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Verkommt Baselland zur Bildungsinsel? Das sagen die Parteien

Die Starke Schule Baselland plant einen nächsten Vorstoss gegen den Lehrplan 21. Die Parteipräsidentinnen und -präsidenten der Region nehmen Stellung zu diesen Plänen.

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Der nächste Vorstoss des Vorstands der Starken Schule Baselland will die vorgesehene Vermittlung von Kompetenzen verhindern und stattdessen Themen und Inhalte festschreiben. (Symbolbild)

Der nächste Vorstoss des Vorstands der Starken Schule Baselland will die vorgesehene Vermittlung von Kompetenzen verhindern und stattdessen Themen und Inhalte festschreiben. (Symbolbild)

Keystone

Martin Töngi

SP: Adil Koller, Münchenstein

«Es braucht genügend Zeit, Ressourcen und Ruhe an den Schulen. Dafür ist der Zickzack-Kurs der FDP-Bildungsdirektorin hinderlich. Die SP erwartet eine klare Linie und deutliche Stellungnahmen von Frau Gschwind. Monica Gschwind ist weiterhin für viel Unruhe an den Schulen verantwortlich, weil sie sich von Herrn Wiedemann fernsteuern lässt. Sie arbeitet nicht mit dem gesetzlich legitimierten Bildungsrat zusammen, sondern mit der MarschhaltTruppe. Gschwind muss die selbst geschaffenen Doppelspurigkeiten Bildungsrat-Marschhalt bereinigen. Der neue Lehrplan soll nun auf allen Stufen umgesetzt werden, damit ein Klassenzug sämtliche Stufen durchlaufen kann. Danach braucht es eine Standortbestimmung und eine Auswertung, wo Verbesserungen nötig sind. Die SP setzt sich dafür ein, dass das Baselbiet nicht zur kompletten Bildungsinsel verkommt und weiterhin den Weg mit den anderen Kantonen weitergeht. Die Harmos-Ausstiegs-Initiative würde das zerstören.»

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FDP: Christine Frey, Münchenstein

«Die FDP erwartet, dass der Bildungsrat die Abstimmungsergebnisse vom Wochenende ernst nimmt. Die Stimmbevölkerung will einen Lehrplan, der auf das Baselbiet zugeschnitten ist. Ferner hat der Landrat eine Motion überwiesen, die fordert, dass im Lehrplan Lernziele für alle Stufen enthalten sind. Diese Arbeiten sind unbedingt einzubeziehen. Wir werden Bildungsdirektorin Monica Gschwind bei ihrem Vorhaben unterstützen, einen mehrheitsfähigen Lehrplan auszuarbeiten. Die von der FDPFraktion eingereichte Motion, den Bildungsrat abzuschaffen, wird Klarheit schaffen, wer im Kanton bildungspolitisch den Ton angibt. Wir sind der Meinung, dass auch in der Bildungsdirektion die Regierung im Lead sein sollte, so wie das auch in den anderen Direktionen der Fall ist.»

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CVP: Marc Scherrer, Laufen

«Mit dem Nein zur Vorlage ‹Einführung Lehrplan 21› hat das Volk einmal mehr dem Bildungsrat sein Vertrauen ausgesprochen. Der Bildungsrat sollte also nicht einfach abgeschafft werden. Der CVP ist es ein Anliegen, dass das Gremium bestehen bleibt – allenfalls in einer angepassten Version. Das bedeutet aber auch, dass die Frage ‹Wie weiter mit der Gruppe Marschhalt?› von der Bildungsdirektorin bald beantwortet werden muss. Im Weiteren kann der Lehrplan 21 aus unserer Sicht fast wie geplant eingeführt werden – ‹fast›, da ohne Sammelfächer. Hier wünschen wir uns, dass unter den neuen Voraussetzungen auch nochmals die Stundentafel zur Diskussion kommt. Ein grosses Anliegen ist uns nach wie vor, dass Baselland nicht zur Bildungsinsel wird. Monica Gschwind hat die Aufgabe, mit den anderen Kantonen der Nordwestschweiz entsprechend zu verhandeln und in der Lehrpersonenausbildung an der Pädagogischen Hochschule eine Lösung zu finden, die für unseren Kanton nicht teurer wird.»

