Virus
Verdacht auf Schweinepest: Tote Wildsau in Titterten sorgte für Grosseinsatz

Die Chemiewehr rückte gleich mit zwei Lastwagen aus – nach der Blutprobe gibt’s Entwarnung. Die Angst bleibt aber.

Andreas Hirsbrunner
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Ein schönes, aber ungern gesehenes Tier: Das Wildschwein tut sich nicht nur an landwirtschaftlichen Kulturen gütlich, sondern kann auch das gefürchtete Schweinepest-Virus übertragen.

Ein schönes, aber ungern gesehenes Tier: Das Wildschwein tut sich nicht nur an landwirtschaftlichen Kulturen gütlich, sondern kann auch das gefürchtete Schweinepest-Virus übertragen.

zvg

Da staunte manch ein Titterter letzten Donnerstagnachmittag nicht schlecht: Zwei Lastwagen der Chemiewehr sowie mehrere Personenwagen passierten das Dorf in Richtung Wald und verschwanden dort. Hätten Uneingeweihte im Wald gesehen, wie es weiterging, sie hätten noch viel mehr gestaunt. Acht Personen vom Chemiewehr-Einsatzleiter über den Kantonstierarzt bis zum örtlichen Jagdaufseher entstiegen den Fahrzeugen, mehrere von ihnen zogen sich Schutzanzug und Handschuhe über und näherten sich einem toten Wildschwein.

Eine Person ging ganz zum schon leicht verwesenden Tier hin, entnahm ihm eine Blutprobe, brachte ihm eine Marke am Bein an und verpackte es in eine Plastikfolie. Die Plastikfolie ihrerseits kam in einen Plastiksack, der verschlossen und desinfiziert wurde. Danach landete das Ganze in einem zweiten Plastiksack, der ebenfalls verschlossen und desinfiziert wurde. Das alles erzählt Martin Brack vom Amt für Bevölkerungsschutz, der den Einsatz leitete. Wieso dieser Grossaufwand für ein totes Wildschwein? Brack: «Es war nicht auszuschliessen, dass das Tier an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt war. Deshalb entschlossen wir uns, in Titterten erstmals unser für einen solchen Fall erarbeitetes Konzept eins zu eins umzusetzen.»

Das Virus kommt immer näher

Im Nachhinein freut sich Brack gerade zweifach: «Die Blutprobe ergab, dass das Tier nicht vom Schweinepest-Virus befallen war. Und der Einsatz hat gezeigt, dass wir vorbereitet sind für den Ernstfall und unser Konzept verhält.» Es drängten sich nach dem Einsatz in Titterten keine Änderungen auf.

Der Hinweis auf das tote Wildschwein kam laut Brack von einem Jäger. Die Todesursache bleibt aber offen. Das Tier sei mutmasslich weder angeschossen noch angefahren worden, sagt Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschaft- und Gesundheitsdirektion. Gleichzeitig macht Wirz klar, dass die Situation schon bei der nächsten toten Wildsau ganz anders aussehen kann: «Die Frage ist weniger, ob die Afrikanische Schweinepest zu uns kommt, sondern wann.

Die Gefahr ist sehr gross, in Deutschland herrscht an der Grenze zu Polen Alarmbereitschaft.»
Polen gehört zusammen mit der Ukraine sowie den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland gemäss dem neusten «Radar Bulletin» des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zu den von der Afrikanischen Schweinepest am meisten betroffenen europäischen Staaten. In rund 700 Kilometern Distanz am nächsten zur Schweiz wurde vor kurzem aber ein infiziertes Wildschwein in Tschechien gefunden.

Die grösste Gefahr für die Schweiz ortet der Bund bei der Einfuhr von nicht erhitztem Fleisch von Schweinen respektive Wildschweinen aus den betroffenen Staaten und von Jagdreisen dorthin. Denn auch mittels kontaminierten Jagdgeräten, Stiefeln, Kleidern oder Trophäen könnte das für Schweineartige hochansteckende, für Menschen aber ungefährliche Virus eingeschleppt werden (siehe auch bz vom 11. April). Einen Impfstoff dagegen gibt es nicht.

Die Konsequenzen wären radikal. Wird ein Tier von einem Schweinemastbetrieb vom Virus befallen, müsse der ganze Bestand getötet werden, sagt Wirz. Bisher blieb die Schweiz von der Afrikanischen Schweinepest verschont.