Baselbiet
Verein Verseni unterstützt schon seit Jahren ein Kinderheim in Rumänien

Heimkinder aus Verseni in Rumänien waren in der letzten Woche zu Besuch in der Schweiz. Der Baselbieter Verein Verseni setzt sich schon lange für das Kinderheim ein. Ebenso der FC Basel, der den Kindern Fussballtrikots spendete.

Dimitri Hofer
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Alessia Ramseier, Ionel Ipate, Noëmi Aegerter und Thierry Moosbrugger (v. l.) stossen in Augst mit rumänischem Brombeerschnaps an.

Alessia Ramseier, Ionel Ipate, Noëmi Aegerter und Thierry Moosbrugger (v. l.) stossen in Augst mit rumänischem Brombeerschnaps an.

Alexandre Preobrajenski

Die unterhaltsame Anekdote, die Ionel Ipate am Mittwochabend in Augst zum Besten gab, liess die Anwesenden in Erinnerungen schwelgen. Der Leiter eines Kinderheims in Rumänien erzählte von einem sprachlichen Missverständnis, das für grosses Gelächter sorgte. Anstatt den gewünschten zwei Kilogramm Peperoni schrieb ein junger Baselbieter auf die Einkaufsliste für das Abendessen versehentlich Peperoncini. Trotz wilden Gestikulierens des rumänischen Küchenchefs kam er nicht von seinem Vorhaben ab und kaufte im lokalen Lebensmittelladen das notierte scharfe Gemüse.

Besuch des FCB-Matchs

Abgespielt hat sich die Geschichte diesen Juli in Verseni, einem kleinen Bauerndorf im Nordosten Rumäniens. Jedes Jahr reisen Jugendliche aus der Region Basel ins dortige Kinderheim, um mit den Heimkindern während einer Woche ein Freizeitprogramm durchzuführen.

Das von der Jugendseelsorge des Dekanats Liestal ins Leben gerufene Projekt finanziert sich durch Spendenaktionen und Beiträge von Gönnern. Zum zweiten Mal luden die Verantwortlichen Ionel Ipate, den langjährigen Leiter der Institution, zusammen mit dessen Frau in die Schweiz ein.

Im Garten von Noëmi Aegerter, der Präsidentin des Vereins Verseni, liess Ipate die bisher gemachten Erfahrungen in unserem Land Revue passieren. «Besonders fasziniert hat mich der Besuch des Solarcamps von Greenpeace im Emmental», erklärte er.

Ein weiterer Höhepunkt wird am kommenden Sonntag das Spiel des FC Basel sein, zu dem er vom Fussballclub eingeladen wurde. Auch der FCB unterstützt Ipates Einrichtung seit Jahren und hat schon mehrmals nicht mehr benötigte Fussballtrikots nach Rumänien verschenkt. Auch der Sportplatz des Kinderheims wurde vom Verein mitfinanziert. Mit dem Führungsstab wird sich Ipate nach dem Match gegen die Young Boys im St. Jakob-Park treffen.

Eigener Agrarbetrieb

Als Übersetzer bei der Unterhaltung wird erneut Thierry Moosbrugger fungieren. Der Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit der Römisch-katholischen Kirchen beider Basel ist Gründer des Projekts und spricht aufgrund der zahlreichen Aufenthalte in Verseni gut Rumänisch. «Vor der ersten Reise habe ich mir einige Brocken der Sprache angeeignet, da eine Verständigung sonst schwierig gewesen wäre», erinnert sich Moosbrugger. Dem Reiseführer für Ionel Ipate und dessen Frau ist aufgefallen, dass die beiden Rumänen von der schweizerischen Tradition, Sorge zu historischen Gebäuden zu tragen, tief beeindruckt sind.

In seinem Heimatland sei das nicht der Fall, wie Ipate erklärte. Ausserdem gebe der rumänische Staat für die Infrastruktur in ländlichen Gebieten nur wenig Geld aus. Die Zuwendungen aus Bukarest für sein Kinderheim seien zu gering, um zu überleben. Deshalb gründete man einen angeschlossenen Agrarbetrieb, wo das Heim Gemüse anpflanzt und Nutztiere hält. Die 36 Kinder, von denen viele Waisen sind oder aus einem zerrütteten Elternhaus stammen, übernehmen immer wieder kleinere Arbeiten im Betrieb. «Dank der Einnahmen aus dem Verkauf unserer Produkte und der finanziellen Hilfe aus der Schweiz existiert das Heim noch immer», ist sich Ionel Ipate sicher.

Pikante rumänische Küche

Für die rumänischen Kinder gehört die Woche mit den Schweizer Jugendlichen zu den Höhepunkten des Jahres. Zum dritten Mal nach Verseni begab sich dieses Jahr Simone Meier aus Tecknau. Die 20-Jährige trat die Reise an, weil sie den Heimbewohnern Abwechslung in ihren Alltag bringen will. Auf das oft pikante Essen hätte sie aber durchaus verzichten können. Ein richtig feuriges Gericht musste sie hingegen nicht über sich ergehen lassen. Die irrtümlich erworbenen Chili-Schoten fanden ihren Weg letztlich doch nicht in den rumänischen Kochtopf.