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Grüne: Florence Brenzikofer, Oltingen

«Wir sind der Meinung, dass Regierungsrätin Monica Gschwind eine Führungsverantwortung hat und diese wahrzunehmen hat. Nach dem letzten Abstimmungswochenende steht sie in der Pflicht, hinzustehen und klar zu sagen, wie sie die vom Volk beschlossene Schulreform Harmos in Baselland umsetzen will. Eltern, Schüler, Schülerinnen und Lehrpersonen brauchen endlich Klarheit und die Schulen Planungssicherheit. Es stehen weitere Bildungsabstimmungen in Baselland bevor, da erwarten die Grünen von Regierungsrätin Gschwind, dass sie sich klar positioniert und den Kanton Baselland als Partner im Bildungsraum Nordwestschweiz vertritt.»

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EVP: Urs von Bidder, Binningen

«Nach dem Entscheid vom 5.Juni muss sich weiterhin der Bildungsrat mit dem Lehrplan beschäftigen. Er hat Prioritäten zu setzen und zu definieren, welche Lernkompetenzen mit welchen Mitteln zu welchem Zeitpunkt zu erreichen sind. Er muss keinen neuen Lehrplan schreiben, sondern praktikable Handreichungen zur Umsetzung des Lehrplans 21 an den Schulen erarbeiten. Mit dem 5.Juni ist die Zeit des Marschhaltes vorbei. Jetzt müssen die nötigen Entscheide gefällt und konkrete Aufträge an den Bildungsrat erteilt werden. Ich bin froh, dass Monica Gschwind den Aktivismus der Starken Schule in die Schranken weist. Die Ziele des Harmos-Konkordats, welches in der Volksabstimmung klar angenommen wurde, unterstützt die EVP nach wie vor. Ein Alleingang des Baselbiets wäre verheerend. Wenn wir auch in Detailfragen unterschiedliche Meinungen haben, darf das grosse Ziel, die Volksschule in der Deutschschweiz besser zu harmonisieren, nicht aus den Augen verloren werden.»

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Grünliberale: Hector Herzig, Langenbruck

«Das Nein zu den Sammelfächern ist ein Schuss des Volks vor den Bug des Bildungsrats. Er muss sich auf eine solide, mehrheitsfähige Bildungspolitik zurückbesinnen, wenn er nicht seine Abschaffung riskieren will. Der Lehrplan 21 kann nur umgesetzt werden, wenn er auf der Ebene der Stufenlehrpläne mit Inhalten gefüllt wird, wie das die vom Landrat überwiesene Motion «Stufenlehrpläne mit transparentem Inhalt» fordert. Ausserdem muss das gescheiterte Fremdsprachenkonzept überdacht werden.»

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BDP: Marc Bürgi, Pratteln

«Die BDP respektiert den Volksentscheid, die Einführung der Sammelfächer zu stoppen. Nun ist der Kanton Baselland auf sich allein gestellt, während die Nachbarkantone die Sammelfächer einführen. Dadurch droht Baselland zur Bildungsinsel zu werden. Aus diesem Grund erwartet die BDP von der Regierung Massnahmen, damit die Bildungskosten nicht aus dem Ruder laufen. Ausserdem erwartet die BDP, dass die Regierung nun rasche Lö- sungen erarbeitet, um die erhöhte Gefahr der erfolglosen Rekrutierung von qualifiziertem Lehrpersonal zu dämpfen. Da die Schulen bereits heute schweizweit grosse Schwierigkeiten haben, Generalisten zu finden, wird sich das Abstimmungsresultat für das Komitee Starke Schule Baselland möglicherweise zum Pyrrhussieg entwickeln. Durch die forcierte Ausbildung von Fachspezialisten erhöht sich der Mangel an Generalisten erneut. Die BDP wird deshalb die Entwicklung im Bildungsbereich sehr genau beobachten.»

zvg

SVP: Oskar Kämpfer, Therwil

«Die Parteileitung wird Ende Juni über das weitere Vorgehen in der Bildung diskutieren und anschliessend dazu Stellung nehmen.»

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