Birsfelden
Verkehrslawine befürchtet: Breitere Strasse durch Hardwald stösst auf wenig Gegenliebe

Birsfelden ist bereits stark verkehrsbelastet. Wenn der Kanton wie geplant die Rheinfelderstrasse verbreitert, möchte die Gemeinde nicht noch mehr Durchgangsverkehr.

Michel Ecklin
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Es soll nicht noch mehr Verkehr vom Erdnusskreisel aus nach Birsfelden fahren, fordert man in der Gemeinde.

Es soll nicht noch mehr Verkehr vom Erdnusskreisel aus nach Birsfelden fahren, fordert man in der Gemeinde.

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Stau gehört in Birsfelden zum Ortsbild. Wenn die A 2 überlastet ist – also fast täglich – weichen die Autofahrer über den Birsfelder Ortskern aus. Und jetzt möchte der Kanton die Rheinfelderstrasse zwischen Muttenz und Birsfelden vierspurig ausbauen, als Bypass, wenn auf der Autobahn kein Durchkommen mehr ist.

Das weckt in Birsfelden Ängste, dass die Blechlawine durchs Siedlungsgebiet noch grösser werden könnte. «Ein allfälliger Ausbau darf uns absolut keinen zusätzlichen Durchgangsverkehr bringen», sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann.

Kanton beruhigt

Der FDP-Landrat ist an sich nicht gegen den Ausbau der grossen Verkehrsachsen in der Region, ganz im Gegenteil: So setzte er sich vor fünf Jahren für einen Autotunnel von Frenkendorf nach Arlesheim ein. Für einen Ausbau der Rheinfelderstrasse würde er verschiedene Bedingungen stellen. Die wichtigste: «Sie muss Teil des übergeordneten Hochleistungsnetzes sein und dazu beitragen, das regionale und unser kommunales Netz zu entlasten.»

Konkret fordert er eine Regulierung des Verkehrs beim «Erdnusskreisel», beim Ortseingang am westlichen Ende der Rheinfelderstrasse. Dem hält der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu entgegen: «Es wird in Birsfelden nicht mehr Verkehr geben. Für Birsfelden wird sich mit der Verbreiterung der Rheinfelderstrasse gar nichts ändern.»

Vielleicht doch Verkehrsregulierung

Denn im Normalfall werde die Kapazität auf der Rheinfelderstrasse nicht erhöht. Es werde höchstens mehr Platz für Linksabbieger oder für eine Busspur geben. Die zusätzliche Verkehrsfläche verwende man dann, wenn die Autobahn verstopft sei. «Derzeit haben wir dann keinen einzigen Quadratmeter Asphalt mehr zu bieten.»

Und in ferner Zukunft werde der Verkehr von der Rheinfelderstrasse in den Rheintunnel fliessen. «Niemand wird es sich antun, durch den Ortskern zu fahren.» Sehu will aber nicht ausschliessen, beim Erdnusskreisel eine Verkehrregulierung einführen. «Wir müssen sicherstellen, dass nicht mehr Verkehr nach Birsfelden fliesst.»

Kritische Gemeinde

Derweil organisiert sich der Widerstand gegen die Strassenverbreiterung. Die Birsfelder SP hat eine Petition lanciert, mit der sie den Regierungsrat auffordert, die Planung des Strassenausbaus zu sistieren und den Hardwald zu schützen. Auch die SP befürchtet Mehrverkehr. Und der Vizepräsident der Muttenzer Grünen, Peter Hartmann, rechnet vor: Mit dem Ausbau der A 2 auf acht Spuren und der Verbreiterung der Rheinfelderstrasse werde man auf 16 Spuren durch Muttenz fahren können.

Sein Fazit: «Mehr Strassen bringen mehr Verkehr und lösen somit unsere Mobilitätsprobleme nicht.» Hiltmann überrascht dieser Unmut nicht: «Wir sind in Birsfelden hochgradig verkehrsgeschädigt. Gegenüber allem, was mehr Durchgangsverkehr in unser Dorf bringt, sind wir sehr kritisch eingestellt.»

Er ist aber sicher, dass der Kanton vor weiteren Schritten auf die Gemeinde zukommt: «Die Zeiten sind vorbei, als der Kanton über die Köpfe der Gemeinden hinweg entschied.»