Geschäftsführer Michel Loris-Melikoff. «Natürlich muss die Halle saniert werden. Aber das Layout, der Standort und die Konzeption entsprechen nach wie vor den Bedürfnissen unserer Kunden.» Als Beispiel nennt er die Swiss Indoors. Loris-Melikoff sieht dafür keinen dringenden Bedarf für eine Vergrösserung der Halle. «Wir haben pro Jahr 15 bis 20 Konzerte. Von denen sind vielleicht fünf ausverkauft.» Und auch für ihn spielt das Geld eine Hauptrolle. «Die Mehrkosten für einen Neubau zahlen die Veranstalter oder die Steuerzahler.» Und diese seien kaum dazu bereit. Loris-Melikoff: «Wir haben eine Verantwortung, dass die Halle wirtschaftlich bleibt.»